enburg: Massiver Einwohnerverlust in Nord und Süd

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Die Bevölkerungsentwicklung bleibt auch in den kommenden Jahren ein großes Thema. Gemeinden wie Bremervörde und Visselhövede schrumpfen.

Kreis Rotenburg: Massiver Einwohnerverlust in Nord und Süd

Kreis Rotenburg: Massiver Einwohnerverlust in Nord und Süd

Bremervörde und Visselhövede schrumpfen. Sittensen und Sottrum werden älter. Rotenburg wird jünger und bleibt arm. So sieht die NBank den Landkreis 2040.

NBank prognostiziert Bevölkerungsentwicklung bis 2040 - Bremervörde sinkt auf Niveau Sottrums

Bremervörde und Visselhövede verlieren massiv Einwohner. Sittensen und Sottrum mutieren zu Seniorenresidenzen. Rotenburg wird jünger und bleibt arm. So prophezeit es die NBank für 2040. Für den Landkreis sieht es nicht nach einer rosigen Zukunft aus.

Im Landkreis Rotenburg herrscht ein eklatanter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt seit Jahren. Der Kreis trägt die rote Laterne im Land. In keinem der 49 niedersächsischen Landkreise gibt es weniger sozialen Wohnraum als zwischen Oste und Wümme. Kreistag und Kreisverwaltung wollen daran etwas ändern. Ein erster Schritt ist getan. Der Kreistag hat Ende 2022 ein Wohnraumversorgungskonzept beschlossen, das Handlungsoptionen benennt.

Eine Grundlage dieses Konzeptes ist der Blick in die Zukunft. Den hat die NBank mit einer Bevölkerungsprognose gewagt. Für den Kreis sieht es nicht rosig aus. Laut Prognose sinkt die Einwohnerzahl bis 2040 um 9 Prozent - von 163.093 im Jahr 2019 auf 148.415 Einwohner 2040. Und die Bevölkerung wird älter. Während die Zahl der über 60-Jährigen um 15,2 Prozent wächst, schrumpft die der unter 18-Jährigen um 11,1 Prozent.

Die vom Kreis beauftragten Gutachter zeichnen ein differenziertes Bild, indem sie „Steckbriefe“ für jede der 13 Verwaltungseinheiten vorlegen. Demnach steht lediglich zwei Samtgemeinden (Sittensen und Sottrum) kein Siechtum bis 2040 bevor. Den beiden Mittelzentren Rotenburg und Zeven sagen die Experten einen moderaten Einwohnerschwund voraus. Auch Gnarrenburg, Scheeßel und Selsingen bleiben mit den ihnen prognostizierten Verlusten unter der Quote des Kreises. Der den Samtgemeinden Fintel, Tarmstedt und Bothel drohende Aderlass liegt knapp über dem Durchschnitt. Düster sieht es für die Samtgemeinde Geestequelle sowie die Städte Bremervörde und Visselhövede aus.


Einwohnerverlust in Visselhövede am höchsten

Visselhövede erreicht mit einem Bevölkerungsverlust von 20,8 Prozent kreisweit den höchsten Wert. Das entspricht 2000 Personen. 2040 sind es der Prognose zufolge noch 7606 Einwohner. Dicht hinter Visselhövede landet Bremervörde mit einem Minus von 17 Prozent. Die Zahl der Einwohner sinkt laut NBank bis 2040 um fast 3300 Personen auf 15.415. In der Geestequelle beläuft sich der vorhergesagte Verlust auf 14 Prozent, was einem Sinken der Einwohnerzahl um fast 900 Personen auf 5430 Einwohner gleichkommt. Auch Bothel schrumpft mit einem Minus von 10,4 Prozent zweistellig - um rund 850 auf 7353 Einwohner.

Mit einem Wert von minus 9,9 Prozent bleibt Tarmstedt knapp darunter. 2040 beträgt die Zahl der Tarmstedter 9694. Fintel verliert 9,1 Prozent und steht in 17 Jahren bei 6887 Einwohnern. Scheeßel sieht sich einem Verlust von 8,4 Prozent auf 11.898 Einwohner gegenüber. Selsingen steht ein Verlust von 7,9 Prozent auf 8781 Einwohner bevor.

Zeven kommt vergleichsweise glimpflich davon. Die Gutachter gehen von einem Sinken der Einwohnerzahl um 5,9 Prozent auf 21.657 Personen aus. Zeven bleibt die bevölkerungsstärkste Verwaltungseinheit des Kreises vor Rotenburg. Die Kreisstadt verliert 2,5 Prozent und kommt 2040 auf 21.406 Einwohner. Ins Plus dreht die Kurve bei Sottrum. Der Samtgemeinde prognostiziert die NBank einen Bevölkerungszuwachs von 12 Personen auf 14812 Einwohner. Den Spitzenplatz erreicht Sittensen mit einem Plus von 0,5 Prozent, was einem Gewinn von 61 Personen auf 11.329 Einwohner im Jahr 2040 entspricht.


Stärkster Zuwachs an Älteren in Sittensen und Sottrum

Spitze ist Sittensen auch beim demografischen Wandel. Laut Prognose nimmt der Bevölkerungsanteil der über 60-Jährigen bis 2040 um 35,6 Prozent zu, während der der unter 18-Jährigen um 4,5 Prozent sinkt. Ein ähnliches Bild zeichnen die Gutachter für Sottrum mit einem Plus von 34 Prozent bei den über 60-Jährigen und einem Minus von 6,9 Prozent bei den unter 18-Jährigen.

Selsingen (plus 27 Prozent Ältere, minus 13,3 Prozent Jüngere), Zeven (plus 25,3 Prozent Ältere, minus 14,3 Prozent Jüngere), Bothel (plus 23,2 Prozent Ältere, minus 16,6 Prozent Jüngere) und Gnarrenburg (plus 22,2 Prozent Ältere, minus 13,8 Prozent Jüngere) ergeht es kaum anders. Geringfügig besser kommen Scheeßel (plus 19,7 Prozent Ältere, minus 10 Prozent Jüngere), Geestequelle (plus 18,9 Prozent Ältere, minus 17,3 Prozent Jüngere), Tarmsterdt (plus 18,6 Prozent Ältere, minus 13,1 Prozent Jüngere) und Fintel (plus 13,3 Prozent Ältere, minus 7,4 Prozent Jüngere) davon.

Zwei extrem gegenläufige Entwicklungen zeigen die Experten für Visselhövede und Bremervörde auf der einen und Rotenburg auf der anderen Seite. Während im Norden und Süden des Kreises nicht nur die Zahl der Jüngeren sinkt, sondern auch die der Älteren, nimmt Rotenburg als Alleinstellungsmerkmal für sich in Anspruch, dass beide Bevölkerungsgruppen wachsen - plus 5,7 Prozent bei den über 60-Jährigen und plus 7,1 Prozent bei den Jüngeren. In Visselhövede beträgt das Minus 7,7 Prozent bei den Älteren und 3,3 Prozent bei den Jüngeren. Für Bremervördes geht die NBank von einem Minus von 10,1 Prozent bei den Älteren und einem Minus von 10,8 Prozent bei den Jüngeren aus.

enburg: Massiver Einwohnerverlust in Nord und Süd

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Die Karte zeigt die Bevölkerungsentwicklung im Kreis für den Zeitraum 2013 bis 2020. Im Jahr 2040 wird die Karte nahezu vollständig hellblau eingefärbt sein. Bis auf Sittensen und Sottrum droht allen Städten und Gemeinden ein Verlust an Einwohnern.

Reiches Sittensen

Bei der Kaufkraft pro Haushalt lag Sittensen 2020 mit 56.561 Euro an der Spitze gefolgt von Sottrum mit 55.068 Euro, Selsingen mit 54.538 Euro, Tarmstedt mit 53.908 Euro, Bothel mit 53.515 Euro, Scheeßel mit 50.489 Euro und Fintel mit 50.287 Euro. Auf Platz acht folgt Geestequelle mit 49.640 Euro vor Zeven mit 48.964 Euro, Gnarrenburg mit 47.539 Euro, Visselhölvede mit 45.822 Euro, Bremervörde mit 44.348 Euro und Rotenburg mit 42.129 Euro.

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Erstellt:
6. Januar 2023, 13:35 Uhr
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