Pandemie ausläuft: Schutzmaske für viele Pflicht

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In den Bussen im Landkreis Cuxhaven und in der Stadt Bremerhaven gilt Maskenpflicht. Die Fahrgäste - wie hier bei der Abfahrt an der Moor-Therme in Bad Bederkesa - halten sich daran.

Auch wenn Pandemie ausläuft: Schutzmaske für viele Pflicht

Ist die Corona-Pandemie schon überwunden? In Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven sind die Bürger skeptisch. Und die Ärzte haben eine klare Meinung.

Bürger und Ärzte bleiben vorsichtig

Virologe Drosten sieht Corona-Pandemie am Ende - Schutzmaske gehört bei vielen weiter dazu

Experten sehen die Pandemie am Ende. Auch wenn die Corona-Maßnahmen voraussichtlich auslaufen, raten Ärzte weiter zum Tragen der Masken. Eigenverantwortung wird stärker gefordert sein. Welche Maßnahmen bleiben sinnvoll? Und was denken die Bürger?

Die Äußerungen von Virologe Christian Drosten, wonach die Corona-Pandemie überwunden sei, stößt im Landkreis und in der Stadt Bremerhaven auch auf Skepsis. Ebenso der Vorschlag der Bundes-FDP, alle verbliebenen Corona-Schutzmaßnahmen umgehend abzuschaffen.

„Wir werden – analog der Vorgaben des Gesundheitsministeriums – in unserer Praxis bis Ende März die Schutzmaßnahmen aufrecht erhalten“, betont Wolfgang Sander, Facharzt für Allgemeinmedizin in Neuenwalde. Dies sei auch deshalb erforderlich, weil voraussichtlich bis dahin die Influenza-Viren vermehrt zu Ansteckungen führten. Sander bemerkt, dass die Bundesregierung schon im April Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht hätte fallen lassen können, „um eine schnellere Durchseuchung der Bevölkerung zu ermöglichen“. Heute gebe es nach wie vor Ansteckungen mit dem Corona-Virus und auch mit Erkältungsviren. Das Tragen der Maske diene der Vorbeugung, „um die Zahl der Ansteckungen in Grenzen zu halten“. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass zurzeit die Möglichkeiten einer stationären Behandlung aufgrund der desolaten Situation in den Krankenhäusern kaum noch darstellbar seien, meint Sander.

„Ich trage die Maske weiterhin in besonderen Bereichen wie beispielsweise beim Einkaufen“, sagt der Bremerhavener Hausarzt Dr. Wolfgang Woynar. Er empfehle, danach zu gehen, was man für ein Gefühl habe. „Wer sich mit der Maske sicher fühlt, der sollte sie weiter tragen“, rät der Allgemeinmediziner. Das gelte insbesondere für Menschen ab 60 Jahren. „Es darf aber keinen Maskenzwang mehr geben, wenn es eine Endemie ist“, sagt Woynar. „Irgendwann kann ich für mich selbst entscheiden.“ In der Arztpraxis gelte weiter eine strikte Maskenpflicht, vulnerable Gruppen sollten immer geschützt sein. Auch wenn die Pandemie am Ende sei, grassiere das Virus ja weiterhin. Hinzu kämen chronische Erkältungsinfekte, „die immer wieder aufflackern und die nicht richtig verschwinden“.

Gerade wegen der aktuellen Infektwelle und der hohen Zahl erkrankter Mitarbeiter hält es Ameos-Krankenhausdirektorin Katja Loesche zumindest für sinnvoll, bis zum Frühjahr an der FFP2-Maskenpflicht in den Kliniken festzuhalten. „Die Maske schützt ja nicht nur vor Covid, sondern auch vor anderen Viruserkrankungen, die saisonal auftreten“, sagt auch sie. Wenn jedoch offiziell das Ende der Pandemie erklärt werde und „draußen alle Schleusen auf sind“, müsse es auch in den Krankenhäusern zu Lockerungen kommen, fordert Loesche. Es gebe aktuell nur noch wenige Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Der Verlauf der Erkrankung habe sich geändert. „Die Patienten kommen nicht wegen Covid zu uns, sondern mit Covid“, sagt Loesche. Trotzdem seien die Sicherheitsvorkehrungen in den Kliniken bislang unverändert hoch. „Das kostet uns Betten und wertvolle personelle Ressourcen, weil es super anstrengend ist“, erklärt sie.

Auch im Klinikum Reinkenheide hofft man auf baldige Lockerungen: „Wir werden uns weiter an die Vorgaben von Robert-Koch-Institut und Infektionsschutzgesetz halten“, sagt Sprecher Henning Meyer. „Derzeit ist darin weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht für den Zutritt zu Krankenhäusern vorgeschrieben. Wir hoffen insgesamt auch auf angemessene Erleichterung der Schutzmaßnahmen in Krankenhäusern, da diese insbesondere für unsere Mitarbeiter eine große Belastung darstellen.“

Nils Kuiper, Inhaber des Einrichtungshauses Kemner Home Company in Bad Bederkesa, macht deutlich, dass Virologe Drosten in seinen Äußerungen nicht gesagt habe, dass die Gefahr durch das Corona-Virus jetzt gänzlich gebannt sei. Kuiper hält jedoch die Zeit gekommen für einen „gesunden Kompromiss zwischen der Eigenverantwortung der Menschen und dem Verhalten zu fortgesetzter Vorsicht“. Sowohl Kundschaft als auch Personal sei es daher freigestellt, eine Schutzmaske zu tragen. Das Gebot, Abstand zu halten, existiere jedoch nach wie vor. Zudem halte man an den Plexiglasscheiben auf den Beratertischen fest, so Kuiper. Tischlermeister Thomas Gerken aus Kutenholz-Aspe im Landkreis Stade ist am Dienstag auf Shoppingtour bei Kuiper. Er trägt keine Maske, als er bei Sylvia Gryzizk an der Kasse zahlt. „Wenn es irgendwo eng wird, dann setze ich die Maske auf“, sagt Gerken. Für ihn habe das Masketragen mit selbst bestimmtem Handeln zu tun.

Carsten Küver, Inhaber des E-Centers Küver in Bad Bederkesa, sieht die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Die Hälfte seiner Kunden trage Maske, die andere nicht. „Von meinen Mitarbeitern hat sich noch niemand im beruflichen Umfeld mit Corona infiziert“, sagt Küver.

Tammy Perl bleibt ihrer Schutzmaske treu. „Zur eigenen Sicherheit“, sagt die Frau aus Geestland. „Meiner Ansicht nach ist es noch viel zu früh, auf die Maske zu verzichten. Schauen Sie doch nur, was derzeit wieder in China los ist.“

Vorsicht ist auch bei Britta und Heiko Edler das Gebot der Stunde. „Ich leide an einer Lungenkrankheit“, sagt der Senior aus Beers, „da kann ich mir eine Infektion - welcher Art auch immer - überhaupt nicht leisten.“ Beim Einkaufen und bei größeren Menschenansammlungen setzen die Eheleute Edler deshalb auch weiterhin ihre Schutzmasken auf.

Michael Brümmer, Taxiunternehmer aus Geestland, kann den Äußerungen von Virologe Drosten nur bedingt etwas abgewinnen. „Meine Taxifahrer tragen Maske, und für die Fahrgäste ist das auch vorgeschrieben.“

Für Klaus Ehlers, Gesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens Buspunkt in Bokel, hat sich an der Gesetzeslage „noch nichts geändert“. Vorbehaltlich eventueller Vorgaben durch den Verband, halte sein Unternehmen deshalb an der strikten Maskenpflicht in Bussen fest.

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Heiko und Britta Edler aus Bad Bederkesa wollen nichts riskieren. Die beiden Senioren setzen auch weiterhin auf ihre Schutzmasken.

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Wolfgang Sander, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Neuenwalde, wird in seinem Praxisbetrieb erst einmal nicht von den Schutzmasken abrücken.

 Pandemie ausläuft: Schutzmaske für viele Pflicht

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Thomas Gerken hat die Schutzmaske bei der Kemner Home Company in Bad Bederkesa nicht aufgesetzt, als er bei Verkäuferin Sylvia Gryzizk bezahlt. Nur bei größeren Menschenansammlungen wählt Gerken den Mund-Nasen-Schutz. Seiner Ansicht nach müsse das jeder selbst entscheiden.

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27. Dezember 2022, 18:55 Uhr
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