Ötzi

Wissenschaftler untersuchen die Gletschermumie Ötzi.

Foto: Samadelli/EURAC/dpa

Wissenschaft

Gletschermann Ötzi hatte Bauchschmerzen

Von nord24
7. Januar 2016 // 13:30

Ötzi war mit einer aggressiven Variante des Magenkeims Helicobacter pylori infiziert. Das Bakterium kann Magengeschwüre und Magenkrebs verursachen. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science".

Bakterium stammt aus Asien

Der bei Ötzi gefundene Stamm ähnelt Varianten, die heute in Mittel- und Südasien kursieren. Für die Wissenschaftler ist die Besiedlungsgeschichte Europas damit noch komplexer als bisher angenommen. Oder der Gletschermann war kein typischer Bewohner der Gegend.

In den Ötztaler Alpen gefunden

Die 5300 Jahre alte Gletschermumie war 1991 in den Ötztaler Alpen gefunden worden. Für Sebastian Suerbaum von der Medizinischen Hochschule Hannover ist die Rekonstruktion eines so alten Magenkeim-Genoms ein technologischer Durchbruch. Die ältesten bisher bekannten Varianten von Helicobacter pylori stammen aus den achtziger Jahren. Das Bakterium selbst wurde erst 1983 entdeckt.

Ötzi fehlt die Magenschleimhaut

"Es war sehr unwahrscheinlich, etwas zu finden, da Ötzis Magenschleimhaut nicht mehr vorhanden ist", sagt der Paläopathologe und Studienleiter Albert Zink von der Universität Wien. Die Forscher analysierten daher die Gesamt-DNA des Mageninhalts und wurden fündig.

Viele Menschen mit Helicobacter pylori infiziert

Heutzutage ist die Hälfte aller Menschen mit Helicobacter pylori infiziert. Das Bakterium lebt in der Magenschleimhaut und begleitet den Menschen vermutlich schon seit mindestens 100.000 Jahren. Zehn Prozent der Infizierten entwickeln Probleme wie Magengeschwüre, Magenentzündungen oder Magenkrebs.

Ötzi wird mit ausgeklügelter Technik untersucht

Ötzi lagert im Südtiroler Archäologiemuseum. Mit ausgeklügelter Technik werden dort die Umstände simuliert, unter denen die Mumie am 19. September 1991 von einem Wandererpaar aus Nürnberg entdeckt wurde. In Gletschereis verpackt hatte sich die Leiche des Mannes aus der Kupferzeit über Jahrtausende erhalten.

Pfeilspitze in der Schulter

Seither versuchen Scharen von Wissenschaftlern, Ötzi möglichst viele Informationen zu entlocken. Eine in der Schulter entdeckte Pfeilspitze aus Feuerstein machte klar, dass der Mann getötet wurde. Kurz zuvor hatte er Fleisch von einem Ziegenbock gegessen. Man weiß auch, dass er Karies hatte und unter Stress und Borreliose litt. Augenfarbe, DNA und Blutgruppe sind bekannt. Ebenso, dass der Gletschermann laktoseintolerant und tätowiert war.

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