d Schläge: Ekaterinas Ehe war offenbar die Hölle

© Lothar Scheschonka

Ekaterina B. soll ihren Mann mit einer Bratpfanne geschlagen haben, er habe sie gewürgt, erzählten beide einer Betreuerin.

Streit und Schläge: Ekaterinas Ehe war offenbar die Hölle

Vor dem Landgericht Bremen hat eine Erzieherin ausgesagt im Mordprozess Ekaterina B. Sie berichtet von Psychoterror und Angst um Leib und Leben.

Der Streit im Hause B.

Erzieherin hatte früh Angst: Wenn das so weitergeht, wird einer sterben

„Jetzt hat er sie umgebracht.“ Das war der erste Gedanke einer Mitarbeiterin des Familien-Krisendienstes, als sie davon hörte, dass Ekaterina B. vermisst werde. Die Erzieherin hat die Familie monatelang betreut. Sie will Erschütterndes erlebt haben.

Das Ehepaar B. hatte sich derart heftig vor dem Kindergarten seiner damals vier Jahre alten Tochter gestritten, dass die Sozialbehörden alarmiert wurden.

Schon mehr als zwei Jahre ist es inzwischen her, dass Ekaterina B. und ihr Ehemann „Unterstützung in Erziehungsfragen“ zuteil wurde. Das DRK Wesermünde ist Träger des Familien-Krisendienstes und wurde vom Jugendamt informiert.

Sechs Wochen lang sollte die Erzieherin, die nun als Zeugin vor Gericht geladen ist, die Familie begleiten und dabei immer das Wohl der kleinen Tochter im Blick haben. Daraus wurden vier Monate.


Eheleute B. sollen sich angeschrien haben

Zwischen den beiden Eheleuten sei nur schwer zu vermitteln gewesen, sagt die 48-Jährige. „Sie haben sich anfangs angeschrien und überzogen mit Anschuldigungen.“

Der nun Angeklagte habe seine Frau beschuldigt, keine gute Mutter und psychisch krank zu sein, Ekaterina wiederum habe ihm vorgeworfen, kein Interesse mehr an ihr zu haben. Sie habe sich ein weiteres Kind gewünscht, er habe Sex mit ihr abgelehnt.

Bei ihren Treffen mit den Eheleuten sei mal die Rede davon gewesen, dass er sie im Streit gewürgt habe, dann, dass sie ihm nachts im Schlaf eine Bratpfanne auf den Kopf geschlagen habe. „Sie hatten es beide faustdick hinter den Ohren und haben sich beide nichts gegeben...“


Ekaterina versteckt sich mit der Tochter in der Badewanne

Zu den Vorfällen gehörte auch, dass Ekaterina B. sich vor ihrem tobenden Mann mit ihrer Tochter in der Badewanne versteckte und die Erzieherin am Telefon Zeugin wurde, wie er schreiend ins Bad eindrang.

Von September bis Dezember 2020 war sie in der Familie B. aktiv, und es habe keinen einzigen Tag in dieser Zeit gegeben, an dem sie nicht gefordert gewesen sei.

„Es war sehr schwierig, mit beiden zu arbeiten“, sagt sie. Beide hätten ihr Kind geliebt, da sei sie sicher. „Aber der Verbleib bei den Eltern war zu gefährlich für das Kind“, sei sie schnell überzeugt gewesen, erinnert sich die Zeugin. Zu Pflegeeltern habe sie die Vierjährige geben wollen, die Großeltern hätten sie schließlich aufgenommen.

Sie habe in keinem Betreuungsfall ihrer beruflichen Laufbahn „so viel unterdrückte Aggressivität“ erlebt wie in der Familie B., sagt die Frau, und ihre Befürchtung sei schon damals gewesen: „Wenn das so weitergeht, liegt bald einer in der Ecke und ist tot.“


Beide Eheleute wenden sich an die Polizei

Als bei einem Streit Glas zu Bruch ging und ein Telefon flog, kam auch die Polizei ins Spiel: Er rief die Beamten ins Haus, sie lief zur Wache, um Anzeige zu erstatten. Am selben Tag zog Ekaterina B. das erste Mal mit ihrer Tochter ins Frauenhaus.

Er brachte ihr Geld und Essen, nach einer Woche lebte die Familie wieder zusammen unter einem Dach. Die Erzieherin ist noch heute überzeugt: „Sie hat ihren Mann noch immer geliebt.“

Beide hätten ihre Liebe beteuert. Es sei ein ständiges Hin und Her gewesen, Versöhnung für drei Tage, dann wieder Krise für die nächsten Tage. „Sie wollten ihre Beziehung nicht aufgeben“ - auch wegen des gemeinsamen Kindes.

Streit habe es häufig wegen der Mutter des Angeklagten gegeben, Ekaterinas Schwiegermutter. „Sie hat sich zu sehr eingemischt.“


Ekaterina verwandelt sich auf der Straße zur grauen Maus

Die Erzieherin spricht von Ekaterina B. als „bildhübsche Frau“, die bei jedem Besuch „toll angezogen“ gewesen sei, geschminkt und mit perfektem Haar. „Aber nur im Haus“, sagt sie. Sobald Ekaterina auf die Straße gegangen sei, habe sie sich zur „grauen Maus“ verwandelt. „Wie Aschenputtel“, sagt die Erzieherin. Weil Ekaterina B. sich sonst von ihrer Schwiegermutter habe anhören müssen, sie laufe „wie eine Nutte“ herum.

Als die vier Monate Betreuung beendet waren, „da war ich froh, nicht mehr mit ihnen arbeiten zu müssen“, sagt die Erzieherin. Das habe sie dem Paar damals auch gesagt. „Beide haben mich ausgesaugt“, die Frau spricht von Psychoterror. „Ich wollte nichts mehr von ihnen wissen, da bin ich ganz ehrlich.“

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Erstellt:
8. Dezember 2022, 19:45 Uhr
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