ns-Kapitän Mike Moore baut jetzt Weltraumraketen

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Mike Moore mit Frau Kristin und Sohn Huxley vor einer Rakete seines neuen Arbeitgebers, dem Raumfahrtunternehmen Blue Origin in Florida.

Ex-Pinguins-Kapitän Mike Moore baut jetzt Weltraumraketen

Ex-Eishockey-Profi Mike Moore, ehemaliger Kapitän der Fischtown Pinguins aus Bremerhaven, baut jetzt für ein Raumfahrtunternehmen Raketen.

Raketenstart in den neuen Job

Ex-Pinguins-Kapitän Mike Moore baut jetzt Weltraumraketen

Erst war er Eishockeyprofi, jetzt arbeitet er für ein Raumfahrtunternehmen. Ex-Pinguins-Kapitän Mike Moore hat eine zweite Traumkarriere gestartet. Er lebt nun in Florida, aber für einen bestimmten Anlass würde Moore nach Deutschland zurückkehren.

Profisportler müssen sich häufig mit dem Vorurteil auseinandersetzen, nicht besonders helle im Köpfchen zu sein. Mike Moore ist der lebende Beweis, dass das so pauschal nicht stimmen kann. Der ehemalige Kapitän der Fischtown Pinguins hat nach Ende seine Sportlerlaufbahn eine zweite Karriere gestartet. Er lebt jetzt in Florida und baut Weltraumraketen. „Es ist mein Zweit-Traumjob nach Eishockey. Ich bin einer der glücklichsten Menschen. Ich habe den Traum gelebt, Eishockey zu spielen. Und jetzt baue ich Raketen. Ich glaube, viele Jungs träumen von so was“, sagt der 37-Jährige im Gespräch mit der NORDSEE-ZEITUNG.

Es ist fünf Uhr morgens in Florida, als Mike Moore am Telefon von seinem neuen Leben erzählt. Er ist schon auf dem Weg zur Arbeit, Ingenieure fangen früher mit der Arbeit an als Sportler.

ns-Kapitän Mike Moore baut jetzt Weltraumraketen

© Arnd Hartmann

Sechs Jahre lang war Mike Moore bei den Fischtown Pinguins die Identifikationsfigur des Bremerhavener Eishockeys.

Bis zum Sommer war Moore bei den Fischtown Pinguins, sechs Jahre lang. 288 Spiele hat er in der Deutschen Eishockey-Liga für die Bremerhavener bestritten, alle als Kapitän. Im August hat er seine neue Karriere begonnen. Bei Blue Origin, dem Raumfahrtunternehmen von Jeff Bezos. „Ich arbeite in Cape Canaveral, nahe dem Kennedy Space Center, dort wo auch das Space-Shuttle und die Apollo-Raketen gestartet sind“, erzählt Moore.


Schon während der Saison für den neuen Job gepaukt

Der Kanadier hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert und einen Pilotenschein gemacht, dann aber doch die Sportlerkarriere gewählt. Nach mehr als zehn Jahren Unterbrechung in einen derart anspruchsvollen Job wieder einzusteigen, sei nicht einfach gewesen. Schon während der vergangenen Saison hat Moore zur Vorbereitung sein Wissen aus dem Studium akribisch aufgefrischt. „Im Grunde genommen habe ich den Job auch unseren Busfahrern Alex und Peter zu verdanken. Die haben den Bus so ruhig gefahren, dass ich meine Bücher studieren konnte“, sagt Moore lachend. Er ist bei Blue Origin Teil des Teams, das an der New-Glenn-Rakete baut. Eine Rakete, die als eine Art privater Nachfolger des Space Shuttles eines Tages Satelliten ins All transportieren soll, aber auch eine Mondlandung ist geplant. Theoretisch wäre sogar Weltraumtourismus möglich.


Moore entwickelt die Rakete New Glenn mit

Was genau ist Moores Aufgabe beim Bau von New Glenn? „Es ist einer der coolsten Jobs, den man machen kann. Ich verbringe viel Zeit mit Berechnungen und Planungen am Computer und arbeite mit den Designern und Raketenbauern zusammen, um die Teile zu perfektionieren. Ich arbeite in einem Team, das dafür da ist, Fehler auszumerzen, die beim Bau auftauchen.“ Wann die Rakete startklar ist, ist offen. Es ist ein Milliardenprojekt, finanziert von Jeff Bezos, dem Gründer von Amazon. Der Gedanke, dass eines Tages eine Rakete ins Weltall startet, an der er mitgebaut hat, ist für Moore noch surreal. „Aber ich freue mich sehr darauf“, sagt der 37-Jährige.

Seine Arbeitskollegen wissen natürlich, dass Moore einen komplett anderen Karriereweg gegangen ist als sie. „Sie fragen mich nach meiner Eishockey-Karriere aus. Ich erzähle Storys und wir lachen viel“, sagt Moore. Und bestimmt spielt er ihnen auch sein Lieblingslied von der Kabinen-Playlist der Pinguins vor. Das ist „Major Tom“ von Peter Schilling, wie er bei seinem Abschied aus Bremerhaven erzählt hat. Ein Lied über einen Astronauten.


Auf der Arbeit läuft immer der Pinguins-Liveticker

Moore ist auf dem besten Weg, seine neuen Kollegen zu Fans der Pinguins zu machen. „Ich habe auf der Arbeit immer einen Liveticker an, wenn die Pinguins spielen. Wegen der Zeitverschiebung ist es dann bei uns meist nachmittags. Viele Kollegen kommen mittlerweile immer in mein Büro, um zu fragen, wie es steht“, erzählt Moore lachend. So ganz ohne die Pinguins geht es dann doch nicht. „Ich vermisse die Fischtown Pinguins mehr, als dass ich das Eishockey im Allgemeinen vermisse. Was für eine tolle Truppe, was für eine Familie. Die zu verlassen, war das Schwerste. Aber zu wissen, dass sich die Pinguins gut schlagen und in guten Händen sind, hat den Übergang für mich viel leichter gemacht. Jan (Urbas) macht einen unfassbar guten Job als Kapitän, aber das war mir klar. Er ist Mr. Bremerhaven“, erzählt Moore.

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© Arnd Hartmann

Im Sommer hat Mike Moore seine Eishockeykarriere beendet. Es war ein tränenreicher Abschied aus Bremerhaven.

Mit vielen der Ex-Kollegen wie Ross Mauermann und Brandon Maxwell ist er noch in Kontakt, die Nachrichten fliegen hin und her zwischen Florida und Bremerhaven. Sie halten ihn über Sportliches und Privates auf dem Laufenden. „Aber keiner der Jungs musste mir ein Foto von der DEL-Tabelle mit den Pinguins ganz oben schicken. Die habe ich mir selbst sofort per Screenshot als Hintergrund auf meinem Smartphone abgelegt.“


Ehefrau Kristin und Sohn Huxley vermissen Bremerhaven

Mike Moore lebt mit Ehefrau Kristin und Sohn Huxley nun im Sonnenstaat Florida statt im regnerischen Bremerhaven. „Es gibt in der Umgebung des Space Centers eine einzige Eishalle. Wir haben glücklicherweise ein Haus um die Ecke gefunden. Aber bisher war ich nur ein paarmal mit Huxley zum Eislaufen da. Einer Hobby-Mannschaft habe ich mich noch nicht angeschlossen, das ist aber auch nicht mehr so wichtig.“

ns-Kapitän Mike Moore baut jetzt Weltraumraketen

© Arnd Hartmann

Mike Moore hat in der DEL 288 Spiele für die Fischtown Pinguins bestritten. Alle als Kapitän.

Eishockey ist weit weg im Moment, Bremerhaven auch - aber nur was die Distanz angeht. In Gedanken ist die Familie noch oft hier. „Uns gefällt Florida, aber wir vermissen unsere Freunde in Bremerhaven. Huxley nervt uns, dass er gerne in seine alte Schule zurück will, weil er die Lehrerinnen so sehr vermisst und seine Freunde vom Spielplatz. Auch Kristin würde sofort die Tasche packen, wenn ich vorschlage, wir fahren morgen los.“


Ein Besuch in Bremerhaven ist fest geplant

Dass die Familie irgendwann nach Bremerhaven zu Besuch kommen wird, hat Moore schon im Sommer beim Abschied versprochen. Genaue Pläne gibt es noch nicht. Die Arbeit geht erst mal vor. Allerdings könnten die Pinguins den Besuchstermin beeinflussen, wie Mike Moore verrät: „Ich habe Ross Mauermann versprochen, dass ich nach Deutschland komme, wenn die Pinguins ins Playoff-Finale kommen sollten. Und das mache ich auch.“

Im Grunde genommen habe ich den Job auch unseren Busfahrern Alex und Peter zu verdanken. Die haben den Bus so ruhig gefahren, dass ich meine Bücher studieren konnte.
Mike Moore
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© Lothar Scheschonka

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Erstellt:
10. November 2022, 15:53 Uhr
Lesedauer:
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