In der Schwangerschaft sollten Frauen auf Medikamente verzichten, um das Ungeborene zu schützen.

In der Schwangerschaft sollten Frauen auf Medikamente verzichten, um das Ungeborene zu schützen.

Foto: AOK-Mediendienst

Gesundheit

Gesund leben

Medikamente in der Schwangerschaft

2. Dezember 2021 // 12:00

Nimmt eine Schwangere Medikamente ein, mag es ihr helfen – ihr Ungeborenes aber kann Schaden nehmen. Deshalb ist medizinischer Rat wichtig.

Migräne, Fieber, Magen-Darm-Grippe – während der Schwangerschaft krank zu werden, stürzt werdende Mütter oft in Gewissenskonflikte. Denn fast alle Medikamente, die sie sonst ohne Bedenken einnehmen, erreichen auch das ungeborene Kind und können unter Umständen dessen Entwicklung beeinträchtigen. Wenn möglich, sollten Schwangere daher keine Arzneimittel nehmen, auch keine rezeptfreien. Was aber tun, wenn die Schmerzen groß sind oder es sich um eine chronische Erkrankung handelt? In diesem Fall sollten sie mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig besprechen, ob der Wirkstoff ein Risiko für das Kind bedeutet und es vielleicht besser verträgliche Medikamente gibt.

Die ersten Wochen

Besonders kritisch sind die ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft. In diesem Zeitraum bilden sich die Organe des Embryos aus. Einige Medikamente können in dieser Phase Fehlbildungen auslösen. Gängige Arzneistoffe wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen führen vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel zu Komplikationen. So kann Aspirin eine wichtige Gefäßverbindung des kindlichen Blutkreislaufs zu früh verschließen, Beruhigungs- und Schlafmittel mit Benzodiazepinen können beispielsweise zu Komplikationen wie allgemein geschwächten Muskeln des Kindes führen.

Alkoholgehalt

Vorsicht ist auch bei pflanzlichen Medikamenten geboten: Viele pflanzliche und homöopathische Arzneimittel enthalten Alkohol, was in der Schwangerschaft ebenfalls schädlich ist. Das Risiko ist besonders groß, wenn ein solches Präparat regelmäßig eingenommen wird und so immer wieder Alkohol in den Körper gelangt. Dabei können bei leichten Beschwerden wie einer Erkältung zunächst erst einmal natürliche Hausmittel ausprobiert werden: Bei Kopfweh kann Entspannung helfen, Spazierengehen oder Hinlegen, bei Verdauungsproblemen vielleicht eine Ernährungsumstellung und gegen eine verstopfte Nase eine Nasendusche mit Salzwasser. Bei Sodbrennen hilft beispielsweise, säurehaltige Speisen oder Getränke zu vermeiden, kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen und mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen, sodass der Magensaft nicht in die Speiseröhre laufen kann. Gegen Übelkeit kann Melissentee helfen, und auch Ingwertee ist ein bewährtes Hausmittel.

Vorher abklären

Geht es nicht ohne Medikament, sollten Schwangere immer vorher mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt sprechen. Anders bei chronisch kranken Frauen, die zum Beispiel an Asthma, Bluthochdruck, Diabetes oder Epilepsie leiden: Ein Therapieverzicht kann bei ihnen zu einer dramatischen Verschlechterung der eigenen Grunderkrankung führen und damit zu einer erheblichen Gefährdung des ungeborenen Kindes. Diese Frauen sollten schon vor einer Schwangerschaft mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, welche Medikamente für die Dauer der Schwangerschaft geeignet sind. Das gilt auch für Frauen mit psychischen Erkrankungen. Antidepressiva müssen nicht sofort abgesetzt werden, eine notwendige Therapie kann auch in der Schwangerschaft weitergeführt werden. „Für die Gesundheit des Kindes ist es wichtig, dass es auch der Mutter gut geht“, so Lindner.

Unbekannte Wirkung

Medikamentenstudien mit Schwangeren sind aus ethischen Gründen nur in seltenen Fällen möglich. Deshalb ist für viele Medikamente – darunter auch häufig verwendete Mittel – nicht genau bekannt, wie sie auf Ungeborene wirken. Oft kann ihre Wirkung nur durch langjährige Erfahrungen in der Praxis eingeschätzt werden. Aus diesem Grund gibt es im Internet Informationsportale, bei denen sich Schwangere und auch Ärztinnen und Ärzte über die Wirkung von Medikamenten informieren können. Eine Website der Charité-Universitätsmedizin Berlin beispielsweise informiert unter embryotox.de über die Verträglichkeit von Medikamenten während Schwangerschaft und Stillzeit. Das von der AOK unterstützte Portal Embryotox hat kostenlose Informationen zu mehr als 400 wichtigen Medikamenten: von Acetylsalicylsäure bis Zopiclon.

Video-Sprechstunde

Fragen rund um die Gesundheit beantwortet ein Expertenteam bei AOK-Clarimedis. Der Service steht AOK-Versicherten rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung – kostenfrei. Zu erreichen ist das Team aus Fachärzten, Krankenschwestern, Hebammen und Pharmakologen unter der Telefonnummer 0800 265 65. Hilfe bei Fragen zur Gesundheit des Nachwuchses erhält man unter der gleichen Nummer beim AOK-Baby-Telefon.

Ergänzt wird das Angebot seit kurzem durch Videosprechstunden zu den Themen Schwangerschaft/Geburt und Orthopädie. Weitere Informationen zu AOK-Clarimedis und zu den Videosprechstunden sind auf der Seite

aok.de/hb/clarimedis-videosprechstunde zu finden.

Weitere Informationen:

Embryotox-Portal der Charité: embryotox.de

Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: t1p.de/o9i4

AOK-Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt: aok.de/schwanger

Für viele Medikamente – darunter auch häufig verwendete Mittel – ist nicht genau bekannt, wie sie auf Ungeborene wirken, da Medikamentenstudien mit Schwangeren aus ethischen Gründen nur in seltenen Fällen möglich ist.

Für viele Medikamente – darunter auch häufig verwendete Mittel – ist nicht genau bekannt, wie sie auf Ungeborene wirken, da Medikamentenstudien mit Schwangeren aus ethischen Gründen nur in seltenen Fällen möglich ist.

Foto: Freestocks/Unsplash

Über die Clarimedis-Webseite kann man sich schnell und einfach einen Termin für eine Video-Sprechstunde für den Fachbereich Schwangerschaft & Geburt geben lassen.

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Foto: Screenshot/AOK

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