dmole: Hafenkonzept klammert Zustand der Kajen aus

© Arnd Hartmann

Es wird eine Milliarde Euro kosten, die Stromkaje zukunftsfähig zu machen. Die Ertüchtigung gehört zu den Themen, die im neuen Hafenentwicklungskonzept verankert sind.

Trotz Nordmole: Hafenkonzept klammert Zustand der Kajen aus

Der Senat legt das Hafenentwicklungskonzept 2035 vor. Dabei geht es um die Stromkaje und die Automatisierung. Es fehlt eine Bilanz zum Zustand der Kajen.

Konzept klammert Zustand Kajen aus

Trotz Nordmolen-Desasters: Das Hafenentwicklungskonzept 2035 liefert keine Bestandsaufnahme

Das neue Hafenentwicklungskonzept hat viel mit Zukunft zu tun. Bis 2035 reicht der Blick. Allerdings ist das Papier in Teilen bereits von der Wirklichkeit überholt worden: Nach dem Nordmolen-Desaster fragt sich jeder, welche Kajen sind noch bedroht?

Wie ist der Zustand der Kajen im Kaiserhafen, wie ist der Zustand im Fischereihafen? Welche der 28 Kajen in Bremerhaven müssten eigentlich schnell saniert werden, um ein Abrutschen zu verhindern oder sie sogar funktionsfähig zu halten?

Auf diese Fragen, die sich nach dem Desaster mit der Nordmole aufdrängen, werden in dem neuen, 180 Seiten starken und detailreichen Papier, das am Montag, 19. September, dem Senat vorgelegt wird, keine Antworten gegeben.

Das erstaunt angesichts der Wucht, mit dem Hafenressorts und Hafengesellschaft Bremenports von den dramatischen Ereignissen an der Nordmole überrollt wurden.

Lediglich beim Thema Hafengebühren gibt es in dem Konzeptpapier den allgemeinen Hinweis, das in den kommenden zehn Jahren noch große Aufgaben warten. Eine halbe Milliarde Euro müsse für die Infrastruktur bereitgestellt werden.

Das heißt nicht, dass die Kajen in dem Konzept keine Rolle spielen, das in den vergangenen anderthalb Jahren erarbeitet wurde und das das Vorgängerkonzept aus dem Jahr 2014 ersetzt. Im Gegenteil. Aber das Ressort konzentriert sich weiterhin auf die kostenintensiven Projekte, die aktuell auf der Agenda stehen. Allen voran: die Ertüchtigung der Stromkaje.


Eine Milliarde für Ertüchtigung der Stromkaje

Laut Konzept wird an der Stromkaje in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro fällig. Die gewaltige Summe umfasst nicht nur die Ausgaben der öffentlichen Hand, sondern auch die Investitionen der Hafenbetriebe.

Der Druck ist hoch: Die Containerschiffe werden immer größer. Mit 400 mal 61 Metern sind solche Megaboxer vermessen, die inzwischen mit 24.000 Standardcontainern (TEU) beladen werden. Solche Giganten kann nur noch der Umschlagbetrieb bearbeiten, der auch gigantische Containerbrücken besitzt. Damit die Kaje nicht unter ihnen zusammenbricht, müssen die Terminals CT 1 bis 3a ertüchtigt werden.

dmole: Hafenkonzept klammert Zustand der Kajen aus

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Die Staus im Hafen durch den Lkw-Verkehr werden im Hafenentwicklungskonzept durchaus thematisiert. Was fehlt, ist ein Konzept, wie die Hafenarbeiter zum Umstieg vom Auto auf den Bus bewegt werden können.

Die Ertüchtigung macht aber nicht nur an den Kajen halt. Automatisierung und Digitalisierung verändern die Arbeit auf den Terminals. Die Perspektiven reichen von fahrerlosen Transportsystemen bis zur Fernsteuerung von Containerbrücken. Auch Planung und Organisation werden von der Digitalisierung erfasst.

Der Prozess wird „entscheidend sein für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und damit für ein hohes Beschäftigungsniveau der Häfen“, heißt es im Hafenentwicklungskonzept. Klar wird aber dort auch gesagt, dass eine Menge Jobs verloren gehen, wenn Fahrzeuge vom Computer gesteuert werden.


Jobs im Hafen werden sich verändern

Die Nachfrage nach Arbeitskräften bei weniger komplexen Tätigkeiten werde sinken. Gefragt wird dann aber qualifiziertes Personal sein, das die neuen Systeme bedienen und warten kann. Künftig werden Facharbeiter und Ingenieure benötigt.

Das Hafenressort setzt dabei auf Qualifizierung und Weiterbildung der Beschäftigten. Es sieht dabei die Hafenbetriebe in der Pflicht. „Die Beschäftigten sollten frühzeitig in die Digitalisierungsprozesse eingebunden werden, um sie für Qualifizierungsmaßnahmen zu gewinnen und Ängste abzubauen“, heißt es dort.

Ein Dauerbrenner etlicher Hafenkonzepte ist die Außenweservertiefung. Sie wird aber immer dringender. Jährlich laufen rund 250 Mega-Schiffe die Stromkaje an. Gut die Hälfte von ihnen muss auf ein Tidefenster warten.

Wie lange die Reeder das noch mitmachen, ist unklar. Damit das Kapitel endlich abgeschlossen werden kann, müssen schnell 5 Millionen Kubikmeter Schlick herausgebaggert werden. Kostenpunkt: 72 Millionen Euro, die der Bund allerdings übernehmen muss.

Nichts Neues gibt es zur Drehbrücke. Das Hafenressort lässt weiterhin die Frage offen, ob die Columbusinsel auch mit einer neuen Brücke wieder ans Schienennetz angebunden werden soll, obwohl an anderer Stelle im Konzept die Bedeutung der Bahnanbindung des Hafens betont wird. Und für Planung und Bau braucht man weiterhin „mehrere Jahre".


Offshore-Terminal taucht nicht mehr auf

Vom Offshore-Terminal Bremerhaven taucht in diesem Konzept nichts mehr auf. Auch von Light-Versionen oder einen OTB, der als Bucht ins Flugplatzgelände gebaggert wird, ist nichts zu lesen. Man will erst einmal die Potenziale ausloten.

Wo soll man einsteigen? Verschiffung von On- und Offshore-Komponenten, die Rolle als Basisstation für Repowering und Recycling von Offshore-Windenergieanlagen, die wasserseitige Erschließung des Gewerbegebietes Green Economy, die Prüfung eines Wasserstoffbasishafens sowie die Rolle als Basishafen für den Rückbau von Ölplattformen aus der Nordsee?

Kurz angerissen werden die Westkajen am westlichen Fischereihafen entlang des ehemaligen Flugplatzgeländes bis hinunter zum Labradorhafen.

Klimawandel und Klimaanpassung spielen durchaus eine Rolle in den Konzepten.

Leider wird nur wenig dazu gesagt, wie man künftig den Beschäftigten im Hafen mit guten Angeboten den Umstieg vom Auto auf den Bus ermöglichen will.

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