aterina B. wegen ihres Geheimnisses sterben?

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Das Ende einer langen Suche: Polizisten bergen die sterblichen Überreste von Ekaterina B., die in einem Koffer an den Deich gespült wurden.

Musste Ekaterina B. wegen ihres Geheimnisses sterben?

Das Landgericht Bremen untersucht den Mord an Ekaterina B. aus Bremerhaven. War es ihr geheimer Plan, den Mann zu verlassen, der sie das Leben kostete?

Gelassen und gleichgültig

Familienhelferin sagt im Mordprozess über den Ehemann der Getöteten aus

Ekaterina B. soll sehr zuverlässig gewesen sein. Als sie nicht ans Telefon ging und nicht auf Nachrichten reagierte, da schöpfte ihre Familienhelferin schnell den Verdacht: Da stimmt etwas nicht. Denn die Frauen teilten ein Geheimnis.

Die Familienhelferin sagt vor dem Schwurgericht als Zeugin aus, das den Mord an der 32-Jährigen untersucht. Es geht darum, wie sie mit ihrer Kollegin die Familie betreut und erlebt hat und was geschah, als die junge Mutter so plötzlich verschwunden war.

Ekaterina B. hätte mit ihrer Betreuerin einen Termin beim Anwalt gehabt, um eine Rechnung zu bezahlen – für die Auskunft, wer im Falle einer Scheidung das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter bekomme und ob ihr die Hälfte des Hauses zustehe.

In der Frau war offenbar immer mehr das Vorhaben gereift, ihren Mann doch zu verlassen. Mit dem Kind. Einer der beiden Familienhelferinnen hatte sie das anvertraut, doch der Ehemann sollte davon noch nichts erfahren.

Zum Anwalts-Termin war Ekaterina B. nicht mehr da. Er habe geschlafen, sie müsse nachts das Haus verlassen haben, „die wird schon wiederkommen“, habe der Angeklagte zu ihr gesagt. Da fehlte von der Mutter bereits seit fast drei Tagen ein Lebenszeichen. Am Telefon sei der Mann „sehr gelassen und sehr gleichgültig“ gewesen, Ekaterina sei schon häufiger gegangen, soll er gesagt haben.

Die Helferin mochte das nicht glauben und rief selbst ihre Klientin an, schrieb ihr Nachrichten, sprach auf die Mobilbox. Immer wieder. Schließlich drängte sie den Mann, die Polizei zu informieren und hatte doch Zweifel, ob er das auch wirklich macht. „Er war einfach ein bisschen zu gleichgültig.“ Deshalb erstattete sie selbst auch eine Anzeige.


Polizistin fallen „zu viele Umgereimtheiten“ auf

Die Polizei schenkte der Vermisstenmeldung gut zwei Tage lang keine größere Bedeutung, bis eine Beamtin im Kriminaldauerdienst noch einmal mit dem Mann und auch der Familienhelferin telefonierte und sich über „zu viele Ungereimtheiten“ wunderte, wie sie vor Gericht aussagt. Letzten Endes sei es ihr „Bauchgefühl“ gewesen, das Fachkommissariat zu alarmieren.

Die Sozialpädagogin hatte der Polizistin von ihrem Besuch im Haus der Familie erzählt, um sich mit der Kollegin selbst ein Bild zu machen und auch nach Spuren zu schauen – für einen Streit womöglich. „Für uns war das ganz schlimm“, sagt die Frau aus.

Je länger Ekaterina B. vermisst gewesen sei, umso schlimmer sei es geworden. Bei ihrem Besuch trafen die beiden Frauen auf einen Gast im Haus: Die Mutter des Angeklagten. Sie habe kein gutes Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter gehabt, sich immer eingemischt, hätte Ekaterina B. ihr berichtet. „Sie sah aus, als hätte sie die Nacht durchgemacht“, sagt die Helferin aus. „So kaputt, wie sie war, und gleichzeitig ganz aufgeregt.“ Auch der nun Angeklagte sei bei dem Besuch deutlich angespannter gewesen als beim Telefongespräch zuvor. „Beide waren sehr verschwitzt“, im Haus habe die „Luft gestanden“.

Eine der beiden Familienhelferinnen sah sich den Kleiderschrank der Vermissten an, dessen Inhalt sie bereits gut kannte von vorhergehenden Besuchen. Aber ob etwas fehlte, war hier genauso wenig festzustellen wie im Badezimmer. „Es gab mehrere Zahnbürsten.“ Aber mit Ekaterina sei ihr Rucksack verschwunden, da sei sie sicher, und auch wohl ein Koffer. Und Geld, habe der Ehemann erzählt. Mal soll er von 10.000 Euro gesprochen haben, dann von 8.000, schließlich 15.000.

An der Suche im Haus, was seine Frau mitgenommen haben könnte, habe er sich aber nicht beteiligt. Ihn habe dagegen schnell die Frage beschäftigt, ob er das alleinige Sorgerecht für die fünf Jahre alte Tochter bekomme, falls seine Frau nie wieder auftauche.

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