iesel: Wie sauber ist der Hafen in Bremerhaven?

© Lothar Scheschonka

Nach Ansicht der SPD-Bürgerschaftsfraktion sollten auf den Terminals mehr Wasserstoff-Antriebe genutzt werden. Bislang überwiegen bei den Van Carriern dieselelektrische oder Hybridantriebe.

Zu viel Diesel: Wie sauber ist der Hafen in Bremerhaven?

Im Hafen von Bremerhaven sorgen Dieselmotoren für Bewegung. Es gibt keine sauberen Brennstoffzellen. In Leipzig zeigt die BLG, wie es anders geht.

Wie sauber ist der Hafen?

Zu viel Diesel, kein Wasserstoff: Die SPD kritisiert die großen Hafenbetriebe

Mit der Marke „Greenports“ wird gern die Nachhaltigkeit des Hafens in den Mittelpunkt gestellt. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus: Im Hafen brummen die Diesel, die Lkw und Van Carrier antreiben. Passiert hier zu wenig in Sachen Klimaschutz?

Hafen bedeutet Bewegung. Und dazu ist ein riesiger Maschinen- und Fahrzeugpark nötig: Kräne, Zugmaschinen, Flurförderfahrzeuge wie Stapler und Hubwagen, Rangiergeräte, Containerbrücken, Van Carrier, Lkw und Pkw. Die Umschlagunternehmen BLG und Eurogate lassen sich bei der Anzahl der Gerätschaften nicht genau in die Karten blicken. Geschätzt wird eine hohe dreistellige Zahl. Um diesen Maschinenpark antriebstechnisch so umzurüsten, dass der Hafen einmal klimaneutral werden kann, sind gewaltige Investitionen nötig.


Die Lastesel auf dem Terminal fahren mit Diesel

Van Carrier sind die Lastesel auf den Terminals. Sie füttern die Containerbrücken, nehmen ihnen die Boxen ab und stapeln sie so, dass sie zügig ihre weiteren Ziele erreichen. Die Stelzenfahrzeuge werden in der Regel dieselelektrisch angetrieben. Der Diesel erzeugt also den Strom für den Antrieb. Eurogate setzt inzwischen wie andere Umschlagunternehmen auch auf Hybridfahrzeuge, mit denen der Energieverbrauch etwas gesenkt werden kann.

Kann man da nicht mehr mit Wasserstoffantrieben machen? Die Antworten, die die SPD-Bürgerschaftsfraktion vom Hafenressort erhalten hat, fallen eher ernüchternd aus. Denn dort erwartet man eine Umstellung auf klimaneutrale Antriebstechnologien erst im Zusammenhang mit der mittel- bis langfristigen Umstellung auf automatisierte, vollelektrische Umschlagsysteme. Das heißt: Erst wenn der Hafen von Geisterhand bewegt wird, gehen die Diesel in den Ruhestand.

Dass es auch anders geht, beweist die BLG in Leipzig. Hier versorgt das Unternehmen die Produktionslinien von BMW. Der Autobauer legt Wert auf eine umweltfreundliche Produktion. Und dann geht auf einmal etwas: Die BLG hatte im vergangenen Jahr 37 Flurförderzeuge mit Brennstoffzellen in Leipzig in Betrieb genommen.

In Bremerhaven sieht das hingegen anders aus. Bei der BLG gibt es derzeit keine Fahrzeuge mit Wasserstoff-Brennzellen. Und auch die E-Fahrzeuge bilden eine Minderheit. 74 Prozent aller BLG-Fahrzeuge werden mit fossilen Brennstoffen angetrieben, 26 Prozent der Fahrzeuge haben einen elektrischen Antrieb. Für Transportfahrzeuge, die schwere Lasten heben und befördern müssen, gibt es laut Hafenressort „derzeit noch keine adäquaten batterieelektrischen Alternativen auf dem Markt verfügbar“. Und die Lkw-Flotte der BLG wird derzeit komplett mit Dieselmotoren angetrieben.


Kritik der SPD: Zu defensiv, zu langsam

Bei der SPD-Bürgerschaftsfraktion ist man mit den aktuellen Bemühungen um klimaneutrale Antriebe bei der BLG, die sich im Besitz der Stadt Bremen befindet, nicht zufrieden. „Zu defensiv, zu langsam. Ich hätte mir einen etwas offensiveren Umgang von BLG und Eurogate gewünscht. Wer sich für ,H2-ready‘ in Leipzig lobt, der sollte auch eine Antwort für den Hafen in Bremerhaven haben“, sagt der stellvertretende Fraktionschef und Bremerhavener SPD-Vorsitzende Martin Günthner.

Bei der BLG hält man den Vergleich der Standorte Bremerhaven und Leipzig für unzulässig. Im Leipzig handele es sich um relativ kleine Fahrzeuge mit bis zu 8 Tonnen Tragkraft. In Bremerhaven besitze die Mehrheit der Flurförderfahrzeuge eine Tragkraft von 12 Tonnen und mehr, sagt Unternehmenssprecherin Julia Wagner. Für diese Geräte gebe es nicht einmal genügend elektrische Alternativen. In Leipzig sei die Investition in Brennstoffzellen-Fahrzeuge zudem Teil einer umfassenden Wasserstoffstrategie der gesamten Region gewesen mit dem Aufbau von genügend Tankstellen.

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Erstellt:
1. Dezember 2022, 18:27 Uhr
Lesedauer:
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