Spinnen

Spinnen kommen in fast jedem Haushalt vor.

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Wissenschaft

Das große Krabbeln: Tierarten in der Wohnung

Von nord24
19. Januar 2016 // 14:46

Das dürfte nicht jedem gefallen: In einem einzelnen Haushalt krabbeln im Mittel etwa 100 verschiedene Tierarten - zumindest in den USA. Neben Fliegen und Käfern seien vor allem Spinnen, Ameisen und Bücherläuse typische Mitbewohner, berichten Forscher im Fachjournal "PeerJ". Die gute Nachricht: Schädlinge sind nur die wenigsten von ihnen. Die weniger gute vor allem für Menschen mit Krabbeltier-Phobie: Komplett frei von kleinen Mitbewohnern waren nur fünf von mehr als 550 untersuchten Räumen. Das waren vier Bade- und ein Schlafzimmer.

50 freistehende Häuser durchstöbert

Die Wissenschaftler um Matt Bertone von der North Carolina State University in Raleigh hatten in der Stadt und ihrer Umgebung 50 freistehende Häuser mit insgesamt 554 Zimmern nach kleinen Lebewesen durchstöbert. Nur sichtbare Flächen, gut zugängliche Ecken unter Schränken eingeschlossen, wurden abgesucht. Alle aufgespürten Gliederfüßer (Arthropoden), egal ob lebend oder tot, wurden erfasst. Dieser großen Tiergruppe gehören Insekten, Tausendfüßer, Krebs- und Spinnentiere an. 32 bis 211 optisch klar unterscheidbare Arten fanden die Forscher in den einzelnen Häusern, im Durchschnitt waren es um die 100. Insgesamt wurden 579 verschiedene Spezies erfasst.

Unser Zuhause ist keine sterile Umgebung

"Unsere Häuser bieten viel mehr Biodiversität, als die meisten Leuten denken", wird Bertone in einer Mitteilung zur Studie zitiert. "Wir stellen uns unser Zuhause oft als sterile Umgebung vor, aber das ist sie nicht." Unser Lebensraum sei auch der vieler anderer Arten, nur gebe es meist kaum Berührungspunkte, und die Mitbewohner würden gar nicht bemerkt. Haubennetzspinnen (Theridiidae) zum Beispiel wurden demnach in allen Häusern und in zwei Dritteln aller Räume gefunden. Immer im Haus zu finden waren zudem Speckkäfer, Gallmücken und Ameisen. Fast immer auch gab es Bücherläuse und Trauermücken.

Viele Tierarten kommen von draußen ins Haus

Auch versehentliche Besucher wie Kleinzikaden (Cicadellidae) wurden erfasst. Viele der gefundenen Arten lebten nicht ständig in den Haushalten, sondern seien von draußen ins Haus gelangt, sagt Bertone. In der Wohnung lebten sie dann meist nicht mehr lange. Als ein weiteres Beispiel führen die Wissenschaftler Gallmücken an, die sich von Pflanzen außerhalb der Häuser ernähren.

Die meisten Schädlinge sind Schaben

Zu den wenigen Schädlingen, die die Forscher aufspürten, zählten Schabenarten wie die Rauchbraune Großschabe (Periplaneta fuliginosa) und die Amerikanische Großschabe (Periplaneta americana). Sie kamen in fast drei Vierteln der Haushalte vor. Seltener waren Termiten (28 Prozent der Häuser), Flöhe (zehn Prozent) und die Deutsche Schabe (Blattella germanica, sechs Prozent).

"Die Mehrheit sind friedliche Mitbewohner"

"Die überragende Mehrheit der Gliederfüßler, die wir in den Häusern fanden, waren keine Schädlinge, sondern friedliche Mitbewohner", sagt Bertone. Lästige Arten wie Staubmilben, Silberfischchen und Kleidermotten habe es allerdings durchaus im Großteil der Häuser gegeben. Bettwanzen waren nicht darunter.

Tierarten reisen mit den Menschen mit

Die Forscher wollen ihre Analyse nun ausweiten. "Wir wollen auch in anderen Gegenden der USA Proben nehmen und erwarten da auch Unterschiede", sagt Bertone. Viele der Arthropoden seien aber weit verbreitet in den USA und der ganzen Welt. "Sie reisen seit Jahrhunderten mit den Menschen mit." Mitautorin Michelle Trautwein will die Rolle der Krabbeltiere im "Ökosystem Haus" untersuchen: "Haben sie mikrobielle Organismen, die unsere Gesundheit zum Guten oder Schlechten beeinflussen?"

Keine Studie für Deutschland

Eine ähnlich umfassende und detaillierte Studie für Deutschland gibt es nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) nicht. Zumindest der Anteil der hierzulande vorkommenden Haushaltsschädlinge dürfte aber dem Wert in den USA entsprechen, schätzt eine Mitarbeiterin der Zoologischen Staatssammlung München. Küchenschaben verursachten in Deutschland neben Mäusen und Ratten die meisten Probleme, berichten Schädlingsbekämpfer.

Ekelgrenze ist bei jedem anders

"Vieles, was bei uns in den Häusern rumkrabbelt, ist nicht gefährlich. Aber die Grenze, ab der man etwas noch okay findet oder sich ekelt, ist bei jedem anders", sagt Andreas Beckmann, Geschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpferverbands. So seien Silberfischchen in der Wohnung für manche tolerabel, für andere aber nicht.

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