Zeven steht mit Tim Mälzer vor der Kamera

© RTL / Thomas Niedermüller

Zum Schwarzwälder Hirsch - eine außergewöhnliche Küchencrew ist mit Tim Mälzer und André Dietz im TV zu sehen.

Leon aus Zeven steht mit Tim Mälzer vor der Kamera

In der Sendung „Zum Schwarzwälder Hirsch“ kocht Tim Mälzer mit Menschen, die das Down-Syndrom haben. Einer kommt aus Zeven: Leon Dohrmann

Zevener kocht mit Tim Mälzer im TV

„Zum Schwarzwälder Hirsch“: Leon Dohrmann macht mit - Heute letzter Teil der Doku zu sehen

Tim Mälzer hat einen Versuch gewagt: Der Hamburger kocht für die Dokuserie „Zum Schwarzwälder Hirsch“ mit Menschen, die das Down-Syndrom haben. Einer von ihnen ist Leon Dohrmann aus Zeven. Er gehört zur Küchencrew und ist Montag im TV zu sehen.

Leon strahlt, als er über das Projekt im Schwarzwald erzählt. „Das war toll, das hat richtig Spaß gemacht. Wirklich.“ Dabei meint er nicht nur die Arbeit mit dem Fernseh-Koch, in dieser Zeit ist etwas Tolles passiert: Er hat sich verliebt und ist mit Laura zusammen. Die Jugendliche aus Duisburg steht ebenfalls neben Mälzer am Herd und hatte anfangs Heimweh. In der Doku ist zu sehen, wie sich der Zevener um sie kümmert. „Er hat sie getröstet. Und als es Laura dann besser ging, konnte richtig gearbeitet werden“, lacht Astrid Dohrmann.

Leons Mutter kann es kaum glauben, was in diesem Jahr alles passiert ist, gar turbulent kommt ihr das Leben ihres Sohnes vor. Aber im positiven Sinne. „Durch das Projekt ist er noch selbstständiger geworden“, freut sich die Nartumerin. Gedreht wurde die dreiteilige Reihe des Senders Vox auf dem Hofgut „Himmelreich“ im Breisgau. Ganz schön weit für jemanden, der noch nie von zu Hause fort war: Über 700 Kilometer trennten Leon und seine Familie aus Nartum für drei Monate.


Arbeit mit Tim Mälzer und André Dietz

13 Menschen mit Trisomie 21 wurden dort an die Arbeit in der Küche und im Service mit Hilfe von Tim Mälzer und Schauspieler André Dietz herangeführt. Mälzer ist davon überzeugt, dass Menschen mit Behinderung eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben und will das mit seinem Team beweisen. Die Teilnehmer haben Spaß und auch der Star-Koch spart neben aller Ernsthaftigkeit nicht mit flotten Sprüchen. Dennoch, der Weg ist hart und zwischendurch kommen Zweifel am Projekt auf. Tränen, Heimweh, Überforderung oder schlichtweg Unsicherheit und Unkenntnis im Umgang mit Menschen mit Trisomie 21 führen zu schwierigen Situationen.

Gleichzeitig macht das die Produktion so ehrlich und zeigt, wozu behinderte Menschen mit Unterstützung in der Lage sind. „Wir versuchen hier etwas auf die Beine zu stellen, was es so noch nie gegeben hat und hoffentlich über die Sendung hinaus eine Wirkung auf den Arbeitsmarkt und den Umgang mit Menschen mit Behinderung haben wird", sagt Tim Mälzer. Die Crew feilt hier und da am Konzept und gibt den Teilnehmern Zeit, sich zu finden. „Das haben die ganz toll gemacht, es ist eine schöne Sendung geworden“, sagt Astrid Dohrmann, die den Aufruf des Senders auf Facebook entdeckt hatte. „Es wurden Menschen mit Down-Syndrom für ein Berufsprojekt gesucht.“ Gemeinsam wurde das Vorhaben in der Familie besprochen, dann stand ein umfangreiches Casting bevor - mit Bewerbung und Video. „Darin habe ich Pfannkuchen gemacht“, erzählt Leon.


Großes Kennenlernen in Mälzers Restaurant

Dann kamen die Fernsehleute nach Nartum, um Details zu klären. Bevor es endlich in den Schwarzwald gehen konnte, stand noch das große Kennenlernen mit allen Teilnehmern in der „Bullerei“, Mälzers Restaurant in Hamburg, an. „Das war richtig schön“, schwärmt Astrid Dohrmann und Leon nickt. Den März, April und Mai verbrachte der 24-Jährige auf dem Hofgut. „Er war aufgeregt, hat sich gefreut und war gleichzeitig auch wehmütig - drei Monate von zu Hause weg...“, und auch der Mutter fiel der Abschied nicht leicht. „Man gibt die Kinder ab und weiß nicht, wie das wird. Man kennt Vox nicht und weiß nicht, wie die Kinder im Fernsehen dargestellt werden, ob nicht so schöne Szenen gezeigt werden - oder was Peinliches“, so ihre Sorgen. Doch die bleiben unbegründet, niemand wird vorgeführt. „Alles super.“

Eigentlich wollte Leon im Januar in seine Wohnung nach Zeven ziehen. Dann kam der Dreh dazwischen, der Umzug ins inklusive Wohnprojekt und sein fröhlicher Mitbewohner mussten warten. Stattdessen standen im Schwarzwald zunächst Hygienevorschriften, Serviettenfalten und das Eindecken der Tische auf dem Programm. Mit Tim Mälzer ging es dann in die Küche. „Ich habe Schnitzel und Hirsch-Gulasch gemacht“, berichtet Leon stolz. „Das war einfach für mich“, grinst er. „Das Schönste war, mit allen gemeinsam zu kochen, das hat viel Spaß gemacht.“


„Tim ist ganz nett, ein toller Mensch“

Auch den prominenten Koch mag er. „Tim ist ganz nett, ein toller Mensch“, so der 24-Jährige. Auch seine Mutter lobt den Hamburger. „Er ist sensibel, hat gemerkt, wo der Schuh drückt und konnte gut mit den jungen Erwachsenen umgehen.“ Mit Stolz blickt Astrid Dohrmann auf ihren Jungen. Aus Erfahrung weiß sie, dass Inklusion kein Selbstgänger ist. „Eltern müssen aktiv werden, wenn sie für ihre Kinder mit Behinderung etwas erreichen wollen.“ Und zwar zusammen, alleine sei es schwierig. So habe sie sich damals mit anderen Eltern für einen Integrationskindergarten in Zeven stark gemacht, Spenden gesammelt und Selbsthilfe-Gruppen ins Leben gerufen.

Auch die örtliche Politik musste auf das Thema Integration aufmerksam gemacht werden. Ein mühsamer Weg für Betroffene, der sich aber lohne. Als Leon mit dem Down-Syndrom geboren wurde, habe sie gedacht, sich ihr ganzes Leben um ihn kümmern zu müssen. „Doch das ist nicht so.“ Und durch das TV-Projekt, die eigene Wohnung und die Freundin sei er nochmal ein anderer Mensch geworden. „Er fährt jetzt sogar alleine mit dem Zug zu seiner Freundin“, erzählt sie. „Alles viel, aber total schön“, freut sich die 56-Jährige.


Neuer Job für Leon

Und es kommt noch besser: Mit Hilfe des Senders hat Leon einen neuen Job bekommen und arbeitet nicht mehr in der Gärtnerei der Rotenburger Werke. Das Film-Team hat Gastronomen in der Region angesprochen und in den Schwarzwald eingeladen. Dort konnten sie die Menschen mit Down-Syndrom kennenlernen und ihnen dann in der Heimat möglichst einen Arbeitsplatz anbieten. „In der Gastronomie ist Platz für jedes Talent und jeden Charakter“, so der Gedanke von Tim Mälzer.

Bei Leon war es Jan Stollberg, der die Fahrt auf sich genommen hat. Das Ehepaar Stollberg betreibt in Sittensen das Landart Hotel. „Der Besuch hat sich für uns gelohnt“, berichtet der Hotel-Betreiber unserer Zeitung. Zuerst sei er skeptisch gewesen, da es sich um ein Fernsehformat handelte. „Wir wussten nicht, was auf uns zukommt. Ich bin dann einfach hingefahren“, so Stollberg. Im „ersten Leben“ sei er Lehrer gewesen, deshalb habe das irgendwie seinen Nerv getroffen. „Und die Rotenburger Werke unterstützen uns sehr, um das möglich zu machen, denn der Umgang mit Leon ist auch für uns neu. Man muss einige Dinge beachten und lernen.“

Leon arbeitet im Frühstücksservice, die Kollegen haben gewisse Abläufe für ihn standardisiert. „Das tut auch der ganzen Küchenmannschaft gut“, so Jan Stollberg. Dohrmanns sind dankbar für den Arbeitsplatz. „Ich möchte gerne bei Jan bleiben“, so Leons Wunsch. Auch über das Engagement des Senders bei der Arbeitsplatzsuche ist Astrid Dohrmann begeistert. „Einfach toll, eine richtige Chance für unsere Kinder. Sie sind zwar langsamer und man muss sich etwas gedulden. Aber sie sind pünktlich, man kann sich auf sie verlassen. Menschen mit Down-Syndrom machen ihre Arbeit gut, wenn man sie normal am Leben teilhaben lässt.“

Geduld, Rituale, Wiederholungen - das sei im Umgang wichtig. „Wenn man ihnen eine Chance gibt, können sie viel erreichen. Im Fernsehen sieht man, dass sie arbeiten können.“ Und noch etwas zeichne Menschen mit Trisomie 21 aus: „Sie sind total empathisch und merken, wenn es jemandem nicht gut geht. Das macht sie so liebenswert“, weiß die Mutter, die bei Trisomie 21 kein Verständnis für pränatale Diagnostik hat. „Kinder mit Down-Syndrom sind keine Menschen, die in der Ecke sitzen, gar nichts können und kein Recht auf Leben haben“, macht sie deutlich. Dieses Thema liege ihr sehr am Herzen.

Zurück zum TV-Format: Leon ist begeistert und würde immer wieder mit Tim Mälzer kochen. „Ja, das war richtig schön!“

Ob es der Küchencrew gelingt, möglichst selbstständig ein Restaurant zu führen, ist Montag (7.11.) im TV zu sehen. Um 20.15 Uhr erscheint der letzte Teil der Doku auf Vox. Auf RTL+ sind alle Sendungen abrufbar.

Zeven steht mit Tim Mälzer vor der Kamera

© Harder-von Fintel

Astrid Dohrmann ist stolz auf ihren Sohn Leon. Er hat in diesem Jahr viel erreicht und wohnt mittlerweile in einer eigenen Wohnung.

Zeven steht mit Tim Mälzer vor der Kamera

© RTL / Thomas Niedermüller

Fernseh-Koch Tim Mälzer und Laura in der Küche. Sie ist mit Leon aus Zeven zusammen, auch sie hat das Down-Syndrom.

„Jeder hat seine Stärken. Es ist ein unfassbar dummer Satz und eine ebenso dumme Denkweise, Menschen mit Down-Syndrom als nicht ausbildungsfähig zu bezeichnen.“
Star-Koch Tim Mälzer
Zeven steht mit Tim Mälzer vor der Kamera

© dpa

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Erstellt:
6. November 2022, 15:55 Uhr
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