her Ärztemangel in Bremerhaven und Angst vor Praxis-Schließungen

© Arnd Hartmann

Die Medizinerin Dr. Birgit Lorenz befürchtet einen „Dominoeffekt“, wenn die steigenden Kosten dazu führen sollten, dass Ärzte ihre Praxen früher aufgeben. Dann steigen die Belastungen für die Kollegen mit bitteren Konsequenzen für die Ärzteversorgung.

Dramatischer Ärztemangel in Bremerhaven und Angst vor Praxis-Schließungen

Eine Hausärztin befürchtet, dass sich der Ärztemangel durch steigende Energiekosten und die hohe Inflation ausweitet und warnt vor einer kritischen Lage.

Geben noch mehr Ärzte auf?

Durch steigende Kosten geraten Ärzte unter Druck. Es droht ein Dominoeffekt.

Viele Hausärzte sind über 60 Jahre alt. Es ist absehbar, dass sie bald in Rente gehen, und Nachfolger sind Mangelware. Keine guten Aussichten. Aber nun droht der Ärztemangel noch viel schneller als ohnenhin schon befürchtet auf uns zuzukommen.

Schon lange warnt Dr. Birgit Lorenz vor dem Ernst der Lage. Erst im Frühjahr wies die Hausärztin und Bremerhavens Bezirksstellenvorsitzende der Ärztekammer darauf hin, dass 40 Prozent der Kollegen über 60 Jahre alt sind. Sie forderte die Politik auf, sich aktiv darum zu kümmern, junge Ärzte nach Bremerhaven zu holen. So, wie man es auch bei den Lehrern getan hat.


Steigende Energie- und Personalkosten

Inzwischen hat sich aber die Lage für die Ärzte weiter verändert, und zwar nicht zum Guten.

Die Belastungen sind hoch. Sie werden jetzt noch verstärkt durch die hohen Kosten, die auf die Praxen zukommen. Inflation, höhere Energiekosten und höhere Personalkosten sorgen dafür, dass der finanzielle Rahmen für die Ärzte enger wird. Und die Krankenkassen weigern sich, einen Inflationsausgleich zu bezahlen. „Derzeit wird darüber unter den Ärzten intensiv diskutiert“, sagt Lorenz.

„Die Stimmung ist gedämpft“, sagt sie nach einem Treffen mit Kolleginnen. Und: „Niemand weiß, welche Kosten auf die Praxis zukommen.“ Lorenz selbst erwartet eine Verzehnfachung. Entsprechend groß sei die Verunsicherung.

Bei den Kollegen, die über 60 Jahre alt sind, gebe es dann auch die Überlegung, vorzeitig in Rente zu gehen oder die Praxis zu schließen oder in einer Anstellung weiterzuarbeiten. „Die Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung ist da ehrlich“, sagt Lorenz.

Die hatte bei den Ärzten nachgefragt: Wie reagieren Sie auf die Energiekostensteigerung? 22 Prozent der Befragten gaben an, die wöchentlichen Öffnungszeiten einzuschränken. Und 21 Prozent denken sogar über eine frühere Praxisabgabe nach. Das sind alarmierende Zahlen. Sollte der finanzielle Druck tatsächlich dazu führen, dass Ärzte in Bremerhaven ihre Praxen vorzeitig schließen, wäre das fatal.

Lorenz geht davon aus, dass Mitte bis Ende kommenden Jahres die Ärzte klar sehen, was für finanzielle Belastungen und Einschränkungen sie tragen müssen. Wenn dann die ersten Kollegen schließen, erhöht sich der Druck auf die anderen Ärzte. Denn in Bremerhaven seien die Praxen größer als in Bremen. Entsprechend mehr Patienten müssen dann von den anderen Praxen mit versorgt werden, was den Druck erhöht und weitere Ärzte bewegen könnte, ebenfalls aufzuhören. Lorenz spricht von einem „Domino-Effekt“.

Der Kostendruck trifft viele Ärzte in einer Phase, in der sie ohnehin durch die Anforderungen durch Digitalisierung und elektronischer Gesundheitskarte belastet sind. „Das verschlingt Unsummen“, sagt Lorenz. Außerdem seien viele Kollegen gestresst und klagten über hohe Arbeitsbelastungen.

Neben dieser besorgniserregenden Entwicklung gibt es aber Vorgänge, aus denen Lorenz.


Stadt will bei Suche nach Ärzten aktiver werden

Optimismus schöpft. Die Stadt ist offenbar bereit, tatsächlich aktiver bei der Suche nach jungen Ärzten zu werden. Bei einem Treffen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS sei verstanden worden, dass dazu eine intensive überregionale Werbung notwendig sei. Aktiv wollen BIS und KV auch die Praxen identifizieren, bei denen eine Weitergabe ansteht. „Und erstmals gab es die Aussage seitens der Stadt, dass man dafür Geld in die Hand nehmen muss“, sagt Lorenz. Die KV leiste schon viel, unterstütze Praxisübernahmen finanziell und gebe Umsatzgarantien. Die Stadt müsse aber auch aktiv werden. Bei der Anwerbung junger Ärzte, denen dann auch gute Wohnungen, Hortplätze, gute Schulen für die Kinder und Arbeitsplätze für die Ehepartner geboten werden müssten.

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