tze? Politiker reagieren auf Amazon-Recherche

© Luise Langen

Paketboten aus Bremerhaven berichten der NORDSEE-ZEITUNG von prekären Arbeitsbedingungen. Jetzt reagieren Bundestagsabgeordnete auf die Berichterstattung.

Neue Gesetze? Politiker reagieren auf Amazon-Recherche

Amazon beutet Paketboten aus. Wir haben mit Correctiv über die Arbeiter berichtet. Jetzt fordern Politiker (SPD, die Grünen, die Linke) neue Regeln.

Schärfere Regeln für Amazon?

Das System Amazon: Bundestagsabgeordnete reagieren auf Berichterstattung

Überwachung, Druck, Ausbeutung - diese Wörter fassen den Alltag von Amazon-Paketboten zusammen. Gemeinsam mit dem Recherchenetzwerk Correctiv haben wir über prekäre Arbeitsbedingungen berichtet. Jetzt fordern Bundestagsabgeordnete schärfere Regeln.

In der Vorweihnachtszeit und am Black Friday macht Amazon jedes Jahr Rekordumsätze. Doch hinter den Kulissen des Großkonzerns gibt es in dieser Zeit besonders wenig Grund zur Freude. Deshalb hat die NORDSEE-ZEITUNG am beliebten Schnäppchentag eine ausführliche Recherche zum System Amazon veröffentlicht.

In Zusammenarbeit mit dem Recherchenetzwerk Correctiv haben wir aufgezeigt, wie Amazon-Mitarbeiter in ganz Deutschland durch Apps auf dem Arbeitshandy überwacht, mental unter Druck gesetzt und ausgebeutet werden. Kurierfahrer aus Bremerhaven sprechen von Arbeitstagen zwischen 10 und 12 Stunden und unbezahlten Überstunden. Wer sich wehrt, fliegt raus, sagen sie.

Auf diese Recherchen haben mehrere Bundestagsabgeordnete reagiert. Sie fordern schärfere Kontrollen, höhere Bußgelder und vor allem eine strengere Gesetzgebung. Denn im Gespräch mit den Paketboten aus Bremerhaven wurde deutlich, was das Kernproblem ist: Die Kurierfahrer und Lkw-Fahrer, die für Amazon Pakete ausliefern, sind nicht direkt bei Amazon, sondern über Subunternehmen angestellt.


Auch die Subunternehmer unterliegen dem System

Durch die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Unternehmen ist Amazon flexibel und rechtlich kaum für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verantwortlich. Wenn ein Subunternehmen auffällig wird, kann der Großkonzern die Zusammenarbeit kündigen und hat genügend andere Lieferanten in der Hinterhand. „Selbst die Führungskräfte unterliegen dem System. Sie haben kaum die Möglichkeit, ihren Mitarbeitern einen menschenwürdigen Umgang und eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu bieten“, sagt Nonni Morisse von der Gewerkschaft Verdi.

Während Amazon kritisiert, die Berichterstattung von Correctiv und Nordsee-Zeitung würde ein "stark verzerrtes Bild der Realität" vermitteln, hoffen ehemalige Amazon-Fahrer, dass sich „jetzt endlich etwas ändert“. Am Black Friday rief Verdi zum Streik auf. Die Gewerkschaft fordert, dass in der Paketbranche Werkverträge und Subunternehmertum verboten werden.

Der Vorschlag trifft bei einigen Bundestagsabgeordneten auf Zustimmung. „Ohne Zweifel müssen große Auftraggeber wie insbesondere Amazon mehr in die Verantwortung genommen werden“, sagt Frank Bsirske, Sprecher für Arbeit und Soziales der Grünen im Bundestag. In der Fleischindustrie gilt seit 2021 ein neues Gesetz, laut dem keine Leiharbeiter oder Subunternehmen für das Schlachten und Zerlegen beauftragt werden dürfen. Bsirske fordert, dass auch in der Paketbranche künftig „nur noch fest angestelltes eigenes Personal und nicht länger Fremdpersonal eingesetzt wird“.


Nicht genügend Kontrollen bei den LKW-Fahrern

SPD und Linke sehen wiederum Defizite bei den Kontrollen der Berufskraftfahrer, die oft übermüdet über die Autobahnen fahren und sich nicht an die gesetzlichen Ruhezeiten halten. Pascal Meiser, der für die Linken als gewerkschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag sitzt, fordert verstärkte Kontrollen in Logistikzentren und eine schärfere Überwachung der Transporte: „Die Daten aus den Maut-Kontrollen müssen endlich dafür genutzt werden, die Lenk- und Ruhezeiten im Güterverkehr zu überprüfen.“

Udo Schiefner (SPD), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, hält vollumfängliche Kontrollen allerdings nicht für möglich. Deshalb müssten die Bußgelder neu diskutiert werden, sagt er: „Wenn das Risiko, beim Verstoß erwischt zu werden, niedrig bleibt, müssen die Kosten schmerzhaft sein, wenn es doch geschieht.“


Was ist Correctiv?

Correctiv ist ein gemeinnütziges Recherchenetzwerk in Deutschland. Die Redaktion hat ihren Hauptsitz in Essen und finanziert ihre investigativen Recherchen durch Spenden.

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Erstellt:
13. Dezember 2022, 17:49 Uhr
Lesedauer:
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