Stadttheater Bremerhaven - Wozzeck

Die musikalische Tragödie „Wozzeck“ zeigt eine Gesellschaft ohne Liebe, ohne Empathie und Utopie. Es gibt für niemanden ein Entkommen – weder für Wozzeck (Filippo Bettoschi, von links) noch für den Doktor (Thomas Burger) oder den Hauptmann (Leo Yeun-Ku Chu).

Foto: Sandelmann

Bremerhaven
Kultur

Manfred Gurlitts Operntragödie „Wozzeck“ geht in Bremerhaven unter die Haut

Von nord24
7. März 2016 // 16:36

„Wir arme Leut“:  Am Sonnabend erlebte Manfred Gurlitts 1926 uraufgeführte musikalische Tragödie „Wozzeck“ im Großen Haus des Stadttheaters eine beeindruckende Premiere. 18 Szenen und ein Epilog, Regisseur Robert Lehmeier macht aus Büchners Dramenfragment eine Operninszenierung wie aus einem Guss. „Der Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinunterschaut.“

Wartesaal oder Irrenhaus?

Kein Ort, nirgends und überall, der Vorhang hob sich vor Bierbänken und Biertischen unter nackten Neonröhren. Die Solisten und der Opernchor saßen auf der sich fast unmerklich drehenden Bühne, die Kostüme reichten vom Trainingsanzug zum Pelzkragen, von der Kittelschürze zum Minirock. Ein aus der Zeit gerückter Raum, der auf uns alle verweist: Ist es ein Wartesaal? Oder doch ein Irrenhaus?

Gedemütigter Soldat

Bei der Umsetzung der Geschichte vom gedemütigten Soldaten, der aus Eifersucht und tiefer Verzweiflung seine Freundin ersticht, konnte sich Lehmeier bei der Premiere ganz auf sein homogenes Ensemble verlassen. Filippo Bettoschi verlieh dem von Wahnvorstellungen geplagten Wozzeck auch schauspielerisch klare Konturen, als Marie stand ihm Gast Inga-Britt Andersson in nichts nach. Leo Yeun-Ku Chu (Hauptmann), Tobias Haaks (Andres) und Thomas Burger (Doktor) überzeugten in ihren Rollen, Henryk Böhm gab mit roten Stiefeln an den Händen einen markant männlichen Tambourmajor.

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