Die Kerzen formen einen Davidstern. Sie erinnern an den Novemberpogrom vor 79 Jahren. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel rief dieses dunkle Kapitel der Geschichte ebenfalls mit einem Vortragsabend ins Gedächtnis.

Die Kerzen formen einen Davidstern. Sie erinnern an den Novemberpogrom vor 79 Jahren. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel rief dieses dunkle Kapitel der Geschichte ebenfalls mit einem Vortragsabend ins Gedächtnis.

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Zeven

Gedenkstätte Sandbostel: Kriegsgefangener wurde bei Flucht erschossen

Von Sophie Stange
10. November 2017 // 16:15

Es ist der 9. November 2017. In der ehemaligen katholischen Lagerkirche in Sandbostel brennt um 19 Uhr noch Licht. Die Heizung läuft auf Hochtouren, zwei Heizstrahler sind aufgestellt, die Wärme spenden sollen bei einem Thema, das von Kälte geprägt ist – die Reichspogromnacht am 9. November 1938. 

Erinnerung an den Völkermord

„Der 9. November ist in mehrfacher Hinsicht ein bedeutendes Datum in der Geschichte. Heute vor 79 Jahren wurde die Reichspogromnacht von den Nationalsozialisten angezettelt. Synagogen haben gebrannt, Geschäfte wurden geplündert“, sagt Andreas Ehresmann, Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel.

Unterschiedlicher Umgang mit den Gefangenen

Viel wurde zum Thema geforscht, doch über eines wurde bislang wenig gesprochen – über den Umgang mit jüdischen Kriegsgefangenen in den Lagern der Wehrmacht. Das sollte sich an diesem Abend in der Lagerkirche in Sandbostel ändern: Die Historikerin Dr. Janine Doerry von der Gedenkstätte Augustaschacht und der wissenschaftliche Dokumentar der Gedenkstätte Lager Sandbostel, Ronald Sperling, verdeutlichten den Besuchern, wie unterschiedlich mit den Gefangenen umgegangen wurde.

Hierarchie war festgelegt

Schon während des Krieges entwickelte sich laut mehreren Historikern eine Hierarchie zur Behandlung der Gefangenen aus den verschiedenen Ländern. So galten italienische Militärinternierte beispielsweise als Verräter, sowjetische Gefangene standen ebenfalls weit unten in der Liste genauso wie polnische Kriegsgefangene. Die Hierarchiespitze war im Gegensatz dazu mit den angloamerikanischen sowie den französischen und belgischen Gefangenen belegt.

Genfer Kriegsgefangenen-Abkommen spielte eine Rolle

Auch das Genfer Kriegsgefangenen-Abkommen von 1929 spielte eine Rolle. Polnische und sowjetische jüdische Kriegsgefangene fielen nicht unter dieses Abkommen. Sie wurden selektiert und gesondert untergebracht.  „Wenn sie sich als Juden zu erkennen gaben, kam es vor, dass sie erschossen oder schwer misshandelt wurden“, sagt Sperling.

Fallbeispiel Ignatz Hecht

Der polnische Jude Ignatz Hecht diente als Freiwilliger in der französischen Armee. Er wurde als Gefangener im Arbeitskommando 610 – einem Judenkommando des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel – eingesetzt. Dem Kommando gehörten 26 jüdische Gefangene unterschiedlicher Nationalität an. Eines Tages wurde Hecht auf dem Weg zur Arbeit verhaftet.

Dem Schwarzhandel bezichtigt

Er soll, so geht es aus den Akten hervor, in einem Bordell versucht haben, Schmuck zu verkaufen und damit Schwarzhandel betrieben haben. Im Verhör belastete ihn eine Angestellte des Bordells – was für die Gestapo der Beweis war. Es wurde beantragt, Hecht in ein Konzentrationslager zu überführen – beschlossen war der Vorgang aber nicht. Ignatz Hecht versuchte zu flüchten, was er mit dem Tod bezahlte. Er wurde erschossen – willkürlich, sind sich die Franzosen sicher.

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