ter Fall um verhungertes Baby

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Vor dem Landgericht Verden läuft derzeit ein Prozess um eine rätselhafte Kindstötung durch Unterlassen. Angeklagt sind die Eltern des Babys.

Rätselhafter Fall um verhungertes Baby

Ein rätselhafter Fall beschäftigt derzeit das Landgericht Verden. Es geht um das Schicksal eines verhungerten Babys aus der Samtgemeinde Sottrum.

Rätselhafter Fall um verhungertes Baby beschäftigt das Landgericht

Ein rätselhafter Fall beschäftigt derzeit das Landgericht Verden. Es geht laut Anklage um das Schicksal eines verhungerten Babys aus der Samtgemeinde Sottrum. Die Eltern des Säuglings wollen keinen Gewichtsverlust bemerkt haben.

Hieß es bislang, dass die Kinderärztin bei einer ersten Untersuchung am 7. Mai 2019 den damals zehn Tage alten Jungen nicht nackt gesehen habe, passt dies nicht zu den Inhalten der Patientenakte. Möglicherweise bedeutsam für den Prozess, denn drei Tage später war der Junge mit rund einem Viertel weniger als seinem notierten Geburtsgewicht in einem lebensbedrohlichen Zustand in die Klinik eingewiesen worden.


Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen?

Die 35 Jahre alte Kindesmutter wird der Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen beschuldigt. Sie habe ihren Sohn bei jeder Mahlzeit mit nur 20 Milliliter gefüttert. Dies bestreitet die Angeklagte und darin pflichtete ihr Ehemann ihr vor Gericht bei. Obwohl der 42-Jährige die Aussage hätte verweigern können, beantwortete er alle Fragen. Keine Aussage macht hingegen die Kinderärztin. Gegen sie war nach dem Tod des Babys auch ermittelt worden. Das Verfahren wurde eingestellt.


Kindsvater: „Wir haben ihn gefüttert“

„Wenn behauptet wird, er sei gestorben, weil wir ihm kein Essen gegeben hätten, dann entspricht das nicht der Wahrheit. Wir haben ihn gefüttert“, so die Aussage des Ehemannes. Bis auf den „Ausschlag“ am Mund, Mundsoor war laut Anklage am 7.5. 2019 von der Kinderärztin diagnostiziert worden, sei der Gesundheitszustand seines jüngsten Sohnes in Ordnung gewesen. Von einem extremen Gewichtsverlust will der Vater nichts bemerkt haben. Obwohl auch er seinen Sohn gefüttert und gebadet habe.


Wurde die Trinkflasche des Jungen genügend nachgefüllt?

Als ausgerechnet die Verteidigerin auf die Skala der damals verwendeten Nuckelflasche hinwies, offenbarte sich, dass diese nur bis 125 Milliliter reicht. Der Vater hatte jedoch 160 Milliliter als Trinkmengen angegeben. Wenn sein Sohn noch Hunger gehabt habe, sei nachgefüllt worden, erklärte der Zeuge. Das ist eine ganz neue Aussage, stellte der anwesende Rechtsmediziner fest.

Laut Anklage wog der Junge bei der Geburt knapp 4.500 Gramm. In der Patientenakte der Kinderärztin sollen nur 4.040 Gramm als Geburtsgewicht vermerkt worden sein. So zumindest wurde es vor Gericht verlesen.

Unstrittig ist, dass die Angeklagte nach der Geburt am 27. April 2019 am 7. und 10. Mai 2019 bei der Kinderärztin war. Beim zweiten Besuch in der Praxis wollte eine Mitarbeiterin das Kind wiegen. Beim Anblick des Jungen habe sie sofort ihre Chefin alarmiert. „Das Kind wirkte schlaff, ließ Arme und Beine hängen, wimmerte vor sich hin.“ Rund ein Kilo Gewichtsverlust habe sie festgestellt. „Mir war klar, dass es sich um einen Notfall handelt“, so die Mitarbeiterin.

Für den 7. Mai wurden Feststellungen zu Nabel, Herz und Lunge des Neugeborenen gemacht, was für eine ärztliche Untersuchung spricht. Aber kein Vermerk zum Gewicht. Hierzu konnten drei Praxismitarbeiterinnen nichts sagen.

Eine Pastorin, die später die Nottaufe in der Klinik vorgenommen hatte und die Familie kennt, wusste nur Positives zu berichten. „Ich habe häufig Kontakt zu der Familie und kann gar nichts Negatives sagen“, so die Zeugin. Fürsorglich und hilfsbereit sei die Familie. Ein starker Zusammenhalt zeichne sie aus. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass das nicht sein kann“, sagte sie bezogen auf den Tatvorwurf. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, was Lebensmittelpunkt der Angeklagten sei, antwortete die Pastorin: „Die Kinder. Auf jeden Fall.“ (js)

Ein Verfahren voller Rätsel

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