Nicht nur klassischer Treibstoff, sondern auch das Laden an den Ladesäulen ist zuletzt teurer geworden. Doch für die Fahrzeuginhaber gibt es Möglichkeiten, sich zumindest auf anderen Wegen etwas Geld wiederzubekommen.

Nicht nur klassischer Treibstoff, sondern auch das Laden an den Ladesäulen ist zuletzt teurer geworden. Doch für die Fahrzeuginhaber gibt es Möglichkeiten, sich zumindest auf anderen Wegen etwas Geld wiederzubekommen.

Foto: Martin Schutt/dpa

Auto & Verkehr
Wirtschaft

Mit E-Autos kann man Geld im Schlaf verdienen

Von dpa
27. April 2022 // 08:01

Autofahrer stöhnen über die hohen Preise an den Zapfsäulen und Ladestationen. Die Halter von Elektroautos können mit CO2-Zertifikaten aber Kasse machen.

Zu schön, um wahr zu sein?

Das Versprechen klingt fast zu gut, um wahr zu sein: „Geld verdienen mit dem Elektro-Auto“. Wer in diesen Tagen im Netz nach dem Wortungetüm „Treibhausgasminderungsquote“ oder kurz „THG-Quote“ sucht, stößt auf unzählige Anzeigen, die Besitzern eines Elektrofahrzeuges eine Prämie von über 300 Euro im Jahr versprechen. Schnell und unbürokratisch soll das Geld fließen, ohne dafür zu arbeiten zu müssen. Man muss nur ein Auto mit reinem Batterieantrieb oder einen größeren Elektro-Roller besitzen und einen gültigen Fahrzeugschein vorlegen können.

Geld stammt von den Öl-Konzernen

Im Gegensatz zu den staatlichen Kaufprämien für E-Autos, die derzeit auf dem Prüfstand des Bundesregierung stehen, stammen die THG-Prämien nicht aus Steuermitteln, sondern von der Mineralölwirtschaft. Die THG-Quote verpflichtet nämlich Mineralölunternehmen dazu, ihren CO2-Ausstoß von Jahr zu Jahr zu senken. Und wenn sie das nicht aus eigener Kraft schaffen, müssen sie zahlen.

Doch mit vorgeschriebenen jährlich steigenden Minderungsquoten fällt es Aral, Shell und Co. immer schwerer, nur mit dem Biosprit um Strafzahlungen herumzukommen. Ein Ausweg: Die Konzerne können Verschmutzungsrechte von sauberen Akteuren einkaufen, um die gesetzlichen Vorgaben zumindest auf dem Papier zu erfüllen. Die reichen die Kosten weiter: Bezahlen müssen am Ende diejenigen, die noch immer mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind.

Gutes Geschäft - jetzt auch für den Bürger?

Seit Jahresbeginn 2022 dürfen in Deutschland auch Privatleute bei diesem Geschäft mitmischen. Damit sich das Umweltbundesamt nicht mit unzähligen Einzelanträgen herumschlagen muss, kommen Zwischenhändler ins Spiel, die die Formulare zur CO2-Minderung bündeln und diese dann im Paket prüfen lassen, um sie dann auf dem Markt anbieten.

Trotzdem gibt es bei der Behörde derzeit einen Antragsstau, so dass sich die Halter der Fahrzeuge gedulden müssen. Neben den klassischen Stromversorgern und Mobilitätsanbietern sammeln rund 40 Start-up-Unternehmen wie Emobia, Klima-Quote.de oder Fairnergy die THG-Quoten ein und überweisen an die Halter eines E-Autos jeweils bis zu 350 Euro im Jahr pro Fahrzeug.

Quote gilt auch für große E-Roller

Nur Plugin-Hybride sind ausgeschlossen, weil sie auch mit fossilem Kraftstoff betankt werden können. Aber selbst elektrisch betriebene Leichtkrafträder und E-Motorräder, die ein großes Nummernschild haben und schneller als 45 Stundenkilometer fahren, dürfen die THG-Quote in voller Höhe in Anspruch nehmen.

Mit gemischten gefühlen sieht man die THG-Quote für Elektroautos bei Umweltschutzverbänden. „Sie ist nicht schädlich, aber bringt den Klimaschutz leider viel zu wenig voran“, sagt Tobias Austrup, Experte für Mobilität bei Greenpeace. „Rund 300 Euro sind ein zu mickriger Anreiz, um auf Elektromobilität umzusteigen.“

Für einen schnellen Umbau der Mobilität fordert Greenpeace andere Instrumente. „Eine Neuzulassungssteuer für Autos mit hohem Spritverbrauch würde einen deutlichen Fortschritt bringen. Das zeigen etwa Erfahrungen aus den Niederlanden, wo gleich beim Kauf oder bei der Erstanmeldung eines besonders klimaschädlichen Verbrenners auch mal 20.000 Euro oder mehr fällig werden.“ Das habe die Autoflotte dort viel klimafreundlicher gemacht.

Greenpeace: Öl-Unternehmen kaufen sich frei

Mit der Regelung sollten eigentlich die Mineralölkonzerne motiviert werden, sich zu wandeln, sagt Austrup. „Mit der THG-Quote müssen sie aber ihr Geschäftsmodell nicht grundsätzlich ändern. Dabei sollten sie sich heute mit der Frage auseinandersetzen, womit sie ihr Geld verdienen wollen, wenn ein Verkauf von Mineralölprodukten aus Klimagründen nicht mehr stattfinden kann. Die THG-Quote erzeugt diesen Transformationsdruck nicht. Es handelt sich eher um ein klassisches Freikaufen.“ Dass damit nicht alle Bürger, die mit ihrem A-Auto eigentlich umweltbewusst unterwegs sein wollen, einverstanden sind und diese Prämie daher nicht in Anspruch nehmen wollen, ist verständlich.

Greenpreace-Experte Austrup rät trotz aller Bedenken jedem Elektroautofahrer, diese Prämie mitzunehmen. „Die Quote fällt sonst an den Staat zurück. Und der wird sie dann irgendwann versteigern. Die Mineralienkonzerne kommen also so oder so an diese Quote.“

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