ie Zinzendorfschule ihre Finanzkrise meistern

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Im Bereich Theater ist die Zinzendorfschule überdurchschnittlich stark engagiert. Solche Alleinstellungsmerkmale sollen zur Schärfung des Profils herausgearbeitet werden.

So will die Zinzendorfschule ihre Finanzkrise meistern

Schülerzahlen im Sinkflug, finanzielle Probleme als Folge davon: Die Zinzendorfschule in Tossens steht vor großen Herausforderungen.

Schule sucht Wege aus der Krise

Hoffen auf Überbrückungshilfe - Lehrkräfte verzichten auf Stunden - Neuausrichtung im Fokus

Schülerzahlen im Sinkflug, finanzielle Probleme als Folge davon: Die einzige weiterführende Schule in der Gemeinde Butjadingen hat große Schwierigkeiten. Wie sie überwunden werden sollen, verrät Melanie Rummel, Mitglied der Schulleitung.

Was ist die Ausgangssituation?

Noch im Schuljahr 2014/15 zählte die Zinzendorfschule mehr als 600 Schülerinnen und Schüler. Inzwischen sind es nur noch 317 junge Leute - 116 in der Oberschule und 201 am Gymnasium. Die Herrnhuter Brüdergemeinde als Trägerin der Schule führt den Rückgang, den sie bereits im Sommer in einer Pressemitteilung als „signifikant“ bezeichnet hatte, auf den demografischen Wandel und die Folgen der Corona-Pandemie zurück.

Eine Folge der sinkenden Schülerzahlen sind wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Evangelische Brüder-Unität hatte vor diesem Hintergrund im Sommer „verschiedene Maßnahme“ zur Senkung der Personal- und Betriebskosten angekündigt. Einige davon sind bereits umgesetzt. Über andere wird in der Schule noch eifrig diskutiert. Das berichtet Melanie Rummel, Mitglied der Schulleitung.

Wofür ist das zusätzliche Geld gedacht, das sich die Schule von der Gemeinde erhofft?

Die Gemeinde Butjadingen unterstützt die einzige weiterführende Schule in ihren Grenzen mit maximal 71.500 Euro im Jahr. Die tatsächliche Summe ergibt sich aus dem jeweils auszugleichenden Defizit. Das wird in den kommenden beiden Jahren offenbar höher ausfallen. Jedenfalls hat die Brüdergemeinde bei der Gemeinde Butjadingen für die Jahre 2023 und 2024 zur Defizitdeckung einen jeweils um 17.000 Euro erhöhten Zuschuss beantragt.

In dem Antrag schreibt Michael Schmorrde, Referent für Recht und Personal bei der Brüdergemeinde, dass er auf eine bessere finanzielle Ausstattung von freien Schulen durch das Land hoffe. Bis dahin sei die Zinzendorfschule auf eine „Überbrückungshilfe“ angewiesen. Der gleiche Antrag wie an die Gemeinde Butjadingen ist auch an den Landkreis Wesermarsch gegangen, der sich an der Finanzierung der Schule ebenfalls beteiligt.

Welchen Anteil leistet die Schulträgerin?

„Selbstverständlich werden wir auch unseren eigenen Zuschuss entsprechend anheben, so dass die vertraglich vorgesehene Defizitdeckung weiterhin von allen drei Vertragspartnern zu gleichen Teilen getragen wird“, heißt es in dem Antrag. Weiter schreibt Michael Schmorrde: „Wir sind zuversichtlich, mit der Unterstützung aller Partner die in der Coronazeit entstandenen Schwierigkeiten zu überwinden und den Schulstand nachhaltig weiterzuentwickeln.“

Wer entscheidet über die Vergabe der Gelder und wie lassen sie sich einordnen?

Über den Antrag auf einen höheren Zuschuss in den kommenden beiden Jahren wird der Schulausschuss des Gemeinderats abstimmen. Das Gremium tagt öffentlich am kommenden Dienstag, 15. November, ab 19 Uhr im Rathaussaal in Burhave. Vertreter der Tossenser Schulleitung werden anwesend sein und einen Bericht erstatten. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat, der am 15. Dezember seine letzte Sitzung in diesem Jahr hat.

Die 71.500 Euro, mit denen die Gemeinde die Schule generell unterstützt, stellen bereits die größte Summe aller freiwilligen Leistungen im Haushalt dar. Bürgermeister Axel Linneweber hält sie aber für gut angelegtes Geld.

Was tut die Schule selbst, um die Probleme zu überwinden?

Weil die Zinzendorfschule keine staatliche Schule ist, sondern sich in kirchlicher Trägerschaft befindet, sind die Lehrkräfte in Tossens nicht verbeamtet und erhalten auch kein festes Tarifgehalt. Sie werden nach Stunden bezahlt. Melanie Rummel bestätigt, dass Lehrerinnen und Lehrer unter dem Spardruck zurzeit freiwillig auf Stunden verzichten, um auf diese Weise zu einer Senkung der Kosten beizutragen.

Das Lehrerkollegium arbeitet zudem intensiv an Lösungen für die Probleme. Laut Melanie Rummel ist eine Strukturgruppe gebildet worden, die sich Gedanken zu den verschiedensten Fragen zur Zukunft der Zinzendorfschule macht. Unter dem Dach der Strukturgruppe sind sechs mit Lehrerinnen und Lehrern sowie Vertretern der Schulleitung besetzte Arbeitsgruppen tätig.

Welche offenen Fragen gibt es und wann liegen Antworten vor?

Wie lassen sich neue Schüler gewinnen? Ist die Organisationsform der Zinzendorfschule mit einem gymnasialen Zweig und der Oberschule noch die richtige? Wie soll die pädagogische Arbeit künftig ausgerichtet werden? Wie kann es die Schule schaffen, wieder mehr Strahlkraft zu entwickeln? Muss sich dafür die Schulleitung neu aufstellen? Spätestens zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres sollen nächstes Jahr Antworten vorliegen.

Eine konkrete Konsequenz des Spardrucks ist bereits, dass große Teile der früheren Hauptschule nicht mehr genutzt werden; das spart Energiekosten. Das Gebäude gehört - anders als die anderen Immobilien auf dem Schulgelände - nicht der Brüdergemeinde, sondern dem Landkreis Wesermarsch. Die Schule und die Brüdergemeinde hoffen, dass der Landkreis einer vorübergehenden Mietminderung zustimmt.

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Erstellt:
11. November 2022, 14:17 Uhr
Lesedauer:
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