An einem Arbeitsplatz für Motorklemmen ist ein Mitarbeiter im Rollstuhl mit Montagearbeiten beschäftigt.

Im Land Niedersachsen sind etwa 16.000 Unternehmen gesetzlich dazu aufgefordert, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben

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Der Norden

Niedersachsen: Mehr Menschen mit Behinderung lange arbeitslos

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Von nord24
30. November 2022 // 16:00

Die Folgen der Corona-Pandemie sind für Menschen mit Behinderung aus Niedersachsen noch immer spürbar.

Zweithöchster Anteil

Zwar sinken die Arbeitslosenzahlen nach Jahren der Krise wieder, und die Arbeitslosenquote unter Behinderten liegt in Deutschland aktuell bei 11,5 Prozent, wie die "Aktion Mensch" in ihrem am Mittwoch vorgelegten "Inklusionsbarometer Arbeit 2022" festhält. Gleichzeitig verschärfe sich jedoch die Langzeitarbeitslosigkeit. Im Vergleich mehrerer Flächenländer habe Niedersachsen dabei den zweithöchsten Anteil.

Fast die Hälfte

Landesweit seien 6.315 arbeitslose Menschen mit Behinderung mindestens ein Jahr ohne Beschäftigung, hieß es. Mit einem Anteil von 47 Prozent sei dies fast die Hälfte aller potenziellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Erholung und Fortschritt der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt scheiterten dabei vor allem an der Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen, heißt es in der mittlerweile zehnten Erhebung des "Handelsblatt Research Institutes" im Auftrag der "Aktion Mensch".

Betriebe kaufen sich frei

Die Mehrheit der Betriebe kaufe sich frei - auch in Niedersachsen, so lautet ein kritisches Fazit der Erhebung. Landesweit seien etwa 16.000 Unternehmen gesetzlich dazu aufgefordert, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze an Menschen mit Behinderung zu vergeben. Während in Niedersachsen rund 37 Prozent dieser Unternehmen alle Pflichtarbeitsplätze besetzten, beschäftigten dort fast 26 Prozent keinerlei Arbeitnehmer mit Behinderung. "Sie entziehen sich gänzlich ihrer Verpflichtung und zahlen stattdessen die volle Höhe der sogenannten Ausgleichsabgabe", hieß es in dem Bericht.

Rückstau der Maßnahmen

Bert Rürup, Präsident des "Handelsblatt Research Institutes", sprach von einem Rückstau bei den Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik, von denen insbesondere Langzeitarbeitslose profitieren. Viele Maßnahmen seien in den vergangenen Jahren aufgrund der Pandemie ausgefallen, erklärte er. Menschen mit Behinderung, die einmal in der Arbeitslosigkeit seien, spürten die negativen Auswirkungen von Wirtschaftskrisen länger als Menschen ohne Behinderung. "Daher sollte alles getan werden, um Entlassungen zu vermeiden." (dpa)

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