Gemeinde Wurster Nordseeküste in Tante-Emma-Laden in Midlum investiert

© Heike Leuschner

Gabriele Cierlitzki in ihrem Dorfladen. Nach der Sanierung werden die Baumarktregale (links) einer Kombination aus Kühl- und Tiefkühlschränken weichen.

Warum die Gemeinde Wurster Nordseeküste in Tante-Emma-Laden in Midlum investiert

Dorfläden haben wieder Zukunft - wenn das Engagement der Betreiber und die Nachfrage stimmen. Der Midlumer Dorfladen zählt inzwischen vier Mitarbeiterinnen und viele Stammkunden. Die Gemeinde Wurster Nordseeküste glaubt ans Konzept - und investiert.

Dorfladen mit Perspektive

Gemeinde investiert gut 500.000 Euro in Geschäftssanierung und -erweiterung

Mit Baumarktregalen, gebrauchter Theke und Secondhand-Eiskühltruhe hat vor gut zwei Jahren alles angefangen. „Improvisiert, aber etwas Eigenes“, sagt Gabriele Cierlitzki voller Stolz über ihren Dorfladen an der Dorfstraße 6 in Midlum. Im Oktober 2020 hatte sie das Geschäft mit ihrem - inzwischen verstorbenen - Mann Helmut eröffnet.

Eine Blitzentscheidung. Nur zwei Monate zuvor war dem Paar das leerstehende Ladengeschäft zum ersten Mal aufgefallen. Längst haben die Midlumer das Angebot angenommen. „Ich bin manchmal selbst überrascht, wie gut es läuft“, sagt die Betreiberin. Daran konnte auch die Verwaltung der Gemeinde Wurster Nordseeküste nicht vorbeischauen.

Auf noch nicht einmal 50 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet Gabriele Cierlitzki vieles an, was man zum täglichen Leben braucht - vom Brötchen bis zum Geschirrspülmittel, von der hausgemachten Frikadelle bis zum Gemüse. Inklusive Kaffeeautomat, Zeitschriftenregal, Süßigkeiten-Aufsteller und einem Tisch für alle, die ihren Kaffee gleich im Laden trinken wollen, ist es ganz schön eng im Geschäft. Doch der fehlende Platz ist nur ein Problem. Gebraucht werden vor allem Kühl- und Tiefkühlgeräte.

 Gemeinde Wurster Nordseeküste in Tante-Emma-Laden in Midlum investiert

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Vor gut zwei Jahren hat Gabriele Cierlitzki ihren kleinen Dorfladen in der Midlumer Ortsmitte eröffnet. Die Brötchen - von Kraßmann aus Nordholz - sind wichtiger Bestandteil ihres Sortiments, das von Druckerpatronen bis zu Eiscreme reicht.


Gemeinde will 500.000 Euro investieren

Und die sollen auch kommen. „Der Dorfladen wird von der Bevölkerung so gut angenommen, dass eine Erweiterung der Lagerkapazitäten und die Ergänzung von professionellem Interieur für den Dorfladen nötig ist“, teilt die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Gemeindemitarbeiterin Dr. Nicole Martin y Troyano mit.

Fast 385.000 Euro hat die Gemeinde für den Umbau und die Ladenausstattung aus dem Programm „Zuwendungen zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung“ (ZILE) eingeworben. Lange hat Cierlitzki auf die Zusage des Amtes für regionale Landesentwicklung gewartet. Jetzt liegt sie vor. Inklusive des Eigenanteils der Gemeinde sollen gut 500.000 Euro investiert werden. Für die Kommune ist es eine Investition in die Infrastruktur des Dorfes und in ihr eigenes Gebäude.

 Gemeinde Wurster Nordseeküste in Tante-Emma-Laden in Midlum investiert

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Den Lotto-Jackpot hat Gabriele Cierlitzki zwar nicht geknackt. Dafür investiert die Gemeinde Wurster Nordseeküste jetzt in den Midlumer Dorfladen.

Geplant ist unter anderem ein Durchbruch zum angrenzenden früheren Gemeindebüro. Dort sollen zusätzliche Lager- und Kühlmöglichkeiten entstehen. „Die sind unbedingt erforderlich, damit ich das Sortiment erweitern kann“, erklärt Cierlitzki, die das Konzept für die Verkaufsstelle entwickelt hat. Dazu gehört auch eine kleine Profiküche, in der die Ladenbetreiberin Gerichte und Eisbecher vorbereiten kann.


Neue Kühlgeräte und eine Terrasse

Gedacht sind die Speisen nicht nur für den Außer-Haus-Verkauf, sondern auch für den Verzehr auf einer kleinen Terrasse, die auf der Rückseite des Ladens entstehen wird. Auf der Straßenseite plant die Gemeinde eine zusätzliche Tür für den Anlieferverkehr. Auch im Laden wird sich einiges verändern: Der Boden wird begradigt und eine Terrassentür eingebaut. Und wo jetzt noch Baumarktregale stehen, kommen Kühl- und Tiefkühlgeräte hin. „Es wird eine richtig professionelle Einrichtung werden“, freut sich Cierlitzki.

Professionalität zeigt sich auch bei der Personalentwicklung. Vier Mitarbeiterinnen habe sie inzwischen - von fast Vollzeit bis zur Abiturientin auf Minijob-Basis. Obwohl sie 70 ist, denkt Cierlitzki nicht ans Aufhören. „Dafür macht es mir viel zu viel Spaß.“ Falls sich das einmal ändert: Anfragen, den Laden einmal von ihr zu übernehmen, gebe es bereits.

Die Gemeinde geht davon aus, dass der Dorfladen ab Mai oder Juni umgebaut wird. Für drei bis vier Monate soll der Verkauf in der Nähe provisorisch weiterlaufen.

Land im Wandel

Hat das Leben auf dem Land eine Zukunft? Die NORDSEE-ZEITUNG zeigt in der großen Serie „Land im Wandel“, wie diese aussehen könnte und wer schon erfolgreich an der Zukunft in den Dörfern und Städten bastelt. Wir verschweigen natürlich auch nicht die Probleme. Probleme, die gelöst werden wollen.

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Erstellt:
23. Januar 2023, 18:12 Uhr
Lesedauer:
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