ball: Was vom Hype im Sommer übrig blieb

© Clemens Budde

Die B-Mädchen des Heeslinger SC, hier Svenja Unkel im Spiel gegen FC Geestland, sind eine von zwei Mannschaften aus dem Kreis, die auf Bezirksebene spielen.

Frauenfußball: Was vom Hype im Sommer übrig blieb

Nach den Europameisterschaften wurde von einem „Hype“ im Frauen-Fußball gesprochen. Hat er den Mädchen- und Frauenfußball auf regionaler Ebene erreicht?

Frauenfußball: Ein Hype?

Welche Auswirkungen hatte die EM in Sommer auf den regionalen Fußball

Nach den Europameisterschaften wurde von einem „Hype“ im Frauen-Fußball gesprochen. Hat dieser Hype wirklich den Mädchen- und Frauenfußball auch auf regionaler Ebene erreicht? Die ZZ-Sportredaktion sprach mit Trainern und Funktionären aus der Region.

Was für ein Abend. Mehr als 20.000 Zuschauer sahen Ende November das Bundesliga-Spiel zwischen den Werder-Frauen und Freiburg. Es war eine Premiere. Das erste Spiel der Frauen, die sonst vor vielleicht 300, 400 Zuschauern auf dem Platz 11 spielen, im großen Stadion.

Bremen verlor am Ende mit 1:2. Doch das Spiel zeigte, was im Frauen-Fußball möglich sein kann. Ist das der „Hype“, von dem nach der EM in England so oft gesprochen wurde?

Werders Torwarttrainer Lars Neugebauer antwortet mit einem „Jein“. „Du merkst, dass auch bei den Spielen auf Platz 11 mehr Zuschauer sind, und dabei auch sehr viele Kinder und Jugendliche zuschauen“, so Neugebauer. „Die Bekanntheit der Spielerinnen und die Anerkennung ist auf jeden Fall größer geworden. Im Trainingsalltag hat sich aber nicht viel geändert.“


Keine Auswirkungen in der Region

Doch wie sieht es jenseits der Bundesliga aus? Auf den Plätzen der Region? „Auf dem Dorf ist von diesem Hype nichts angekommen“, meint Michael Ernst, Trainer der SG Sandbostel. „Corona hat viel kaputt gemacht. Wir müssen hier um jede Spielerin kämpfen. Es wird immer schwerer.“

Stefan Peick, Team-Manager der SG Anderlingen/Byhusen sieht dies ähnlich: „Seit der EM hat sich bei uns nicht viel getan. Der Effekt der EM ist ausgeblieben und unserer Einschätzung nach haben die jungen Mädels die EM kaum verfolgt.“

Noch steht der Frauenfußball im Landkreis Rotenburg ganz gut da. In der Landes- und den zwei Bezirksligen spielen acht Teams aus dem Kreis. Doch es bröckelt. Einigen Teams droht der Abstieg aus ihren Spielklassen, Nartum/Horstedt musste zuletzt die 2. Damen vom Spielbetrieb abmelden und der Landesligist Westerholz hat gar keine Mädchenmannschaft mehr.

Die Zahlen sprechen vor allem im Mädchenfußball eine deutliche Sprache. Zwischen 2010 und 2020 hat sich die Zahl der Mädchenteams in Deutschland mehr als halbiert. Nahmen 2010 noch 8.665 Teams am Spielbetrieb teil, waren es 2020 nur noch knapp 4.000. Eine Trendwende ist zwar deutschlandweit zu erkennen, zeigt sich aber (noch) nicht im Kreis Rotenburg.

Es fehlt weiterhin an Nachwuchs. „Im Mädchenbereich ist es in allen Spielklassen schwierig“, so Regina Thurisch, die im NFV-Kreis Rotenburg für den Frauen- und Mädchenfußball verantwortlich ist. „Es fehlt an Spielerinnen, und - das ist das größte Problem - es fehlt an Trainern. In einigen Vereinen gibt es Mädchen, die spielen möchten, aber niemanden, der Trainer- und Betreuer-Aufgaben übernehmen will.“

Eine Zahl zur Veranschaulichung: Im Kreis Rotenburg sind für die Spielzeit 2022/2023 nur vier Teams bei den E-Mädchen gemeldet. Bedenklich auch: Mit den C- und B-Mädchen des Heeslinger SC spielen nur zwei Mannschaften aus dem Kreis auf Bezirksebene.


Permanente Werbung ist wichtig

„Die Entwicklung im Mädchenfußball ist schade“, so Mirko Friedrich, Trainer der B-Mädchen beim HSC. „Wir haben in Heeslingen das Glück, dass wir Trainer in unseren Reihen haben, die mit viel Herzblut dabei sind.“

Der Heeslinger SC ist übrigens der einzige Verein im Kreis, der in allen Altersklassen ein Team stellt. Wie hat der Verein das geschafft? „Wir gehen an die Grundschulen und bieten Schnuppertraining an“, erzählt Friedrich, der lange in Zeven als Stützpunkttrainer wirkte. „Auch versuchen wir den Mädchen viel zu bieten“, so Friedrich, der als Beispiel auf das Freundschaftsspiel gegen Viktoria Berlin verweist.

Erfolgreich ist seit Jahren die Nachwuchsarbeit beim JFV A/O/B/H/H. „Wir sind in der glücklichen Lage in allen Altersklassen von den E- bis zu den B-Mädchen Fußball anzubieten. Derzeit bauen wir ein F-Mädchenteam auf“, so die sportliche Leiterin Tanja Schroten. „Aber ob das mit den Erfolgen des Nationalteams zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen.“

Ähnlich sieht es Uwe Norden, 2. Vorsitzender des NFV-Bezirk Lüneburg und Frauen-Koordinator in Bassen. „So anerkennenswert die Erfolge der Nationalmannschaft auch waren, einen Hype kann ich nicht erkennen“, so Norden. „Gut, die Zuschauerzahlen steigen in der Bundesliga. Aber auf regionaler Ebene ist dieser Hype nicht angekommen.“

Die Begeisterung nach der EM reicht nicht aus, um den Mädchen- und Frauenfußball voranzubringen. Verbände und Vereine sind gefordert. „Solche Events haben immer hohe Aufmerksamkeit, weil sie in den Medien präsent sind“, so Wohnstes Trainer Thomas Löhn. „Für die Vereins- und Basisarbeit ändert sich nicht viel. Das Wichtigste ist, in den Vereinen ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Mädchen entwickeln können.“

Mit dem ambitionierten Projekt „Frauen im Fußball“ verfolgt der DFB unter der Leitung von Doris Fitschen das Ziel, den Mädchen- und Frauen-Fußball in Deutschland zu entwickeln. Die 144-fache Nationalspielerin weiß aber: „Nur gemeinsam mit den Verbänden und Vereinen können wir den Mädchen- und Frauenfußball voranbringen.“

0 Kommentare

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Lieferengpässe bereiten Klärwerkern Probleme

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.