ener Rettungsdienst ist absolut am Limit

© Arnd Hartmann

Die Zahl der Notfalleinsätze des Bremerhavener Rettungsdienstes sind 2022 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen.

Bremerhavener Rettungsdienst ist absolut am Limit

Die Infektionswelle und der Fachkräftemangel in den Kliniken bringen jetzt auch den Bremerhavener Rettungsdienst ans absolute Limit.

Rettungskräfte sind am Limit

Personalnot in Kliniken wirkt sich aus - Einsätze steigen um zehn Prozent

Die Infektionswelle und der Personalmangel in den Kliniken bringt jetzt auch die Bremerhavener Rettungskräfte an ihre Grenzen. Jetzt blieb sogar eine Notaufnahme eine Nacht lang abgemeldet. Was heißt das für die Patienten?

Die Zahlen sprechen für sich: Die Notfalleinsätze des Bremerhavener Rettungsdienstes sind im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegen. Bei der für Bremerhaven, den Landkreis Cuxhaven und Osterholz zuständigen Integrierten Regionalleitstelle schnellten die Einsatzzahlen von 2016 bis heute sogar um 45 Prozent in die Höhe - auf etwa 135.000. Der Mangel an Ärzten und Pflegekräften wirkt sich jetzt zunehmend auf den Bremerhavener Rettungsdienst aus - denn es kommt zu langen Wartezeiten und Folgetransporten: „Der Rettungsdienst in Bremerhaven ist absolut am Limit“, sagt Feuerwehr- und Rettungsdienstchef Jens Cordes. „Wir merken die Problematik in den Kliniken.“ Immer öfter würden die Krankenhäuser über das Ivena-Meldeportal für Versorgungskapazitäten einzelne Fachdisziplinen für bestimmte Zeiten abmelden. Das könnten beispielsweise Stationen der Inneren Medizin, der Neurologie sowie die Intensivstation sein.


Komplette Notaufnahme abgemeldet

Selten betreffe dies ganze Abteilungen. Laut Cordes in jüngster Zeit lediglich die komplette Notaufnahme im Ameos-Klinikum am Bürgerpark in der Nacht vom 17. auf den 18. Dezember. Selbst wenn Kliniken wegen des Fachkräftemangels zeitweise Disziplinen abmelden, muss die Erstversorgung eines Patienten beispielsweise bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sichergestellt sein. Das heißt: Der Rettungsdienst kann das Krankenhaus trotzdem anfahren, wenn es keine freien Kapazitäten in einer anderen nahe gelegenen Klinik gibt. „Allerdings kommt es dann zu längeren Wartezeiten und zusätzlichen Transporten, wenn der Patient nach der Erstversorgung weiterverlegt werden muss“, sagt Cordes.

Ameos betont auf Anfrage, dass es sich am 17. Dezember nicht um eine „Abmeldung“, sondern um eine „Engpassmeldung“ gehandelt habe. Nur in Ausnahmefällen werde aufgrund eines besonders hohen und schwierigen Behandlungsaufkommens in der Notaufnahme eine Engpassmeldung abgegeben. Der Versorgungsauftrag werde jederzeit erfüllt, teilt Ameos-Sprecher Marco Graudenz mit.

Cordes nimmt die Entwicklung an den Kliniken anders wahr. Die Infektionswelle zeige nun die Schwächen des Systems: „Wir beobachten die Entwicklung aber schon seit Jahren“, betont er. „Jetzt kommt es zu starken Belastungen der Mitarbeiter im Rettungsdienst und auch zu Überlastungssituationen.“


Feuerwehrchef: 112 wird zur „Notanlaufadresse“

Durch die Personalprobleme in Kliniken und Zentralen Notaufnahmen, aber auch bei den Bereitschaftsdiensten der Kassenärztlichen Vereinigung, werde der Notruf 112 immer stärker zu einer „Notanlaufadresse“, sagt Cordes. „Wenn Patienten den Bereitschaftsdienst nicht erreichen, rufen sie die 112. Der Notruf ist aber nur für echte Notfälle gedacht. Bei einfachen Erkrankungen sollte die Nummer der ambulanten Notfallversorgung der niedergelassenen Ärzte, die 116 117 angerufen werden.“ Wer bei leichteren Erkrankungen den Notruf wähle, blockiere das System.

Wenn die Krankenhäuser in Bremerhaven überlastet seien, versuche der Rettungsdienst umliegende Kliniken in Cuxhaven oder in der Wesermarsch anzufahren. „Das kommt häufiger vor, aber noch viel häufiger kommt es mittlerweile vor, dass die Rettungsdienste des Umlandes Kliniken in Bremerhaven ansteuern“, sagt Cordes.

Aus seiner Sicht sei „eine Reform der Notfallversorgung“ dringend notwendig. „Ein kleiner Baustein könnten Integrierte Notfallzentren oder Portalpraxen an den Krankenhäusern sein“, so Cordes weiter.

Auch die Gewerkschaft Verdi schlägt Alarm: Unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen stünden der Rettungsdienst in Niedersachsen und Bremen vor einer Überlastung. Es drohe der Ausnahmezustand mit gravierenden Folgen für die Patientinnen und Patienten. Der Deutsche Städtetag appelliert „an Bund, Länder und die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die dramatische Krise in der Akutversorgung mit Sofortmaßnahmen zu lindern“.

Wir merken die Problematik in den Kliniken
Jens Cordes, Feuerwehr- und Rettungsdienstchef
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Erstellt:
21. Dezember 2022, 16:41 Uhr
Lesedauer:
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