Für viele Künstler, besonders für unbekanntere Musiker und Bands oder den Nachwuchs, sieht die aktuelle Lage und der Blick in die Zukunft düster aus. Bands wie Seeed (im Bild) spielen aber trotzdem in der Regel vor großem Publikum.

Für viele Künstler, besonders für unbekanntere Musiker und Bands oder den Nachwuchs, sieht die aktuelle Lage und der Blick in die Zukunft düster aus. Bands wie Seeed (im Bild) spielen aber trotzdem in der Regel vor großem Publikum.

Foto: dpa

Kultur

Kampf ums Publikums: Musik- und Veranstaltungsszene hat „Long Covid“

Von Nordsee-Zeitung (dpa)
26. Juni 2022 // 11:31

Es ist Sommer, es gibt kaum Corona-Einschränkungen... Doch für die Musik- und Kulturbranche ist längst nicht alles gut. Die Krise sieht nur anders aus.

Keine große Erleichterung

Trotz des Wegfalls der meisten Corona-Auflagen im öffentlichen Leben spürt die Veranstaltungsbranche nach wie vor die Auswirkungen der Pandemie. „In der Branche gibt es ein geflügeltes Wort: Die Veranstaltungsszene leidet unter Long Covid“, sagt der Musiker und Osnabrücker Nachtbürgermeister Jakob Lübke. Nach außen hin sehe alles wunderbar aus, es gebe keine Kontaktbeschränkungen mehr, die Festivals fänden statt und jeder poste Fotos von den Touren. Der Eindruck sei, dass es eine riesige Auswahl an Kulturveranstaltungen gebe. Tatsächlich sei die Lage aber schwierig, sagt Lübke.

Viele Nachholkonzerte, schlechte Ticketverkäufe

Ein Problem sei, dass es derzeit so viele Nachholkonzerte gebe, dass fast schon ein Überangebot herrsche. „Die Branche konkurriert gerade mit sich selber.“ Für die ganz großen Acts sei es kein Problem, aber für viele nicht so bekannte Künstler und den Nachwuchs sei es sehr schwierig, überhaupt Auftrittstermine zu bekommen. „Es gibt schon einen Kampf um die Besuchergruppen.“

Auch Corona bleibt weiter ein Problem

„Die Branche spürt auch die hohen Corona-Infektionszahlen“, nennt Lübke eine weitere Schwierigkeit. Im Moment müsse irgendwo immer jemand aus Krankheitsgründen ersetzt werden, seien es Musiker, Tontechniker oder Tourmanager. Der Blick auf den Herbst verstärke die Sorgen noch. Keiner wisse, ob es nicht wieder Einschränkungen bei Veranstaltungen gebe. Die Folge: In vielen Verträgen gebe es Sonderkündigungsklauseln, etwa für den Fall, dass Maskenpflicht oder andere Einschränkungen herrschten. „Das macht es eigentlich unmöglich, bereits für Herbst und Winter zu planen“, sagt Lübke.

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