Möbelhaus Kemner ab November montags schließt

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Die Türen bleiben geöffnet, doch es gibt Änderungen: Nils Kuiper, Geschäftsführer der Kemner Home Company in Bad Bederkesa, hat genaue Vorstellungen, wie sich Energiekosten weiter reduzieren lassen.

Warum das Möbelhaus Kemner ab November montags schließt

Energie ist teuer. Und weil das so ist, hat sich das Möbelhaus Kemner in Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven zu einem drastischen Schritt entschieden.

Kemner schließt montags ab November

Aktion „Green Monday“ soll Energie sparen - Auch Meyerhoff zieht mit - Einzelhandel vorsichtig

Alle Welt redet vom Energiesparen - die Möbelbranche auch. Die Kemner Home Company in Bad Bederkesa geht mit gutem Beispiel voran. Andere Unternehmen aus der Region ziehen mit - und greifen zu mehr oder weniger drastischen Maßnahmen.

„Wir haben eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach gebaut, haben E-Ladesäulen auf dem Parkplatz eingerichtet, Bäume gepflanzt und ein Block-Heizkraftwerk errichtet, um Energie zu sparen“, sagt Nils Kuiper, Inhaber und Geschäftsführer der Kemner Home Company. Aber das ist nicht das Ende. Angesichts der Energiekrise führen Kuiper und sein Team ab 7. November den „Green Monday“ ein. Klartext: Die Ausstellungsräume im Handelspark bleiben bis auf Weiteres montags geschlossen.

Damit geht der Unternehmer aus Bad Bederkesa den Weg, den der Mittelstandsverbund - Spitzenverband der deutschen Wirtschaft für 230.000 mittelständische Unternehmen - vorgeschlagen hat. Als Beitrag zur „prekären Lage in der Energiekrise“, so formuliert es der Verbund, könnten die Geschäfte zunächst von diesem November bis März 2023 montags geschlossen bleiben.


„Beleuchtung ist unser Hauptverbrauchsträger“

Bei Kuiper ist die Empfehlung auf fruchtbaren Boden gefallen: „Die Beleuchtung der 5000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche ist unser Hauptverbrauchsträger.“ Durch eine Reduzierung der Öffnungszeiten könne man den Stromverbrauch in diesem Bereich um circa 17 Prozent senken. „Durch zusätzliche Optimierung der Personaleinsatzzeiten könnten weitere circa 12 Prozent eingespart werden“, rechnet der Unternehmer. Weiterhin könne die Wärmeproduktion durch zwei aufeinanderfolgende Schließungstage ebenfalls verringert werden. Der Geschäftsführer sieht weitere Vorteile. „Bisher hatten die Mitarbeitenden des Verkaufs innerhalb der Woche einen freien Arbeitstag, jetzt haben sie ein verlängertes Wochenende“. Vorteil für die Kunden: „Küchenplaner und Einrichtungsberater sind dann an jedem Öffnungstag im Hause, so dass wir unsere Beratungskapazität nochmals deutlich erhöhen können“, sagt Kuiper. Verwaltung, Lager und Montage stehen montags weiterhin zur Verfügung.

 Möbelhaus Kemner ab November montags schließt

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Modepark Röther bleibt weiterhin montags geöffnet. Das Unternehmen mit einem Standort im Gewerbepark Spaden (Foto) will auf andere Art und Weise die Energiekosten reduzieren.

Auch Jens Wendelken, Geschäftsführer der Meyerhoff GmbH mit Standorten in Osterholz-Scharmbeck und Bremerhaven, begrüßt die Idee des Mittelstandsverbundes. „Wir werden dem Aufruf folgen und ab 7. November montags schließen“, sagt er mit Blick auf die Notwendigkeit, Energie zu sparen. Montags sei ohnehin nicht umsatzstärkster Tag. Wendelken: „Unternehmen außerhalb unserer Branche und Privatleute sollten sich ebenfalls beteiligen.“

Zurückhaltung bei Opti Wohnwelt im Gewerbepark Spaden. „Wir machen bei ,Greeen Monday’ nicht mit“, sagt Geschäftsführer Oliver Föst in der Firmenzentrale im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Man befinde sich mit dem Standort in Spaden in einer Konkurrenzsituation mit anderen Geschäften, die montags nicht schließen, sagt Föst und verweist auf bereits erfolgte Energieeinsparungen, unter anderem durch LED-Beleuchtung.


Beleuchtung der Werbetürme abgeschaltet

Das schwedische Einrichtungshaus IKEA in Bremerhaven wird montags ebenfalls nicht schließen. „Als erste sichtbare Maßnahme haben wir seit September die Beleuchtung der Werbetürme von 22 Uhr bis 16 Uhr abgeschaltet“, sagt Sprecherin Tamara Breuer. Zudem habe man – abgestimmt auf die Öffnungszeiten - in den Abend- und Nachtstunden die Fassaden- und Außenbeleuchtung abgeschaltet. „Dies wird auch für die Weihnachtsbeleuchtung gelten“, sagt Breuer.

Auch im Modepark Röther - ansässig in Spaden - hat man vom „Green Monday“ gehört. Doch an eine Montags-Schließung sei aktuell nicht gedacht. „Wir haben andere Maßnahmen umgesetzt“, sagt Marketing-Leiterin Danica Gnamm und verweist unter anderem auf eine Reduzierung der Schaufenster-Beleuchtung sowie eine Verringerung der Beleuchtung im Tagesbetrieb um ein Drittel. Zudem seien die Raumtemperaturen gesenkt worden.

 Möbelhaus Kemner ab November montags schließt

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Kristina Holscher, Geschäftsführerin von Modehaus Holscher, treibt Maßnahmen zur Einsparung von Energie voran. Doch eine Schließung an einzelnen Verkaufstagen ist nicht geplant.

Der Einzelhandel im Cuxland sieht die Schließung an einzelnen Verkaufstagen kritisch. „Daran denken wir derzeit nicht“, sagt Kristina Holscher, Geschäftsführerin vom Modehaus Holscher mit Standorten in Loxstedt und Bederkesa. „Wir reduzieren die Beleuchtung der Schaufenster und haben im Inneren schon seit längerem überall nur noch LED-Leuchten.“ Zurückhaltung auch beim Gewerbeverein Wremen. „Über Maßnahmen zur Energieeinsparung muss jeder Mitgliedsbetrieb selbst entscheiden“, sagt Vize-Vorsitzender Gerd Hohlmann. In die gleiche Kerbe stößt Susanne Dickmann, Sprecherin des Beerster Gewerbevereins. „Wir machen den Betrieben da keine Vorschriften.“


IHK bietet konkrete Beratungen für Betriebe an

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Stade sieht man das ähnlich. Und bietet Hilfe an. „Ein fachübergreifendes Krisenteam berät die Unternehmen zu diversen Fragen rund ums Thema Energieversorgung, zum Beispiel zu Fördermitteln für Energieeinsparmaßnahmen oder zu politisch angekündigten Härtefallregelungen“, sagt IHK-Sprecherin Kirsten Kronberg. Im Fokus stehen dabei produzierende Betriebe, beraten werden aber genauso Dienstleister und Händler.

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Erstellt:
20. Oktober 2022, 17:09 Uhr
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