katerina ermordet oder will sie nur ihren Sohn retten?

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Ludmila B. behauptet, sie habe Ekaterina B. getötet. Sie könne sich allerdings nicht erklären, was passiert sei.

Hat sie Ekaterina ermordet oder will sie nur ihren Sohn retten?

Vor dem Landgericht in Bremen wird der Mord an Ekaterina B. aus Bremerhaven verhandelt. Plötzlich sagt die Schwiegermutter aus, sie habe die Frau getötet.

Mutter des Angeklagten schildert, wie sie Ekaterina B. erwürgt haben will – Kein Haftbefehl

Was für eine Wende im Prozess um den Mord an Ekaterina B.: Die Schwiegermutter behauptet, dass nicht ihr Sohn, sondern sie die junge Frau getötet hat. Ihre Schilderung ist verstörend. Und die Frage bleibt: War es so – oder will sie ihren Sohn retten?

Als der Angeklagte im Mordfall Ekaterina B. wie zu jedem der bisher sieben Verhandlungstage in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, da laufen ihm bereits Tränen über das Gesicht – so, als wüsste er, was seine Mutter bald darauf sagen wird.

Nicht er habe Ekaterina B. erwürgt, sondern sie. „Das habe ich gemacht“, sagt die kleine, korpulente Frau, als der Vorsitzende Richter sie gerade aufgeklärt hatte, dass sie als Zeugin auch die Aussage verweigern könne, weil der Beschuldigte ihr Sohn ist und sie sich auch nicht selbst belasten müsse. „Das war nicht mein Sohn“, sagt sie weiter.


Sie sagt: Ich kann nicht mehr mit der Schuld leben

Sie könne sich nicht erklären, was passiert sei in jener Nacht Anfang Februar in Bremerhaven. „Ich wollte das nicht.“ Das Geschehene tue ihr so leid für ihren Sohn, die kleine Enkeltochter und auch ihren Mann. Sie sei „fix und fertig“ und könne mit der Schuld nicht mehr leben und zusehen, wie die Familie leide.

Das Gericht muss die Verhandlung bald darauf unterbrechen, damit die Frau sich beruhigen und etwas trinken kann.

Interview 2 (Nachmittag): Schwiegermutter will Ekaterina erwürgt und zerstückelt haben
Das Interview mit unserem Chefreporter Thorsten Brockmann am Nachmittag nach dem Ende des siebten Prozesstages: Die Mutter des Angeklagten hat als Zeugin erklärt, Ekaterina getötet zu haben. Gleichwohl durfte sie das Gericht auf freiem Fuß verlassen - ein Haftbefehl wurde nicht beantragt.

Im Anschluss schildert die 66-Jährige den Abend so, dass sie aus Sorge, ihre Schwiegertochter könne ihren Sohn vergiften, nachts mit dem Taxi nach Wulsdorf gefahren sei. Vorher will sie mit ihm telefoniert und erfahren haben, dass er Herzrasen habe und ihm übel sei.


Sie will ihre Schwiegertochter im Schlaf erwürgt haben

Mit dem eigenen Schlüssel sei sie ins Haus gelangt und habe Ekaterina auf dem Sofa im Wohnzimmer tief schlafend gefunden. Als die 32-Jährige sie dann geschlagen habe, sei „ein Blitz“ durch sie gefahren und sie habe „gedrückt und gedrückt“. Sie wisse nicht wie lange, aber sie habe sie erwürgt. Als ihr das Geschehen klar geworden sei, da habe sie die Schwiegertochter geschüttelt und gedacht, sie müsse atmen, „hat sie aber nicht“.

Die 66-Jährige weint fortwährend, als sie das erzählt, und sagt immer, sie wisse nicht, wie es ihr passieren konnte. Das Gericht könne jeden befragen, sie könne keinem etwas zuleide tun. Sie glaube an Gerechtigkeit. „Meine Katja“ sagt sie über ihre Schwiegertochter, wie schön sie gewesen sei und wie gut sie sich bis vor zwei Jahren verstanden hätten.


Sie will nur noch einen Gedanken gehabt haben: Die Leiche muss weg

In der Nacht will die 66-Jährige aber nur einen Gedanken verfolgt haben: Die Leiche muss weg.

Während Sohn und Enkelin oben im Haus schliefen, will sie die Schwiegertochter über die Terrasse in die Garage geschleppt haben. Am nächsten Tag habe sie die Kinder zum Muschelsuchen nach Otterndorf geschickt und währenddessen den Leichnam in der Garage zerlegt, damit er in den Koffer passte. Zwei Messer habe sie aus der Küche geholt.

Sie erzählt von Folien und Müllsäcken und zwei Schutzoveralls, wie ihn Maler tragen, damit sie sich nicht dreckig machte bei ihrer Arbeit.


Sie sagt: Ich habe „wie ein Automat“ funktioniert

„Wie ein Automat“ habe sie funktioniert, nach vier Stunden sei alles erledigt gewesen und die Muschelsucher kehrten zurück. Die Zeit habe nach der Reinigung der Garage gerade noch gereicht, sich einen Kaffee zu kochen.

Erst Stunden später will sie ihrem Sohn berichtet haben, sie habe aufgeräumt und der Koffer und einige Müllsäcke aus der Garage müssten weg. Zur Müllverbrennung. Ihr Sohn habe in einen der Säcke geschaut und dann gefragt: „Was ist das? Katja?“ „Ja, mein Sohn!“ Da sei er ohnmächtig geworden.

Später wollen Mutter und Sohn nach Bramel gefahren sein und den Koffer von einer Brücke in die Geeste geworfen haben. Auch Ekaterinas Handy habe sie in Alufolie eingewickelt aus dem Auto geworfen.


Sie hat sogar eine Erklärung für die Spuren von Betäubungsmittel

Dass im Körper der Toten Spuren von Betäubungsmittel gefunden wurden, auch dafür hat sie eine Erklärung parat: Sie habe das Medikament heimlich häufiger in Apfel-Möhrensaft gemixt und dem Sohn mitgegeben, damit die Familie besser schlafe.

Beide Verteidiger des Angeklagten waren überrascht von dem, was sie da gehört hatten. Sie wussten zuvor nicht, ob und wie die Frau sich äußern will.

„Ich bin fassungslos“, meinte Opferanwältin Magaret Hoffmann. Sie vertritt die Interessen der sechs Jahre alten Tochter. Sie hätte sich ein anderes Geständnis in der Verhandlung gewünscht, sagt die Anwältin – um dem Kind eine erneute Aussage zu ersparen. Es soll sich einem Betreuer anvertraut haben.

Der Vorsitzende Richter fragt die Frau später, ob sie Einsicht in die Ermittlungsakten gehabt habe. „Nein“, sagt sie. Das Recht hätte sie als Zeugin auch gar nicht.

Aber in den Akten soll sich ein Vermerk der Polizei finden, dass die 66-Jährige ihren Sohn gefragt habe: „Soll ich die Schuld auf mich nehmen?“

Der Staatsanwalt hält der Frau schließlich vor, auch mehrere Briefe ihres Sohnes aus der Untersuchungshaft erhalten zu haben mit der Forderung: „Rette mich, die Familie.“


Sie kann das Gericht trotz ihres Geständnisses frei verlassen

Die Befragung der Mutter des Angeklagten soll in zwei Wochen fortgesetzt werden. Sie hat am Ende des Sitzungstages das Gerichtsgebäude als freie Bürgerin verlassen.

Anwalt Andreas Berg, der den Bruder der Getöteten vertritt, regt an, einen Haftbefehl gegen die 66-Jährige zu beantragen.

katerina ermordet oder will sie nur ihren Sohn retten?

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Sie war so schön, und sie hätten sich lange gut verstanden, sagt die Mutter des Angeklagten über ihre Schwiegertochter Ekaterina. Im Februar aber will die Schwiegermutter sie erwürgt und zerteilt haben. War es wirklich so?

Wer als Zeuge vor Gericht geladen wird, hat das Recht, sich von einem Rechtsanwalt als Beistand und Berater begleiten zu lassen. Zeugen sind per Gesetz verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Nur wenn sie sich selbst belasten oder der Angeklagte ein naher Verwandter ist, dürfen sie die Aussage verweigern. Wer vor Gericht lügt und eine Falschaussage macht, kann dafür mit bis zu fünf Jahren Haft verurteilt werden.

Beistand für Zeugen

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