Kritik an Schließungsplänen der Wespa

© Mark Schröder

Debstedts Ortsbürgermeister Bernd Krüger (Bürgerfraktion) und Anwohnerin Astrid Picker ärgern sich wie viele andere Debstedter über die Schließung der Wespa-Filiale zum 15. Dezember.

Deutliche Kritik an Schließungsplänen der Wespa

Die Weser-Elbe Sparkasse schließt zum 15. Dezember ihren SB-Standort in Debstedt sowie zwei Geldautomaten in Bremerhaven.

Wespa sorgt für Ärger in Debstedt

Weser-Elbe Sparkasse schließt SB-Filiale - Auch zwei Geldautomaten in Bremerhaven betroffen

Aufregung in Debstedt: Die Weser-Elbe Sparkasse (Wespa) schließt zum 15. Dezember ihre dortige SB-Filiale. Auch in Bremerhaven wird der Service reduziert. Auf zwei Geldautomaten im Stadtgebiet müssen die Kunden fortan verzichten.

Neben dem erst vor gut fünf Jahren aufgestellten Wespa-Würfel an der Langener Straße, direkt vor dem Debstedter Ameos-Klinikum, fallen auch die Bremerhavener Geldautomaten am Klinikum Reinkenheide und im Eingangsbereich des Cinemotion-Kinos Mitte des Monats weg. Diese Entscheidung hatte der Verwaltungsrat der Wespa getroffen, dem auch Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos) und Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) angehören.

„Wir überprüfen die SB-Geräte regelmäßig bezüglich des Nutzungsverhaltens“, sagte Wespa-Vorstandschef Peter Klett. „Die Transaktionszahlen an den drei Standorten sind deutlich unterdurchschnittlich.“ Ein Grund dafür sei die immer kleiner werdende Bedeutung des Bargelds. Im Klinikum Reinkenheide werde diese Entwicklung durch das dort eingesetzte bargeldlose Bezahlsystem verstärkt, und auch Kinobesucher würden zunehmend ohne Münzen und Scheine auskommen oder ihre Tickets online buchen.


Debstedts Ortsbürgermeister macht seinem Ärger Luft

Von sinkenden „Transaktionszahlen“ war am Donnerstagmorgen in Debstedt wenig zu merken. Neben der durchgehend geöffneten SB-Filiale der Wespa vor dem Ameos-Klinikum warteten zahlreiche Kunden darauf, Überweisungen zu tätigen, Kontoauszüge auszudrucken oder Bares aus dem Geldautomaten zu holen. Auch Ortsbürgermeister Bernd Krüger (Bürgerfraktion) gesellte sich dazu - und machte seinem Ärger über die Pläne der Sparkasse Luft.

„Hier stehen eigentlich immer Leute davor, der SB-Würfel wird gut genutzt“, sagte Krüger. Viele der rund 2.200 Debstedter hätten für das Aus der Filiale „überhaupt kein Verständnis“. Dass der gegenüberliegende Netto-Markt die Wünsche nach Bargeld bedienen könne, bezweifelt Krüger. „Wie viel Geld sollen die denn vorhalten, wenn dort demnächst alle Wespa-Kunden hingehen?“


Viele Ältere sind gerade erst in die Nähe gezogen

Besonders ärgere er sich darüber, dass auf der anderen Straßenseite gerade erst ein gutes Dutzend Mehrfamilienhäuser entstanden seien, in dem vorwiegend ältere Menschen wohnten, so Krüger. „Und nicht weit von hier entsteht ein neues Baugebiet - hinter beiden Projekten steht die Wespa. Und jetzt machen die hier dicht. Das kann doch nicht wahr sein.“

Dass die Kunden die Debstedter SB-Filiale regelmäßig genutzt hätten, wollte Wespa-Sprecherin Ninia Käckenmester auf NZ-Nachfrage gar nicht abstreiten. „Aber dieser Andrang am Donnerstag war wohl auch dem Monatswechsel geschuldet“, sagte sie. Zudem sei ein anderer Aspekt für die Entscheidung, sich von dem Standort zu trennen, noch viel wichtiger gewesen.


Wespa: Gefahr von Automatensprengung zu hoch

„In Niedersachsen sind in diesem Jahr so viele Geldautomaten gesprengt worden wie noch nie“, sagte Käckenmester. Die SB-Filiale in Debstedt sei durch ihre „exponierte und verkehrsgünstige Lage“, insbesondere durch die Nähe zur Autobahn, besonders gefährdet. Der Vorstandsvorsitzende ergänzte: „Wir müssen die Sicherheit der Infrastruktur und den Schutz der Menschen, die sich im Umfeld der Automaten aufhalten, gewährleisten“, so Klett.

Über diese Problemlagen hätte nicht nur der Ortsbürgermeister gerne im Vorfeld mit der Wespa gesprochen. Auch Geestlands Bürgermeister Thorsten Krüger (SPD) zeigte sich am Donnerstag enttäuscht über das Vorgehen der Sparkasse. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Wespa im Vorwege das Gespräch mit uns sucht, statt die Kundinnen und Kunden vor vollendete Tatsachen zu stellen“, so der zukünftige Landrat. „Dann hätten wir eventuell gemeinsam eine Lösung entwickeln können.“

Durch die Aufgabe des Standorts Debstedt breche für die Bürger „ein wichtiges Stück Infrastruktur weg“, sagte der SPD-Mann und forderte: „Die Banken müssen Lösungen für die Kundinnen und Kunden vor Ort schaffen - insbesondere auch für die, die weniger mobil sind.“

Die Wespa betreibt nach eigenen Angaben neben 17 mitarbeiterbesetzten Filialen derzeit noch 15 SB- oder Geldautomaten-Einzelstandorte. Weitere Schließungen seien derzeit nicht geplant, sagte Sprecherin Käckenmester.


Münz-Einzahlungen kosten künftig 4,50 Euro

Umgewöhnen müssen sich von heute an auch Wespa-Kunden, die ihre Münzen in einer der Filialen abgeben wollen. Für Privatkunden wird ab sofort eine Gebühr von 4,50 Euro fällig. Davon ausgenommen seien lediglich Minderjährige mit einem eigenen Girokonto, so Käckenmester.

Die Wespa-Sprecherin begründete diesen Schritt mit gestiegenen Kosten durch strengere Auflagen vonseiten der Bundesbank. So dürfe Münzgeld „nur noch sortenrein und rolliert“ an die Bundesbank weitergeleitet werden. Die Kosten dafür gebe die Wespa nun ausschließlich an die Kunden weiter, die den Service in Anspruch nähmen. Man habe sich bewusst gegen eine Gebührenerhöhung „mit der Gießkanne“ entschieden, so Käckenmester.

Ja, Online-Banking und Kartenzahlung werden für kommende Generationen der Normalfall sein. Für viele ältere Menschen dagegen sind Bankgeschäfte per Smartphone oder der Abschied vom Bargeld keine Alternativen. Wer sich davon überzeugen möchte, muss sich nur die Schlangen vor den Schaltern der Wespa anschauen - sofern die Filiale geöffnet ist. Auch Sparkassen müssen mit der Zeit gehen, keine Frage. Dies darf aber nicht zulasten ihres gesetzlichen Versorgungsauftrags geschehen. Und da reicht ein Aushang mit dem Hinweis auf die nächste, drei Kilometer entfernte Filiale nicht aus. Dass zwei der drei nun verkündeten Schließungen zudem viele Krankenhauspatienten treffen, grenzt an Zynismus.

 Kritik an Schließungsplänen der Wespa

© Mark Schröder

Mit diesem Zettel in der SB-Filiale werden die Debstedter Wespa-Kunden auf die bevorstehende Schließung hingewiesen.

Das grenzt an Zynismus

Standpunkt von Mark Schröder

 Kritik an Schließungsplänen der Wespa

© Arnd Hartmann

Mark Schröder

Zum Artikel

Erstellt:
1. Dezember 2022, 13:53 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

1 Kommentare
Nils

Ich warte jetzt nur noch auf den blumigen informationsbrief der WESPA, in dem die Verbesserung der Servicequalität beschworen wird, die mit diesem weiteren Kahlschlag einhergeht.
So geschehen nach der Filialschließung Debsteder Weg.

02.12.202211:54 Uhr

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.