chen Eisbären geben Rätsel auf

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Ratlosigkeit herrschte bei den Eisbären-Profis (von links) Simon Krajcovic, Matt Frierson und Adrian Breitlauch.

Die schwachen Eisbären geben Rätsel auf

Basketball-Zweitligist Eisbären Bremerhaven hat gegen die ART Giants die erste Heimniederlage der Saison einstecken müssen.

War die 78:112 (40:65)-Klatsche gegen die ART Giants Düsseldorf für die Basketball-Profis Eisbären Bremerhaven ein Betriebsunfall oder der Beleg für ein tiefer liegendes Problem? Die Mannschaft von Trainer Steven Key offenbarte große Schwächen.

Eisbären-Trainer Key hatte seine Mannschaft davor gewarnt, dass die Düsseldorfer sehr schnell spielen und im Abschluss nicht lange fackeln. Zugehört hatten ihm seine Spieler wohl nicht, denn sie fingen sich vor 829 Zuschauern in der Stadthalle in den ersten vier Angriffen der Giants vier Dreier ein. Key nahm beim Stand von 4:12 seine erste Auszeit (3.), die jedoch ebenso verpuffte wie die vier, die noch folgen sollten. Der Eisbären-Coach wirkte angesichts der schwachen Vorstellung seiner Schützlinge ratlos: „Wir waren nicht bereit, die Eins-gegen-eins-Situationen wegzunehmen und konnten unseren Gameplan nicht umsetzen. Uns hat heute das Gefühl gefehlt, eine Lösung zu finden.“

Den Spielverlauf ausführlicher nachzuzeichnen, erübrigt sich angesichts der Überlegenheit der Düsseldorfer. Die Eisbären lagen nur einmal, nach Adrian Breitlauchs Korbleger zum 2:0, in Führung. Erschreckend war, dass das Loch, das sich die Eisbären selbst gegraben hatten, immer tiefer wurde. Betrug der Rückstand zur Halbzeit schon desaströse 25 Punkte, wurde es nach dem Seitenwechsel - nach einem kurzen Aufflackern zu Beginn des dritten Viertels - noch schlimmer. Travion Hollowells Dreier ließ die Giants auf 30 Punkte davonziehen (78:48, 24.). Ihre höchste Führung erreichten die Gäste im Schlussviertel (103:62, 36.). Das war für die Eisbären, die in der Verteidigung nie die notwendige Intensität aufbrachten, schon eine Demontage.


Breitlauch zieht den Hut vor Düsseldorf

„Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Düsseldorf hat heute die Lampen ausgeschossen“, sagte Matt Frierson, der drei seiner vier Dreier einnetzte. Auch Adrian Breitlauch legte den Finger in die Wunde: „Das kann nicht unsere Identität sein, uns in einem Heimspiel so zu präsentieren.“ Der 29-Jährige, der früh drei Fouls gesammelt hatte, sprach von einem komplett gebrauchten Tag der Eisbären: „Hut ab vor Düsseldorf! Die haben mit jeder Minute Selbstvertrauen getankt. Das ist ja das Gefährliche. Wir sind alle Profis, wir können alle werfen. Und wenn du dieses Selbstvertrauen hast, kannst du solche Spiele abliefern, wie Düsseldorf es heute getan hat.“

Klar ist, dass die Giants in der Offensive einen Sahne-Tag erwischt hatten. Das Team des jungen Headcoaches Florian Flabb traf in der ersten Halbzeit 23 seiner 30 Feldwürfe - darunter waren zwölf Dreier. Die Wurfquote des Aufsteigers sank am Ende zwar von 77 auf 68 Prozent, war aber immer noch sensationell. Das lag aber nicht zuletzt an der schwachen Verteidigung der Eisbären. „Da waren viele offene Dreier dabei“, räumte der Ex-Bremerhavener Vincent Friederici ein, der es auf 20 Punkte brachte (6/7 Dreier). „Ich habe mich die ganze Woche auf das Spiel gefreut, auf das Wiedersehen mit Addi, Mitja Kruhl und Johannes Heiken“, strahlte der 21-Jährige, der in der Saison 2019/2020 unter Coach Michael Mai seine ersten ProA-Minuten absolviert hatte.

chen Eisbären geben Rätsel auf

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Der Ex-Bremerhavener Vincent Friederici (rechts), der sich hier den Ball von Simon Krajcovic holt, zeigte eine starke Leistung im Düsseldorfer Trikot.

Dass das Key-Team auf Jarelle Reischel, der wegen Hüftproblemen auf der Bank blieb, und den erkälteten Lennard Larysz verzichten musste, stellte für die Eisbären sicher eine Schwächung dar, wurde von Key aber nicht als Ausrede genutzt: „Düsseldorf war auch nicht in Bestbesetzung.“

Es bleibt zu hoffen, dass das Düsseldorf-Desaster der gebrauchte Abend war, den man jeder Mannschaft ein- oder zweimal in der Saison zubilligen muss. Spieler wie Robert Oehle, Bernat Vanaclocha Sanchez und Chris Hooper müssen zulegen, wenn die Eisbären am nächsten Sonntag beim Aufstiegsanwärter Medipolis SC Jena zumindest eine Siegchance haben wollen (16.30 Uhr, Sportdeutschland.tv).


Die Statistik

Eisbären: MATT FREEMAN (14 Punkte), ADRIAN BREITLAUCH (11 Punkte, 5/9 Zweier); MATT FRIERSON (11 Punkte, 3/4 Dreier); SIMON KRAJCOVIC (8 Punkte, 8 Assists); ROBERT OEHLE (8 Punkte, 1/6 Zweier, 12 Rebounds, 4 Ballverluste); Daniel Norl (7 Punkte, 8 Assists); Chris Hooper (6 Punkte, 3/9 Zweier); Bernat Vanachlocha Sanchez (6 Punkte); Carlo Meyer (5 Punkte, 17:10 Minuten); Johannes Heiken (2 Punkte); Jarelle Reischel, Mitja Kruhl (beide nicht gespielt).

ART Giants: BOOKER COPLIN (23 Punkte, 5/6 Dreier); VINCENT FRIEDERICI (20 Punkte, 6/7 Dreier, 5 Assists); RYAN RICHMOND (19 Punkte, 2/3 Dreier)

Viertel: 19:37, 21:28, 15:28, 23:19

Schiedsrichter: Alexander Rogic, Mbaye Seye, Merlin Herges

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Erstellt:
15. Oktober 2022, 20:49 Uhr
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