r glücklich: Warum Chelsea Miss Germany werden will

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Chelsea Gongora (26) aus Bremerhaven trägt Kleidergröße 46, ist alleinerziehende Mutter, Stalking-Opfer - und sie will Miss Germany werden.

Dick, aber glücklich: Warum Chelsea Miss Germany werden will

Chelsea Gongora aus Bremerhaven will Miss Germany werden. Sie zeigt sich als alleinerziehende Mutter mit Kleidergöße 46 und als Stalking-Opfer.

Bremerhavenerin will Miss Germany werden

Chelsea Gongora zeigt sich als alleinerziehende Mutter mit Kleidergöße 46 und Stalking-Opfer.

Chelsea Gongora aus Bremerhaven hat schwere Jahre hinter sich. Ihre scheinbar große Liebe endete mit Stalking. Jetzt ist sie alleinerziehende Mutter, trägt Kleidergröße 46 - und hat uns erzählt, warum sie gerade deswegen Miss Germany werden will.

Chelsea Gongora aus Bremerhaven ist eine dieser Frauen, denen man die Lebensfreude direkt ansieht. Dabei hat die kurvige Frau mit der dunklen Haut, den blondierten Locken und dem strahlenden Lächeln eine schwere Zeit hinter sich. Nicht nur ihr Gewicht ging rauf und runter, auch ihr Liebesleben war eine Achterbahnfahrt: von Liebesglück und Schwangerschaft über Betrug bis hin zum Stalking.

Heute trägt Chelsea Kleidergröße 46 und ist alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Sohns. Mit ihrer Geschichte hat die 26-Jährige es in die Top 80 bei der Wahl zur Miss Germany 2022/23 geschafft. Die Zeiten, in denen eine Miss Germany Modelmaße haben musste, sind vorbei. Heute sucht die Jury des ehemaligen Schönheitswettbewerbs nach positiven, mitreißenden Frauen, die eine Botschaft vermitteln und den Zeitgeist repräsentieren.

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Chelsea ist wie geschaffen für diese neue Art der Miss-Wahlen. Denn der 26-jährigen Kandidatin liegen gleich mehrere Themen am Herzen.


Die Kandidatin aus Bremerhaven hat viel zu sagen

Chelsea ist wie geschaffen für diese neue Art der Miss-Wahlen. Denn der 26-jährigen Kandidatin liegen gleich mehrere Themen am Herzen: Die Bremerhavenerin will das Image alleinerziehender Mütter verbessen und Frauen zu mehr Selbstliebe und Körperakzeptanz motivieren.

Ihr Weg in die Öffentlichkeit hat eigentlich schon vor zwei Jahren begonnen. Damals nimmt die frischgebackene Mutter innerhalb weniger Monate unbewusst rund 40 Kilo ab. „Ich war eigentlich immer die Dicke im Freundeskreis, aber das hat mir nichts ausgemacht“, erinnert sich die 26-Jährige. Sie nennt ihren Körper nicht „curvy“ oder „mollig“, sondern „dick“. „Ich finde es wichtig, die Sachen beim Namen zu nennen und sich trotzdem so wohlzufühlen, wie man ist“, betont sie.

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© Lothar Scheschonka

Chelsea aus Bremerhaven nennt sich selbst dick. „Ich finde es wichtig, die Sachen beim Namen zu nennen“, sagt sie.

Der Wunsch, dünn zu sein, war nie so stark, dass sie eine Diät gemacht hätte oder konsequent ins Fitnessstudio gegangen wäre. „Ich definiere mich nicht über meinen Körper“, sagt Chelsea. Doch als sie plötzlich erschlankt, wird ihr schlagartig bewusst, dass in Deutschland dünne Frauenkörper fast immer mit Schönheit und Gesundheit assoziiert werden - unabhängig davon, wie sie zustande gekommen sind.


Endlich schlank? Das war die schlimmste Zeit ihres Lebens

„Alle haben mir gesagt, wie gut ich aussehe und mir gratuliert - dabei war das die schlimmste Zeit in meinem Leben. Es ist nicht okay, jedem zu applaudieren, der abnimmt. Dünn sein heißt nicht automatisch, dass man hübsch, gesund und glücklich ist“, erzählt sie. Ab diesem Moment stellt Chelsea ihren Instagram-Kanal auf öffentlich und teilt ihre Geschichte mit anderen Frauen.

So erzählt sie selbst, was passiert sein soll:

Es beginnt im Jahr 2017, als sie in Berlin eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht und einen besonderen Mann kennenlernt. „Er war lustig, sehr aufmerksam, hat mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Wir haben viel zusammen - mit unseren Freunden oder wir sind spontan nach Bremerhaven gefahren“, erzählt sie. Alles scheint perfekt zu sein.

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Als Chelsea ihren Ex-Freund kennenlernt, scheint alles perfekt zu sein. Doch als sie schwanger ist, erfährt sie von seinen Geheimnissen.

Rückblickend erinnert sich Chelsea durchaus an ein paar erste Warnzeichen: Sie weiß kaum etwas über seine Vergangenheit. Einmal behauptet er, nach Kanada zu reisen, und schickt ihr dann offensichtlich gefälschte Fotos. Und es gibt diese eine Freundin in seinem Bekanntenkreis, die Chelsea auch nach zwei Jahren Beziehung nicht kennt „Er hat mir gesagt, sie will mich nicht kennenlernen. Das war schon komisch, aber ich habe keinen Verdacht geschöpft, weil er mir gegenüber immer so offen und ehrlich wirkte“, erklärt sie.


Chelsea bekommt eine anonyme Nachricht auf Instagram

Bevor die Lügen auffliegen, wird Chelsea schwanger. Das Paar freut sich auf das gemeinsame Kind und zieht zurück in ihre Heimat Bremerhaven. Doch dann erhält sie eine seltsame Nachricht: Ein anonymes Instagram-Profil schreibt, dass ihr Freund nicht nur eine Ex-Frau mit zwei gemeinsamen Kindern hat, sondern auch eine weitere Beziehung. Es ist die unbekannte Frau aus Berlin. Sie ist ebenfalls schwanger - und schickt Chelsea die Nachricht auf Instagram.

Für die werdende Mutter bricht eine Welt zusammen. Wenige Tage vor der Geburt trennt sie sich von dem Vater ihres Sohnes. Als Yunis auf die Welt kommt, schwebt sie erst mal für ein paar Wochen im Baby-Glück. Doch dann geht der Horror weiter. „Er wollte nicht akzeptieren, dass die Beziehung vorbei ist und hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen“, erinnert sich Chelsea. „Überall, wo ich hingegangen bin, stand sein Auto. Und als er mir gedroht hat, Yunis mit nach Berlin zu nehmen, hab ich wirklich Angst bekommen.“


Stalking nach der Trennung: Er ignoriert die Einstweilige Verfügung

Sie erwirkt eine Einstweilige Verfügung - die er ignoriert. Immer wieder hört und sieht sie ihren Ex um das Haus schleichen, in dem sie vorübergehend wohnt. Irgendwann schlägt die besessene Liebe in Wut um. Jetzt will er nur noch das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn haben. Doch das wird Chelsea vor Gericht zugesprochen. Ihr Ex darf das Kind nur noch unter Beaufsichtigung besuchen.

Jetzt kümmert sich die Bremerhavenerin meistens alleine um den Zweijährigen. Sie hat fast wieder 40 Kilo zugenommen, ist frisch verliebt und fühlt sich besser denn je. Auch wenn der Alltag als alleinerziehende Mutter nicht immer einfach ist. Kita-Zeiten bis 15 Uhr, Schichtdienste in der Pflege, Haushalt, gemeinsame Zeit mit dem Kind und ein paar Momente der Entspannung passen nicht gut zusammen. Und die Auswahl an Stellenangeboten für Altenpflegerinnen, die keine Nachtschichten und Wochenenddienste machen können, sind begrenzt.

Chelsea will es allen beweisen, dass man auch als alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Kindes alles problemlos schaffen kann und findet schließlich einen Arbeitgeber, der ihr entgegenkommt. „Aber das hat trotzdem alles gar nicht funktioniert. Yunis hat nur geweint und ich war auch am Ende“, sagt sie. Jetzt ist die 26-Jährige erst mal wieder in Elternzeit. „Ich habe mich dafür entschieden, um noch etwas Zeit mit meinem Sohn zu haben. Natürlich gibt es Leute, die das verurteilen, aber mir ist es jetzt egal, was andere sagen.“ ‚


„Wir brauchen kein Mitleid, sondern Respekt und Unterstützung.“

Auf Instagram macht Chelsea auf die Herausforderungen für alleinerziehende Mütter aufmerksam, ohne sie pauschal als bedauernswert darzustellen. „Alleinerziehende Männer werden bewundert, alleinerziehende Frauen werden bemitleidet“, kritisiert sie. „Ja, es ist schwer, in dieser Gesellschaft ein Kind alleine großzuziehen. Aber wir brauchen kein Mitleid, sondern Respekt und Unterstützung.“

Mit dieser Botschaft hofft die Bremerhavenerin, es unter die Top 40 der Miss-Kandidatinnen zu schaffen. Vom 10. bis 12. Oktober 2022 soll live auf der Streaming-Plattform Twitch verkündet werden, ob sie ihrem Traum von der Miss-Germany-Krone ein kleines Stückchen näher kommt.

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Erstellt:
7. Oktober 2022, 18:49 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 17sec

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