neue Stadthalle 55 Millionen Euro kosten würde

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Die Sanierung der alten Halle löst nicht alle Probleme. Hallen-Chef Othmar Gimpel und sein Aufsichtsratsvorsitzender Thorsten Raschen setzen deshalb auf einen Neubau am Kaisenplatz. Der wird teuer. Aber beide hoffen auf Klimaschutz-Mittel vom Land Bremen.

Warum die neue Stadthalle 55 Millionen Euro kosten würde

Die Pläne für den Neubau der Stadthalle liegen schon vor. Sicher ist, sie wird teuer. Aber die Stadt setzt auf Klimaschutz-Mittel des Landes.

Das wird die neue Stadthalle kosten

Die Pläne für einen Neubau liegen schon vor: Eine Halle mit zwei Bühnen für innen und außen

Die Vorplanungen für den Neubau der Stadthalle sind weit gediehen. Noch im Frühjahr soll die Koalition eine Entscheidung treffen. Der Preis ist schwindelerregend. Aber die Politik hofft auf Geld aus dem milliardenschweren Klimaschutz-Topf des Landes.

Die Nachricht, dass die alte Halle am Ende kommenden Jahres schließen muss, weil die Betriebsgenehmigung ausläuft, hatte viele alarmiert. Thorsten Raschen, CDU-Fraktionschef und Aufsichtsratsvorsitzender der Hallen GmbH, versichert mehrfach, dass man weiterhin in die alte Halle investieren wird, damit sie nicht geschlossen wird. Das Bauaufsichtsamt sei auch bereit, unter Auflage den Betrieb zu genehmigen. „Sie wollen halt nicht, dass man sich dauerhaft mit einem Provisorium durch die Zeit rettet“, sagt er. Die Behörden fordern eine baldige Entscheidung: Wird die alte Halle saniert oder umgebaut? Oder gibt es einen Neubau?

Eine Projektstudie für einen Neubau auf dem Kaisenplatz liegt bereits seit dem Sommer vor. Die Zahlen werden derzeit noch einmal von einem Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen. Im Fokus für den Neubau stehen eine Arena und eine dazugehörige Open-Air-Spielfläche. Weitere Module sollen erst einmal hintenan gestellt werden. Denn alles in allem käme man auf Kosten in Höhe von rund 55 Millionen Euro.

Was kostet die Arena?

Die reine Arena wird 38,4 Millionen Euro kosten. Mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach landet man bei 40,4 Millionen Euro. Das ist enorm viel Geld. Allerdings besteht nur bei einem Neubau die Chance, den bisherigen jährlichen Zuschuss der Stadt in Höhe von 5,6 Millionen Euro für den Betrieb der Halle abzusenken.

Wie soll die Halle finanziert werden?

Da die Stadt wegen der Schuldenbremse das Geld nicht aufbringen kann, war darüber nachgedacht worden, die Halle von einem Privatinvestor oder der städtischen Wohnungsgesellschaft (Stäwog) bauen zu lassen und dann langfristig zu mieten. Nachdem jetzt das Land einen milliardenschweren Klimaschutz-Topf auflegen will, bemüht sich die Stadt, den Hallen-Neubau als Bremerhavener Klimaschutz-Projekt anzumelden.

Was hat die Halle mit Klimaschutz zu tun?

Die alte Halle ist ein schlecht isolierter Energiefresser. Sie verbraucht gemeinsam mit der Eishalle 1,8 Millionen Kilowattstunden jährlich. Die neue Halle wird viel weniger Energie verbrauchen, und mit einer Fotovoltaikanlage soll sie die gesamte Energie erzeugen, die sie selbst benötigt. „Wir wollen so CO2-neutral werden“, sagt Hallengeschäftsführer Othmar Gimpel.

Wie groß wird die neue Arena?

Die Arena wird maximal 5.800 Zuschauer fassen können. Das wäre dann ein Konzert mit Stehplätzen im Innenraum. Wird der Innenraum bestuhlt wie etwa bei einer Comedy-Show, passen 4.600 Zuschauer in die Halle. Ein Basketballspiel ist mit bis zu 4.850 Zuschauern möglich. Zusätzlich sind kleinere Versammlungsräume für Konferenzen mit 100 bis 400 Personen geplant. Die Tribünen in den unteren Rängen sollen je nach Bedarf per Knopfdruck in den Innenraum verlängerbar sein (Teleskop-Tribünen) für eine schnelle Anpassung der Kapazitäten. Zum Konzept gehören auch Business-Logen, die Unternehmen für Gäste und Kunden buchen können, sowie ein Business-Club, wo bis zu 180 Gäste abgetrennt ein Konzert genießen können.

Was bietet die Halle an Besonderheiten?

An die Halle wird sich direkt der Platz für Open-Air-Konzerte anschließen. Die Bühne kann deshalb direkt in den Hallen-Neubau als Anbau integriert werden, so dass Catering und Toiletten mitbenutzt werden können. Die Open-Air-Bühne wird überdacht sein. Das Dach wird zudem von der Halle als eine Art riesiger Balkon benutzt.

Was ist der Vorteil eines Neubaus gegenüber einer Sanierung?

Die Kosten für die Sanierung der Halle waren bislang auf 18,5 Millionen Euro geschätzt worden. Allerdings werden mit einer Sanierung viele Probleme nicht gelöst: Die Show der Ehrlich Brothers braucht inzwischen eine Deckenhöhe von 12 bis 13 Metern. Die Stadthalle hat nur 7 Meter, und das bleibt dann auch so, sagt Gimpel. Um das zu ändern, müsste die Halle komplett umgebaut werden. Die Kosten dazu lagen in den bisherigen Schätzungen bei 25 Millionen Euro und die für den Neubau bei 30 Millionen Euro. Die Neubau-Schätzung wurde jetzt bei der Konkretisierung nach oben korrigiert.

Was ist der Vorteil des bisherigen Standorts am Kaisenplatz?

Raschen will auch die neue Halle auf dem Kaisenplatz unterbringen. Überlegungen, sie ins Werftquartier zu verlegen, wo es in der Nähe mit dem Schaufenster Fischereihafen attraktive Gastronomie für ein Essen vor dem Konzert gibt, lehnt er ab. „Wir wollen nicht nur das Werftquartier stärken, sondern auch andere Bereiche in der Stadt wie eben Lehe. Die Halle gehört hierher“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Zu den Stärken des Standorts gehören laut Gimpel die Nähe zur Autobahn, was die Anreise für Besucher und Veranstalter erleichtert. Er liegt zwischen zwei Bahnhöfen, die von Bussen angefahren werden. Und er ist gut mit dem Rad erreichbar. Außerdem liegt bereits ein gültiger Bebauungsplan vor und die Fläche bietet künftige Erweiterungsmöglichkeiten.

Was sind die Schwächen des Standorts?

Beim Neubau wird man in der alte Halle nur eine gewisse Zeit lang den Betrieb aufrechterhalten können. Zu Konflikten beim Bau könnte es auch mit dem Betrieb der Eishalle kommen. Der Kaisenplatz liegt zudem abseits der Touristenströme, und das Umfeld ist auch nicht besonders attraktiv.

Was sind die weiteren Module des Hallen-Areals?

Auch wenn im ersten Schritt nur die Halle samt Open-Air-Platz gebaut wird, steht das Konzept für das gesamte Areal. Zu den weiteren Modulen gehört ein Parkhaus direkt neben der Halle, eine Großküche, von der aus ein Anbieter nicht nur die Halle versorgen kann, sondern weitere Kunden in der Stadt. Dazu gehört auch ein überdachter Multi-Sportplatz mit Kunststoffbelag, auf dem trotzdem die Eishockeyspieler mit Schlittschuhen trainieren können. Auch andere Sportler wie Skater könnten hier trainieren. Ein Open-Air-Markt wäre auch möglich, sagt Gimpel.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Die Projektstudie für die neue Halle liegt vor, die Wirtschaftsprüfer testen noch einmal die Plausibilität der Zahlen. Das soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

Wenn die Koalition jetzt grünes Licht für den Neubau geben würde, könnte Ende 2025 mit dem Bau begonnen werden. 2027 wäre die Halle dann fertig.

Wer soll die Pläne umsetzen?

Um spätere Kostensteigerungen zu verhindern, sollen sich bei einer Ausschreibung Architekten und Baufirmen gemeinsam bewerben. Zuvor muss klar sein, ob ein Investor das Projekt finanzieren will und mit welchen Fördermitteln von Bund und Europäischer Union gerechnet werden kann. Die Investorensuche würde entfallen, wenn das Land tatsächlich den Hallen-Neubau aus dem Fonds für Klimaschutz und Krisenbekämpfung finanzieren wird, der für die Zeit bis 2027 mit drei Milliarden Euro in Form von Krediten gefüllt werden soll. Er ist aufgeteilt in mehrere Bereiche, und Bremerhaven muss jetzt Projekte entwickeln, um 20 Prozent der Mittel beantragen zu können, sagt Raschen. Die Verteilungsmechanismen der Mittel sind allerdings noch ziemlich unklar.

 neue Stadthalle 55 Millionen Euro kosten würde

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Bislang liegt nur eine Skizze vor. Aber sie macht schon deutlich, die der Innenraum der künftigen Arena aussehen soll.

 neue Stadthalle 55 Millionen Euro kosten würde

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Oben rechts an der Ecke Melchior-Schwoon-Straße und Stresemannstraße soll die Halle mit dem Open-Air-Platz künftig ihren Platz finden. Links schließt sich das schmale Parkhaus an, das jedoch nicht im ersten Schritt realisiert werden soll. Links oben auf der Fläche ist der Baumarkt erkennbar. Direkt unter dem Baumarkt befinden sich zwei weitere weiß eingezeichnete Gebäude. Links handelt es sich um eine Großküche, rechts um den Multi-Sportplatz. Auch sie werden nicht im ersten Schritt umgesetzt.

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Erstellt:
28. November 2022, 19:31 Uhr
Lesedauer:
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