Wird die Sommerzeit abgeschafft? Ein neues Gutachten stärkt die Kritiker.

Wird die Sommerzeit abgeschafft? Ein neues Gutachten stärkt die Kritiker.

Foto: Naupold/dpa

Politik

Die Uhr tickt für die Sommerzeit

Von nord24
10. März 2016 // 08:30

Es ist die Fortsetzung einer nicht enden wollenden Geschichte. Dem Bundestag liegt ein brisantes Gutachten vor, das jene bestärken könnte, die der Zeitumstellung von Winter auf Sommer und umgekehrt Sinn und Zweck absprechen. Dem Vernehmen nach plant der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung in der kommenden Woche, sich mit der über 200 Seiten starken Analyse zu beschäftigen. Kommt jetzt noch einmal Fahrt in die Debatte um die Zeitumstellung?

Seit Jahren wird gegen die Zeitumstellung protestiert

Seit Jahren machen die vielen Gegner mobil gegen das aus ihrer Sicht unsinnige Vor- und Zurückstellen der Uhr im Frühjahr und im Herbst. In diesem Jahr fällt die nächste Zeitumstellung ausgerechnet auf den Ostersonntag. In der Nacht vom 26. auf den 27. März wird die Uhr um zwei Uhr morgens um eine Stunde vorgedreht. Dann ist Sommerzeit und es bleibt eine Stunde länger hell. Im Oktober müssen die Uhren dann wieder um eine Stunde zurückgestellt werden. Dann gilt die Winterzeit, die auch die Normalzeit ist.

Sommerzeit sollte beim Energiesparen helfen

Ein europaweites Ritual, das in Deutschland seit 1980 besteht. Als es eingeführt wurde, ging es ums Energiesparen. Freilich räumte die EU-Kommission schon vor Jahren ein, dass es damit nicht weit her ist. Außerdem betonen Experten immer wieder, dass sich der Biorhythmus vieler Menschen, insbesondere der Kinder, erst einige Tage nach der Zeitänderung anpasse. Der mdr ist der Frage nachgegangen, wie sinnvoll die Zeitumstellung ist:

Ohne Brüssel geht es nicht

Dauer-Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können die Folge sein. Mehrere parlamentarische Initiativen im Bundestag oder im Europaparlament mit dem Ziel, die Umstellung zu kippen, blieben bislang erfolglos. Selbst die CDU hatte 2014 auf ihrem Europa-Parteitag in Berlin die Abschaffung beschlossen. Ohne EU und Brüssel läuft da nämlich nichts.

Nur 0,21 Prozent Ersparnis durch die Sommerzeit

Nun haben die Kritiker einen neuen Trumpf in die Hand bekommen. Der Endbericht "Bilanz der Sommerzeit" des Büros für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Bundestag stützt ihre zentralen Argumente. In der Analyse, die der zuständige Ausschuss in Auftrag gegeben hatte, heißt es, die Energieeinsparungen seien "allenfalls minimal beziehungsweise zu vernachlässigen". Hochgerechnet auf den "nationalen Stromverbrauch" würden sich Einsparungen von lediglich 0,21 Prozent ergeben.

Mehr Herzinfarkte nach der Zeitumstellung

Außerdem bereite die Zeitumstellung manchen Menschen größere Mühe, "als in früheren Jahren angenommen wurde". Konkret betonen die Experten, dass "selbst binnen vier Wochen nach der Umstellung der Anpassungsprozess nur unvollständig beziehungsweise gar nicht" gelinge. Auch ereigneten sich "ohnehin zu erwartenden Herzinfarkte gehäuft in der ersten Wochenhälfte" nach dem Vorstellen den Uhr. Dass es freilich mehr Infarkte gibt, lässt sich laut Gutachten nicht belegen. Genau so wenig, wie eine höhere Zahl an Verkehrsunfällen, was in anderen Studien festgestellt wurde.

Neuer Schwung für die Debatten

Zu einem abschließenden Rat an die Politik pro oder contra Zeitumstellung kommen die Experten daher nicht. Dennoch dürfte der Streit um Sommer- und Winterzeit neuen Schwung bekommen. Davon geht man auch im zuständigen Bundestagausschuss aus.

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