o-Überwachung die Zerstörungswut an Schulen stoppen?

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Wie können Schulgebäude besser vor Zerstörungswut geschützt werden? (von links): Schulstadtrat Michael Frost, Polizeisprecherin Nadine Laue und Isabelle Bornemann von Seestadt-Immobilien prüfen an einem Schulkomplex in Lehe, ob Videokameras oder andere Barrieren den Einstieg Unbefugter aufs Schulgelände verhindern könnten.

Kann Video-Überwachung die Zerstörungswut an Schulen stoppen?

Nie war die Zerstörungswut an Schulen in Bremerhaven so groß wie dieses Jahr. Die nötigen 200.000 Euro fürs Reparieren sind ein Kraftakt für die Stadt.

Zielscheibe sind die Schulen

Nie war das Ausmaß an Zerstörungswut so hoch - Stadt diskutiert Videokameras

Zertrümmerte Fenster. Zerstörte Türen. Abgerissene Fensterbänke. Lädierte Holzdächer. So viel Zerstörungswut an Schulen in der Stadt wie 2022 gab es noch nie. Der Geldtopf für Reparaturen war schon im Sommer leer. Jetzt kommt Hilfe. Vorübergehend.

Das Entsetzen war groß, als Seestadt-Immobilien in Bremerhaven im August zum Start der großen Ferien-Sanierung an den Schulen auch zugleich das Ausmaß an mutwilliger Zerstörung vor Augen hatte.

Allein an der Schule am Leher Markt waren innerhalb einer Woche zwölf neue Fenster aus Sicherheitsglas zum Bersten gebracht worden, von schweren Gegenständen attackiert. Das hölzerne Dach des Pausen-Wandelganges war stellenweise herausgerissen worden. „Das zu reparieren“, so rechnete Holger Schneeberg, Betriebsleiter von Seestadt-Immobilien (SI) aus, „beläuft sich auf rund 30.000 Euro.“

Damit, so die Bilanz, seien schon im Sommer die Mittel erschöpft, die jährlich für das Reparieren von Schäden an Schulen zur Verfügung stehen: rund 150.000 Euro. Am Ende dieses Jahres belaufen sich aber laut SI die Schäden insgesamt auf rund 200.000 Euro.

Seit August ist alles Zerstörte instand gesetzt worden - denn, so gibt am Montag die stellvertretende SI-Betriebsleiterin Isabelle Bornemann Auskunft, „nach Gesprächen mit der Koalition haben wir für dieses Jahr noch einmal 50.000 Euro für alle Reparaturen bekommen“. Geld aus dem städtischen 26-Millionen-Euro-Paket der „Sanierungsoffensive“ für marode Schulen und Neubauten.


Einsatz von Videokameras muss hohe rechtliche Hürden nehmen

Nicht erst seit diesem Jahr ist der Ruf etlicher Schulleitungen stadtweit laut, Videokameras zu installieren.

Schon im Sommer wurde bei Seestadt-Immobilien diskutiert, akut an der „Salm“ Kameras einzubauen, da die Lage etwas abseits von Wohnhäusern den unbemerkten Einstieg aufs Schulgelände erleichtere.

Da diese Schule zurzeit eine neue energiesparende Rundum-Fassade erhält, sei zugleich der Einbau von Kameras machbar, so Schneeberg seinerzeit. Doch in dieser Frage ist die Stadt noch nicht weiter.

„Es gibt sehr hohe datenschutzrechtliche Hürden“, betont Schulstadtrat Michael Frost auf Nachfrage. „Ich bin grundsätzlich nicht gegen Kameras, aber das wird juristisch derzeit noch geprüft.“ Er halte es aber davon abgesehen für „nicht realistisch, eine Gebäudesituation herzustellen, die es für Unbefugte unmöglich machen würde, auf ein Schulgelände zu kommen“.

Denn rein baulich gibt es stadtweit an Schulgebäuden jede Menge „Einstiegshilfen“. „Das können Dächer von Pausen-Hallen sein, auch mal Müllkübel, Mauervorsprünge oder auch Bäume“, zählt Polizeisprecherin Nadine Laue auf.

o-Überwachung die Zerstörungswut an Schulen stoppen?

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Attacken gegen teils nagelneu eingebaute Fenster in Schulgebäuden haben sich im Jahr 2022 gehäuft. Die Stadt hat mit den erhöhten Reparaturkosten zu kämpfen und diskutiert Lösungen, um solche Zerstörungswut einzudämmen.

Trotz regelmäßiger Abstimmungen zwischen Polizei, Schule und Bau-Abteilung der Stadt

gebe es kein Gesamtkonzept zum Thema Zerstörungswut. „Wir schauen bezogen auf einen akuten Anlass immer jeden Einzelfall an“, betont Frost, „die ‚Hotspots‘ der Attacken wechseln, es sind verschiedene Orte zu verschiedenen Zeiten, wir erkennen kein Muster - das macht’s schwieriger.“

Im Herbst meldete zuletzt die Heinrich-Heine-Schule eingeschlagene Fenster.

Die Kontaktpolizisten aller Stadtteile seien, so Laue, „sensibilisiert und fahren jetzt vermehrt die Schulen an“. Davon unabhängig, so Frost, „suchen auch die drei Streetworker der Stadt auch im Dunkeln beliebte Treffpunkte auf. Das kann auch mal ein Schulhof sein“. Dank der Aufmerksamkeit von Augenzeugen laufen aktuell in einigen Fällen von Sachbeschädigungen Ermittlungen gegen mutmaßliche Täter.

Ob für 2023 wieder mit so hoher Zerstörung und damit erhöhten Kosten zu rechnen sei - diese Prognose sei nicht möglich, betonen alle drei. „Seestadt-Immobilien hat jedenfalls keine Rücklagen, um darauf zurückzugreifen“, so Isabelle Bornemann.

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Attacken gegen teils nagelneu eingebaute Fenster oder wie hier an der Schule am Leher Markt gegen die Holzkonstruktion von Pausen-Wandelhallen haben sich im Jahr 2022 gehäuft. Die Stadt hat mit den erhöhten Reparaturkosten zu kämpfen und diskutiert Lösungen, um solche Zerstörungswut einzudämmen.

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Erstellt:
5. Dezember 2022, 19:15 Uhr
Lesedauer:
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