hwasser-Gefahr: Polit-Zoff um Zuständigkeiten

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Der Grauwallkanal am Nordende des Containerterminals. Das Sperrwerk schafft es nicht mehr, das Regenwasser aus dem Kanal ins Meer zu befördern. Eine Lösung gibt es. Aber niemand will die Verantwortung übernehmen.

Trotz Hochwasser-Gefahr: Polit-Zoff um Zuständigkeiten

Mit einem neuen Schöpfwerk soll die Hochwassergefahr am Grauwallkanal verringert werden. Aber Bremen, Bremerhaven und Landkreis ringen um Zuständigkeit.

Zoff um Hochwasserschutz

Trotz Gefahrenwarnung übernimmt Senat keine Verantwortung in Weddewarden

Für Holger Welt ist die Lage gefährlich. Er warnt vor Überschwemmungen in Weddewarden, im Hafen und im Umland in Ahrtal-Dimensionen, wenn der Senat nicht handelt. Aber im Gestrüpp von Zuständigkeiten wird die Verantwortung hin und her geschoben.

Oben, am nördlichen Ende der Stromkaje, befindet sich ein Sperrwerk. Denn mit dem Bau des CT4 musste auch die Mündung des Grauwallkanals verlegt werden. Er fließt nun zwischen Terminal und Weddewarden in Richtung Norden und mündet hier ins Watt.

Das Sperrwerk soll verhindern, dass das Nordsee-Wasser in den Kanal strömt. Bei niedrigem Wasserstand öffnet es sich, damit das im Grauwallkanal angesammelte Regenwasser aus der Region ins Meer abfließen kann. So sollte es sein. Aber das klappt nicht mehr, sagt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Welt aus Leherheide.


Mehr Starkregen und mehr versiegelte Flächen

Der Grauwall-Kanal trägt zur Regenwasserentwässerung von Bremerhaven, Geestland und der Gemeinde Wurster Nordseeküste bei. Er erstreckt sich vom Sperrwerk in Weddewarden bis nach Midlum. Vermehrte Oberflächenversiegelung und Starkregen erhöhten in den vergangenen Jahren den Regenwasser-Zulauf. Besonders die Regenwassermengen aus Bremerhaven erhöhten sich: Mehr Discounter einschließlich der Parkflächen sorgten dafür, aber auch die verstärkte Nutzung in den Gewerbegebieten, sagt Welt.

Auf der anderen Seite des Sperrwerks sorgen immer häufiger Stürme dafür, dass das Hochwasser dauerhaft aufläuft. „Das Öffnen der Tore ist oftmals über Tage nicht möglich“, sagt Welt, da sonst Nordsee-Wasser in den Kanal gedrückt werde. Es habe schon mehrere Sturmfluten hintereinander gegeben, so genannte Kettenfluten. Das Regenwasser aus dem Hinterland habe nicht ablaufen können. „Das könnte katastrophale Folgen für die Häuser, aber auch für den Hafenbetrieb haben“, sagt Welt. Der Kanal habe schon mehrfach kurz davor gestanden, überzulaufen, weil wegen des Hochwassers die Tore des Sperrwerks nicht geöffnet werden konnten. „Es bestand akute Überflutungsgefahr“, sagt Welt. Mit Blick auf die Ahrtalkatastrophe fordert er dingend den Bau eines tideunabhängigen Schöpfwerks, mit dem trotz Hochwassers das Regenwasser aus dem Kanal abgeschöpft werden kann.

In der Bürgerschaft forderte er deshalb von Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) Taten. Er und andere Bremerhavener Abgeordnete lieferten sich am Donnerstag ein Wortgefecht mit der Senatorin, an dessen Ende sich viele Bürger nur noch verwirrt umschauen würden: Es gibt offenbar niemanden, der Verantwortung übernehmen will.


Senatorin sieht sich nicht in der Verantwortung

Schaefer leugnete zunächst die Problemlage. Ihrem Haus seien im Bereich des Grauwallkanals keine Hochwassergefahren oder Entwässerungsprobleme bekannt. „Offensichtlich kennen Sie da andere Experten“, sagte sie auf Welts Hinweis auf Fachleute. Die Senatorin sprach sich sodann selbst von der Verantwortung frei und verwies mehrfach auf die Zuständigkeit von Magistrat und Entsorgungsbetrieben beim Thema Hochwasserschutz. Das Land kümmere sich um den Schutz vor Sturmfluten, die Kommune um den Schutz vor Hochwasser.

Ihr Haus wolle gern unterstützen. Aber die Zuständigkeiten seien klar. „Es wäre ja auch schön, wenn ich mich um die Verkehrspolitik in Bremerhaven kümmern könnte, aber das wollen Sie ja dann wieder nicht“, sagte sie auf den Einwand von Thorsten Raschen (CDU), dass man Sturmfluten und Hochwasserschutz nicht so scharf trennen könne.

Schließlich erklärte die Senatorin, dass es auch ums Geld gehe. Die Verbände in Niedersachsen würden Hochwasserprobleme beklagen und forderten deshalb das Schöpfwerk. Aber das Land Bremen und Bremerhaven sollten das bezahlen. „Wir haben das abgelehnt“, sagte Schaefer.

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Erstellt:
8. Dezember 2022, 12:37 Uhr
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