llegen sprechen Klartext über Ekaterinas Ehemann

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Neuwagen stehen auf dem Autoterminal. Der Ehemann von Ekaterina B. hat hier gearbeitet - sehr viel, aber auch erfolgreich, berichten seine Kollegen.

Arbeitskollegen sprechen Klartext über Ekaterinas Ehemann

Vor dem Landgericht in Bremen wird der Mordfall Ekaterina B. verhandelt. Arbeitskollegen des Angeklagten berichten über die gemeinsame Arbeit im Hafen.

Arbeitskollege: Er tat mir leid

Mordfall Ekaterina B.: Arbeitskollegen des Angeklagten sagen als Zeugen aus

Hat der Ehemann von Ekaterina B. doch versucht, sich einem seiner Arbeitskollegen anzuvertrauen, dass er für den Tod seiner Ehefrau verantwortlich ist? Mehrfach soll der Hafenarbeiter entsprechende Andeutungen gemacht haben.

Drei Kollegen vom Autoterminal haben inzwischen vor dem Schwurgericht in Bremen ausgesagt, wie sie den 46-jährigen Ehemann von Ekaterina B. und die Zusammenarbeit mit ihm erlebt haben. Eine Feststellung eint alle drei: Dass der Angeklagte ein „hervorragender Operator“ auf dem Terminal gewesen sei und ein „exzellenter Spürhund“, wenn es darum ging, auf dem riesigen Gelände im Hafen Autos zu finden. „Das können nur wenige wie er“, sagt einer der Hafenfacharbeiter. Aber bei den Kollegen sei er trotzdem nicht gerade beliebt gewesen. „Er war sehr stressig und penetrant, um ein Ziel zu verfolgen“, sagt ein anderer.

Bis wenige Monate vor dem Verschwinden seiner Frau habe der nun des Mordes verdächtigte beinahe pausenlos malocht, Überstunden gemacht und Doppelschichten. Auch an den Wochenenden sei er nicht zu Hause geblieben, erinnern sich seine Kollegen. „Wir haben ihn schon aufgefordert, auch mal frei zu machen“, sagt einer der Zeugen, „man muss ja auch an die Familie denken“. Sie hätten sich lustig über ihn gemacht. In der WhatsApp-Gruppe mit 50, 60 Kollegen sei auch sofort das Foto vom schwarzen Koffer in der Weser herumgeschickt worden. „Das ist die Frau“, sei sofort kommentiert worden. „Nicht schön“, sagt einer der Zeugen. „Wenn einer leidet, ergötzen sich die anderen.“

„Er war immer da“, berichtet eine Kollegin, die mit dem Angeklagten in einem Team gearbeitet hatte. 13 Tage habe Ekaterinas Ehemann durchgearbeitet und auch dann nur einen freien Tag eingelegt, weil das so vorgeschrieben sei, meint sie. Als Ekaterina vermisst worden sei, da habe er sie zum Kaffeetrinken besucht, erzählt die 60-Jährige. Eine Tasche habe er dabeigehabt mit Wäsche und Büchern und auf die Frage nach dem Warum habe er nur geantwortet: „Sie können mich jederzeit abholen.“ Ruhiger als sonst sei der 46-Jährige bei diesem Treffen gewesen und mehr in Sorge um die kleine Tochter als um die Frau, nach der alle suchten. „Er hat nicht gesucht“, sagt sie, das habe sie erstaunt. Trotzdem könne sie bis heute „nicht richtig“ glauben, dass er einen Mord begangen haben könnte.


„Es gab viel Tratsch und Klatsch im Hafen“

Das Gleiche sagt auch ein 55-Jähriger, der auf den „vielen Tratsch und Klatsch im Hafen“ über den Fall nichts habe geben wollen. „Er tat mir leid“, erzählt der Mann, der einmal Ausbilder des Angeklagten war. Deshalb habe er auch erst dann privat verstärkt Kontakt zu dem 46-Jährigen gesucht, als der Vermisstenfall öffentlich wurde. „Die Frau war weg und Geld wohl auch - ich dachte, sie hätte sich aus dem Staub gemacht“, sagt er. Aber ohne das Kind? „Einfach abzuhauen..., das hätte ich ihr so gewünscht“, sagt auch die Kollegin, die die 32-Jährige kannte und ihr einmal den Rat gegeben haben will: „Wenn du weg willst, dann zieh das auch durch.“

Erst wenige Tage vor der Festnahme seien ihm Zweifel gekommen, ob Ekaterinas Ehemann die Wahrheit erzähle, sagt der 55-Jährige. „Hast du ihr eine vor den Kopf gehauen und sie liegt irgendwo?“ habe er da gefragt und keine Antwort erhalten, aber empört habe der 46-Jährige auch nicht reagiert. „Das hat mich nachdenklich gemacht.“


Die Garage glich einem „Trümmerfeld“ von Sperrmüll

Gemeinsam hätten sie rund ums Haus aufgeräumt und auch die Garage, einem „Trümmerfeld“ habe sie geglichen. „Wenn du dein Kind wiederhaben willst, dann musst du aufräumen“, habe er seinem Kollegen den Rat gegeben und auch noch geholfen, die Hecke zu schneiden und Sperrmüll wegzubringen. Da sei er stutzig geworden über drei Müllsäcke voll mit Ekaterinas Kleidung in der Garage. „Die braucht sie ja nicht mehr“, habe er zur Antwort bekommen. Auch von dem bereits gepackten Koffer für den Fall einer Festnahme wusste der Kollege. „Vielleicht sehen wir uns 15 Jahre nicht wieder“, habe er gehört. „Er stand neben sich“, sagt er, „er war nicht mehr er.“

Zum Kettenraucher sei der 46-Jährige geworden. Auch seine Mutter sei zu jener Zeit immer im Haus gewesen, fast so, als wäre sie bei ihrem Sohn eingezogen. Da habe er ein ungutes Gefühl bekommen und zu seiner Frau gesagt: „Er könnte es doch gewesen sein.“ Bei der Kollegin rief Ekaterinas Schwiegermutter auch noch nach ihrem Geständnis an, sie habe sie umgebracht. Die Frau habe nur eines wissen wollen, erinnert sich die Kollegin: Ob ihr Sohn gleich wieder anfangen könnte auf dem Autoterminal, wenn er freigesprochen werde.

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Erstellt:
13. Dezember 2022, 20:03 Uhr
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