len: Bremerhaven muss auf Container setzen

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Die Container-Schule in Lehe muss ebenfalls länger bestehen bleiben als geplant. Foto Scheschonka

Neue Schulen: Bremerhaven muss auf Container setzen

Schüler-Ansturm setzt Bremerhaven unter Zugzwang. Zwei neue provisorische Container-Schulen entstehen. Dafür werden Millionen Euro Miete gezahlt.

Neue Container-Schulen kommen

Schüler-Ansturm setzt Stadt unter Zugzwang - Millionen Euro nur für Miete

Der Schüler-Ansturm setzt Bremerhaven unter Zugzwang. Zwei neue provisorische Container-Schulen entstehen. Dafür muss die Stadt bis 2030 mehr als zehn Millionen Euro an Miete zahlen. Neue Schulmassivbauten sind nicht schnell genug fertig.

Die Schülerzahlen steigen in der Stadt, die Schulen platzen aus allen Nähten. Ab kommenden Schuljahr fehlen in Geestemünde jährlich rund 60 bis 85 Schulplätze. Schnelle Hilfe ist gefragt. Magistrat und Politik setzen daher auf angemietete Container-Schulen. Die Mitglieder des Finanzausschusses haben dafür jetzt die finanziellen Weichen gestellt.


Neue Grundschule Geestemünde soll im Sommer starten

Die Neue Grundschule Geestemünde soll als Interimslösung in Mobilbauweise auf dem Sportplatz der Humboldtschule entstehen und zum kommenden Schuljahr dreizügig starten, dafür sind bis 2030 rund 12 Millionen Euro Miete fällig. Der ursprünglich geplante Massiv-Neubau einer Grundschule an der Voßstraße soll erst Ende des Jahrzehnts fertig sein. Ebenfalls ist eine Container-Zwischenlösung für die Neue Oberschule Geestemünde (ehemals Kantschule) geplant, bis dort das neue Schulzentrum in Massivbauweise entstanden ist. Die schon errichteten Schul-Container der Neuen Grundschule Lehe und der Neuen Oberschule Lehe sollen erst einmal bestehen bleiben. Fest steht: In Bremerhaven lernt ab Sommer ein nicht unbedeutender Teil der Schülerschaft in Container-Bauten.

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Sönke Allers, SPD-Fraktionschef, ist froh, dass schnell neuer Platz für Schüler geschaffen werden kann.

SPD-Fraktionschef Sönke Allers warnte davor, diese Lösung zu negativ zu bewerten. „ Das sind nicht die Container, die man von vor zehn Jahren kennt“, machte er deutlich. Die neuen Module würden annähernd das Niveau von Massivbauten erreichen, Lehrkräfte und Schüler würden sich dort prinzipiell wohlfühlen. Man brauche schnell Platz, dafür sei die Lösung genau richtig. „Das hat wirklich nichts mehr mit den alten Containern zu tun“, pflichtete ihm CDU-Fraktionschef Thorsten Raschen bei.

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CDU-Fraktionschef Thorsten Raschen kann modernen Bauten in Mobilbauweise nichts Schlechtes abgewinnen.

Man habe schließlich auch drei neue Massiv-Schulbauten auf den Weg gebracht - zwei davon in Lehe, einer in Geestemünde. Diese sollen bis 2025 fertig sein. Schneller gehe es nun mal nicht. „Es dauert in Deutschland viel zu lange, bis Bauprojekte umgesetzt werden können. Das ist alles viel zu kompliziert“, monierte Jens Grotelüschen (FDP). Jetzt müsse man das Steuergeld notgedrungen für die Miete „zum Fenster rausblasen“. Aus der Regierungskoalition ist auch zu hören, dass sich die Stadtverwaltung bei den Neubauten viel zu lange mit rein pädagogischen Überlegungen aufgehalten und so die Projekte verzögert habe. Grundsätzlich war ein Grummeln wahrnehmbar, dass Kommunen die auf höheren Ebenen getroffenen Beschlüsse etwa zu Krippenplätzen oder Ganztagsschulen umsetzen müssten, ohne dafür finanziell ausgestattet zu werden.


Grüne kritisieren die Regierungskoalition

Die Grünen wiederum sehen die Regierungskoalition in der Verantwortung. SPD und CDU hätten in acht Jahren Regierungsverantwortung es nicht geschafft, rechtzeitig die Weichen zu stellen. „Das ist Ihr Versagen. Dabei ist die Bildung das Wichtigste“, ärgerte sich Claudius Kaminiarz von den Grünen. „Nun müssen zwei vollständige Grundschuljahrgänge ihre Schulzeit in Mobilbauten verbringen.“ Man hätte durchaus rechtzeitig ehemalige Schulgebäude wieder aktivieren können, so Kaminiarz.

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Claudius Kaminiarz, Stadtverordneter der Grünen, wirft der Koalition Versagen vor.

Diskutiert wurde auch, ob man die Container nicht hätte kaufen statt mieten können, mit der notwendigen Komplettsanierung der Humboldtschule stehe schon der nächste temporäre Engpass vor der Tür. Der Kauf der Container soll aber weniger wirtschaftlich als die Miete sein. Im Ergebnis stimmten alle Fraktionen dafür, Verpflichtungsermächtigungen für die Anmietung der Container in den kommenden Jahren zu erteilen. Die AfD enthielt sich.

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